In Berlin-Treptow, wo die Luft nach frischem Grün riecht und die Vögel fröhlich zwitschern, stehen die Späth’schen Baumschulen vor einer ungewissen Zukunft. Ein Ort, der seit 1720 – ja, richtig gehört, seit über 300 Jahren – als das älteste noch produzierende Unternehmen Berlins gilt, ist nun von Bauplänen bedroht. Der Senat plant den Bau von bis zu 2.500 neuen Wohnungen in Späthsfelde, und das hat für die Baumschulen weitreichende Konsequenzen. Holger Zahn, der Seniorchef der Baumschulen, zeigt sich fassungslos über die angedachten Veränderungen. „Der Charakter der Baumschulen würde durch die Baupläne verloren gehen“, warnt er und bringt damit die Sorgen vieler Anwohner auf den Punkt.
Die Baumschulen müssen auf Teile ihrer Flächen verzichten – darunter wertvolle Gewächshäuser, Obstplantagen und sogar den 2.000 Quadratmeter großen Weltenacker. Ausgerechnet hier, wo seit Generationen Pflanzen gedeihen und Menschen in die grüne Oase eintauchen, sollen viergeschossige Wohnhäuser errichtet werden. Das klingt nach einer echten Herausforderung, nicht nur für die Baumschulen, sondern auch für die Bewohner von Treptow. Zuvor waren bereits 300 Kleingärten von diesen Plänen betroffen, doch das neue Kleingartensicherungsgesetz schützt diese Flächen nun weitgehend. Ein kleiner Lichtblick inmitten der Sorgen.
Ein Ort des Lernens und der Natur
Die Späth’schen Baumschulen sind nicht nur ein Ort, an dem Pflanzen verkauft werden; sie sind auch ein grüner Lernort. Um gegen die Baupläne zu protestieren, findet ein Frühlingsfest unter dem Motto „Grüner Lernort statt grauer Bebauung“ statt. Es wird eine Unterschriftenaktion geben, die zeigen soll, wie wichtig dieser Ort für die Menschen ist. Schließlich prägen die Baumschulen nicht nur die Landschaft, sondern auch die Herzen der Berliner. Die Sorge um den Verlust des grünen Zentrums in Treptow ist nicht unbegründet. Der Umweltverband BUND Berlin äußert sich ebenfalls kritisch und verweist auf den Wert der Freiflächen für den Naturschutz. Die möglichen negativen Folgen für die Stadtnatur, das Grundwasser und die angrenzenden Lebensräume sind ein weiteres Argument gegen die Baupläne.
Die Planung für Späthsfelde bleibt umstritten. Politisch und fachlich gibt es immer noch viele Konflikte zwischen Wohnungsbau, Flächenschutz und den bestehenden Nutzungen. Ursprünglich sollten bis zu 3.600 Wohnungen entstehen, doch dank des neuen Senatskonzepts reduziert sich die Zahl auf maximal 2.500. In dieser angespannten Situation ist es kaum überraschend, dass Holger Zahn und viele Anwohner sich fragen, wo der Platz für die Natur bleibt, wenn der Mensch immer mehr Raum einfordert.
Bei all diesen Herausforderungen bleibt die Frage: Wie wird es weitergehen? Die Späth’schen Baumschulen sind mehr als nur ein Unternehmen – sie sind ein Stück Berliner Geschichte, ein Ort der Begegnung und des Lernens. Der Verlust wäre nicht nur für die Baumschulen, sondern für die gesamte Gemeinschaft in Treptow ein herber Schlag. Es bleibt zu hoffen, dass ein Weg gefunden wird, der sowohl den Bedarf an Wohnraum berücksichtigt als auch die wertvollen Freiflächen in der Stadt schützt. Die Zukunft der Baumschulen und der angrenzenden Flächen wird in den kommenden Monaten sicherlich ein heiß diskutiertes Thema bleiben.