In Berlin-Steglitz steht ein ganz besonderes Wahrzeichen, das man einfach nicht übersehen kann: der Bierpinsel. Mit seinen 47 Metern Höhe ist dieser futuristische Turm ein echter Hingucker, der die Schloßstraße überragt. Er wurde 1976 eröffnet und von den Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte entworfen – ja, die gleichen Köpfe, die auch für das Berliner ICC verantwortlich sind. Die Form des Gebäudes, die an einen überdimensionalen Rasierpinsel erinnert, sollte einen klaren Kontrast zur Umgebung schaffen und hat ihm den liebevollen Spitznamen „Bierpinsel“ eingebracht. Ursprünglich war das Gebäude als Turmrestaurant konzipiert, wo Besucher über mehrere Etagen speisen und den Blick auf Steglitz genießen konnten – und, wie die Legende sagt, gab es zur Eröffnung Freibier!

Doch die Zeiten, in denen der Bierpinsel mit Leben gefüllt war, sind lange vorbei. Nach mehreren Wechseln in der Nutzung, inklusive einer Diskothek, steht das Gebäude seit Jahren leer. Die Pläne zur Wiederbelebung des Turms scheiterten bislang, und so fristet das Wahrzeichen sein Dasein als stiller Zeuge der Zeit. Seit 2017 ist der Bierpinsel sogar unter Denkmalschutz – ein Zeichen, dass man ihm vielleicht doch noch etwas Aufmerksamkeit schenken möchte.

Aktuelle Sicherheitslage

Die Situation hat sich in den letzten Wochen drastisch verändert. Am 20. September 2026, also nur einen Monat vor dem heutigen Datum, löste sich ein Fassadenteil und stürzte herab. Dies führte zu einer sofortigen Absperrung der Umgebung, und die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt. Ein Sperrkreis mit einem Radius von zwölf Metern wurde eingerichtet, und der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat die Schloßstraße zwischen Schildhornstraße und Ahornstraße, sowie die Joachim-Tiburtius-Brücke, für den Verkehr gesperrt. Das betrifft nicht nur Autofahrer, sondern auch Fußgänger und Radfahrer; sogar der Zugang zum U-Bahnhof Schloßstraße am Franz-Amrehn-Platz ist dicht. So wird die ohnehin lebendige Einkaufsstraße zur Geisterbahn.

Die zuständigen Behörden fordern vom Eigentümer, unverzüglich Sicherungsmaßnahmen einzuleiten. Laut Gutachtern sind die Fassadenelemente nicht sicher – das klingt nicht gut. Der Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff (CDU) hat klargemacht, dass die Absperrungen notwendig sind und dass man Lösungen zur Sicherung des Turms erwartet. Schließlich könnte das Bezirksamt, falls nichts passiert, selbst aktiv werden und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung stellen. Ein starker Druck, der da auf dem Eigentümer lastet, der das Gebäude seit 2021 besitzt, aber noch keine Wiedereröffnung angekündigt hat.

Das Denkmal und seine Zukunft

Das Landesdenkmalamt Berlin, die zuständige Behörde für den Denkmalschutz, spielt hier eine entscheidende Rolle. Es veröffentlicht Leitfäden und bietet Unterstützung für die Sanierung denkmalgeschützter Objekte. Die Hoffnung ist, dass diese Expertise dazu beiträgt, den Bierpinsel wieder einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Denkmalpflege ist schließlich nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Prozess, der einen respektvollen Umgang mit der Geschichte erfordert.

Sicher, der Bierpinsel hat seine besten Tage hinter sich. Aber wer weiß? Vielleicht wird er eines Tages wieder zum Leben erweckt und zieht die Besucher an, die ihm so lange gefehlt haben. Bis dahin bleibt er eine skurrile, aber auch traurige Erinnerung an die glanzvollen Zeiten, als man hier oben mit Freibier anstoßen konnte. Und während die Schloßstraße vorübergehend zur Baustelle mutiert, bleibt die Frage: Was wird aus dem Bierpinsel?