Auf einem der geschichtsträchtigsten Areale Berlins, dem ehemaligen Kabelwerk in Köpenick, tut sich endlich etwas. Seit Oktober 2024 sind Bodensanierung und Abrissarbeiten im vollen Gange. Wer sich fragt, was aus den entlegenen Hallen geworden ist, die seit Mitte der 1990er-Jahre ungenutzt und dem Verfall preisgegeben waren, wird nicht enttäuscht. Der riesige Komplex, der sich auf etwa 66.000 Quadratmetern zwischen der Friedrichshagener Straße, der Salvador-Allende-Brücke und der Spree erstreckt, wird nun Stück für Stück in ein lebendiges Wohn- und Gewerbequartier verwandelt.

Die ersten Schritte sind alles andere als einfach. Der Boden ist stark kontaminiert, und die BUWOG, als Projektentwicklerin des neuen Quartiers „CÖPIUS“ und Tochtergesellschaft von Vonovia, hat die Herausforderung angenommen. Anfänglich sollten die Sanierungsarbeiten 15 Monate in Anspruch nehmen, doch der belastete Boden wird auch Ende Oktober 2026 noch ausgehoben und als Sondermüll entsorgt. Die historische Substanz der Backsteingebäude wird dabei nur in Abstimmung mit dem Denkmalschutz abgerissen. Immerhin bleiben einige wichtige Bestandteile erhalten: zwei fünfgeschossige Etagenfabriken, das frühere Pförtnerhaus und sogar historische Gleise mit Drehscheiben sollen Teil des neuen Konzepts werden.

Neues Leben für alte Hallen

In den restaurierten Gebäuden ist eine bunte Mischung aus Büros, Gastronomie, Kita und Wohnlofts geplant. Geplant sind insgesamt rund 920 Wohnungen, sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen. Mindestens 30 Prozent davon sollen Mietpreis- und Belegungsbindungen erhalten – ein wichtiger Schritt in einer Stadt, wo bezahlbarer Wohnraum oft ein rares Gut ist. Um die historischen Hallen herum sind vier- bis sechsgeschossige Neubauten angedacht, und an der Salvador-Allende-Straße war sogar ein neungeschossiger Büroturm im Gespräch. Die Vorstellungen klingen vielversprechend, aber wann die ersten Bewohner tatsächlich einziehen können, steht noch in den Sternen.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass Tesla gegenüber auf dem Gelände des früheren Draka-Werks eine rund 20.000 Quadratmeter große Halle in ein europäisches Entwicklungszentrum umwandeln möchte. Zunächst sind 130 Arbeitsplätze geplant, langfristig könnten es bis zu 250 werden. Das ist natürlich ein spannender Entwicklungsschritt für die Region, die in den letzten Jahren nicht gerade als Hotspot für neue Arbeitsplätze gegolten hat.

Bodenschutz im Fokus

Die umfangreiche Sanierung des kontaminierten Bodens ist nicht nur eine Herausforderung für die BUWOG, sondern auch ein wichtiges Thema für die Umweltpolitik in Berlin. Die Beseitigung von Bodengefährdungen hat lange im Schatten gestanden, doch mittlerweile rückt der Bodenschutz ins öffentliche Interesse. Der Schutz des Trinkwassers und die nachhaltige Stadtentwicklung sind zentrale Anliegen. Der Begriff „nachsorgender Bodenschutz“ beschreibt Maßnahmen zur Sanierung belasteter Böden, und die BUWOG hat sich darauf spezialisiert, diese Herausforderungen anzunehmen.

Die Ermittlung und Beseitigung von Altlasten ist ein langwieriger Prozess, der nicht nur technische Expertise erfordert, sondern auch Geduld von allen Beteiligten. Das Bezirksamt hat bereits bei der frühzeitigen Bürgerbeteiligung im Jahr 2020 auf die Komplexität hingewiesen, und auch 2023 war kein Abschlussdatum in Sicht. Wer also auf schnelle Fortschritte hofft, muss sich auf eine längere Wartezeit einstellen.

Die Sanierung und der anschließende Wohnungsbau sind für die zukünftige Entwicklung Köpenicks von großer Bedeutung. Die Bürger können gespannt sein, wie sich die alte Industriefläche in ein modernes, lebendiges Quartier verwandeln wird. Die ersten Schritte sind gemacht – jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die nächsten nicht allzu lange auf sich warten lassen.