In der charmanten Ecke von Treptow-Köpenick, wo die Berliner Luft nach frischen Pflanzen riecht, gibt es ein ganz besonderes Erbe, das sich über 300 Jahre erstreckt. Die Späth’schen Baumschulen, gegründet im Jahr 1720, sind nicht nur das älteste produzierende Unternehmen Berlins, sondern waren einst die größte Baumschule der Welt. Holger Zahn, der Seniorchef, hat kürzlich die Zügel an seine Töchter und eine langjährige Mitarbeiterin übergeben. Ein Schritt, der viel mehr bedeutet als nur einen Wechsel in der Geschäftsführung – es ist der Erhalt einer einzigartigen Geschichte und Tradition, die sich bis heute in den Wurzeln der Baumschule fest verankert hat.

Doch die Zukunft dieser grünen Oase steht auf der Kippe. Der Berliner Senat plant, das Gelände für ein neues Stadtquartier zu nutzen, was die wertvollen Grünflächen der Baumschule in Gefahr bringt. Ein ursprünglicher Plan sah vor, 300 Kleingärten abzureißen, doch dieser wurde glücklicherweise verworfen. Stattdessen sollen mehrere mehrstöckige Häuser auf dem Gelände entstehen, während Holger Zahn betont, dass die Baumschule als grüner Ankerpunkt und Lernort für viele Berliner unverzichtbar ist. Jährlich kommen etwa 150.000 Besucher, um die Schönheit der Natur und die Vielfalt der Pflanzen zu erleben.

Ein Ort der Begegnung und Bildung

Auf dem weitläufigen Gelände finden nicht nur Verkaufsveranstaltungen statt. Kulturevents, Seminare und sogar ein Weltacker, wo man sich mit nachhaltiger Landwirtschaft beschäftigen kann, ziehen die Menschen an. Hier wird Wissen geteilt, und es ist ein Ort, an dem Jung und Alt zusammenkommen. Holger Zahn hat große Bedenken, wie ein „kompakter Kiez im Grünen“ entstehen kann, wenn die wertvollen Grünflächen der Baumschule bebaut werden. Im Oktober 2022 wurde ein Siegerkonzept für das Stadtquartier ausgewählt, das eine behutsame Integration der Baumschule vorsah. Doch der neue Entwurf, der im März 2023 präsentiert wurde, wirft die öffentliche Beteiligung in Frage und lässt die Frage offen, ob der Verlust der Baumschule tatsächlich im Interesse der Stadt liegt.

Am kommenden Wochenende steht das Frühlingsfest „Späth’er Frühling“ vor der Tür, und es wird eine besondere Gelegenheit sein: Die neuen Geschäftsführerinnen sollen vorgestellt werden, und auch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner hat sein Kommen angekündigt. Es ist ein Fest der Hoffnung, dass die Baumschule auch in Zukunft ein Ort der Begegnung, des Lernens und der Natur bleiben kann.

Grüne Infrastruktur im urbanen Raum

In einem breiteren Kontext ist die Diskussion um die Späth’schen Baumschulen Teil eines größeren Themas: der grünen Infrastruktur. Dieser Begriff hat in der EU-Strategie Einzug gehalten und wird zunehmend in der deutschen Fachwelt thematisiert. Grüne Infrastruktur umfasst nicht nur Parks und Gärten, sondern wird als essentielle Infrastruktur betrachtet, die mit technischer und sozialer Infrastruktur vergleichbar ist. Es gibt jedoch noch Unklarheiten, da viele unterschiedliche Vorhaben darunter fallen – von Schutzgebietsnetzwerken bis hin zu städtischen Freiraumsystemen. Die Bedeutung von grüner Infrastruktur wird immer klarer, insbesondere in Städten, die unter der Hitze und der Verdichtung leiden.

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Das Forschungsvorhaben „Grüne Infrastruktur im urbanen Raum“ zielt darauf ab, Wissenslücken zu schließen und Handlungsansätze zu entwickeln. Es wurden Konzepte ausgearbeitet, die ökologische, soziale und ästhetische Qualitäten in den Vordergrund stellen und darauf abzielen, die Ökosystemleistungen zu fördern. Schließlich ist es entscheidend, dass wir die Leistungen der grünen Infrastruktur nicht nur anerkennen, sondern auch aktiv in unsere Stadtplanung integrieren.