Anwohner fordern Wiedereröffnung der Lohmühlenbrücke: Initiative „Görli 24/7“ setzt auf Eigeninitiative und Beteiligung
In den frühen Morgenstunden des Montags, genauer gesagt gegen 3 Uhr, waren es die Beamten der Polizei, die auf den Plan traten, als unbekannte Täter in der Nacht die Absperrung der seit Juli gesperrten Lohmühlenbrücke am Görlitzer Park beschädigten. Die Brücke, die eine wichtige Verbindung zwischen Treptow und Kreuzberg darstellt, steht wegen Korrosionsschäden und fehlender Verkehrssicherheit auf der Liste der geschlossenen Brücken. Ein heftiges Thema, das die Gemüter der Anwohner erhitzt.
Die Polizei reparierte den Zaun schnell wieder, aber die Gemüter kochen über. Vorausgegangen war ein Ultimatum der Initiative „Görli 24/7“, die von der Deutschen Bahn und dem Berliner Senat verlangte, die Brücke bis Sonntag, 24 Uhr, wieder zu öffnen. Andernfalls drohten die Anwohner mit einer eigenmächtigen Öffnung! Und siehe da, am Montagmorgen konnten die ersten Anwohner auf der Kreuzberger Seite die Brücke betreten und begannen, Löcher mit Sand zu füllen, um sie wieder begehbar zu machen. „Görli 24/7“ ist überzeugt, dass die Brücke auch weiterhin nutzbar ist und fordert nicht nur ihre sofortige Wiederöffnung, sondern auch eine Beteiligung der Anwohner an der weiteren Planung.
Die Hintergründe der Sperrung
Die Lohmühlenbrücke ist nicht die einzige Brücke, die seit Juli gesperrt ist. Drei weitere Brückenanlagen in Alt-Treptow Richtung Kreuzberg sind ebenfalls betroffen. Die Deutsche Bahn, die die Sperrung begründet, sieht die über 100 Jahre alte Brücke als so marode an, dass sie abgerissen werden müsse. Ein harter Brocken für die Anwohner, die auf eine schnelle Lösung hoffen. Die Bahn hatte zudem den Mietvertrag mit dem Bezirk Treptow-Köpenick zum 30. Juni gekündigt, was die Situation zusätzlich verkompliziert.
Die Initiative „Görli 24/7“ sieht sich nicht nur im Recht, sondern auch in der Verantwortung. Sie bezweifeln, dass die Brücke tatsächlich einsturzgefährdet ist und verweisen auf die freigegebenen Wege unter dem Bauwerk. Eine offizielle Perspektive für die Wiedereröffnung gibt es bislang nicht. Bis Ergebnisse und Empfehlungen zur Bausubstanz erst Ende 2026 erwartet werden, müssen die Anwohner längere Wege in Kauf nehmen, um zur Arbeit oder in den Görlitzer Park zu gelangen. Der alternative Ernst-Heilmann-Steg, der etwa 170 Meter entfernt ist, kann genutzt werden, doch viele empfinden ihn als Umweg.
Zukunftsperspektiven
Der Masterplan Brücken 2025–2040 könnte in dieser Situation zur Rettung kommen. Ziel ist es, eine zukunftsfähige Berliner Brückeninfrastruktur aufzubauen und dabei Mobilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität langfristig zu sichern. Es sollen bürokratische Hemmnisse abgebaut und Planungs- sowie Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Ein Kernelement des Plans ist der Aufbau eines strategischen Bauwerksmanagements und eines digitalen Erhaltungsmanagements für Ingenieurbauwerke. Damit könnte ein vorausschauendes Investitionsmanagement ermöglicht werden.
In der Zwischenzeit bleibt der Görlitzer Park, der aufgrund eines Gerichtsurteils auch nachts geöffnet ist, ein Rückzugsort für die Anwohner. Die Beschwerden des Senats gegen dieses Urteil wurden zurückgewiesen. So bleibt den Menschen in Alt-Treptow und Kreuzberg in dieser angespannten Lage wenigstens ein kleiner Lichtblick – auch wenn die Brücken bald wieder begehbar sein sollten.
