Jennifer Schrodt: Von der Berliner Politik zurück zu den Wurzeln in Kassel
Jennifer Schrodt hat die Berliner Politik hinter sich gelassen. Nach fünf Jahren als Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick für die Tierschutzpartei hat sie sich entschieden, einen Schlussstrich zu ziehen. Ihre Rückkehr zu den Wurzeln in Kassel scheint ihr nun wichtiger zu sein als das Ringen um politische Veränderungen in Berlin. Die 38-Jährige war bekannt dafür, sich für vielfältigere Ampelfiguren einzusetzen – inspiriert von den bunten Varianten in Kassel. Doch trotz aller Anstrengungen und hitziger Debatten blieb dieser Wunsch unerfüllt. Es gab einfach nicht genug Unterstützung für ihre Ideen, und das hat sie desillusioniert.
Ein weiteres Thema, das ihr am Herzen lag, war der Umgang mit Waschbären. Diese kleinen Vierbeiner haben sich mittlerweile auch in Berlin breitgemacht. Doch wie so oft in der politischen Landschaft kämpfte sie gegen lange, bürokratische Prozesse. Ein Beispiel ist ihr Einsatz für ein Nachtfahrverbot für Mähroboter, um Igel zu schützen. Zuerst fand sie keine Unterstützung in den Ausschusssitzungen, aber nachdem Wissenschaftler in Potsdam ihre Argumente untermauerten, gab es einen Umdenkprozess. In Kassel wurde mittlerweile ein entsprechendes Verbot beschlossen.
Politische Enttäuschungen und neue Wege
Nach der Wahl im September, bei der die Tierschutzpartei den Wiedereinzug ins Bezirksparlament nicht schaffte, war für Schrodt der Zeitpunkt gekommen, sich aus der Politik zurückzuziehen. Ihre Bilanz fällt gemischt aus. Sie hat viele engagierte Menschen kennengelernt, die für demokratische und progressive Ansätze kämpfen. Doch das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, bleibt. Bei ihrer ersten Rede hatten viele Abgeordnete nur auf ihre Handys geschaut. „Ehrlich gesagt, das war frustrierend“, sagt sie. Oft fühlte sie sich nur dann wahrgenommen, wenn man ihre Stimme für Abstimmungen brauchte.
Ein weiteres Problem, das sie beobachtet hat, ist das Wählerverhalten. Viele hätten ihr im Vorfeld der letzten Wahl gesagt: „Die Antwort auf rechts ist links.“ Diese Haltung könnte der Tierschutzpartei Stimmen gekostet haben, denkt sie. Und während sie auf ein mögliches Bündnis der Linkspartei, Grünen und SPD in Berlin blickt, fragt sie sich, ob der Rückkauf privatisierter Wohnungen tatsächlich die Wohnungsproblematik lösen kann. „Freundinnen von mir zahlen inzwischen exorbitante Mieten“, erzählt sie und hofft auf eine grünere und progressivere Politik.
Ein neues Kapitel in Kassel
Jennifer ist oft in Kassel, wo sie sich über neue Radwege und ein wachsendes veganes gastronomisches Angebot freut. Auch ihre frühere Sehnsucht, Zissel-Königin zu werden, lebt in ihr weiter – auch wenn das nicht geklappt hat. „Ich würde gerne mal beim Straßenumzug mitmachen“, sagt sie schmunzelnd. Bei ihrem letzten Besuch im August war sie ganz begeistert von der Regenbogenflagge in der Treppenstraße. In Treptow-Köpenick hat sie sogar einen Antrag für eine Regenbogenbank durchgesetzt – ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt. In dieser Hinsicht war Berlin ihrer Heimatstadt Kassel sogar einen Schritt voraus.
Schrodt hat in den letzten Jahren etwa sechs Stunden pro Woche in die Politik investiert und studiert nebenbei Afrikanistik. Nach ihrer Abschlussarbeit möchte sie sich überlegen, wo sie ihre Energie künftig einsetzen will. Auch wenn sie sich von der Berliner Politik verabschiedet hat, bleibt ihr Engagement für Tierschutz und soziale Gerechtigkeit ungebrochen. Schließlich sind Kommunen die Basis unserer Gesellschaft, und Schrodt ist überzeugt, dass es wichtig ist, sich für ökologische Nachhaltigkeit, Bildung und Inklusion einzusetzen.
Die Tierschutzpartei hat sich auf die Fahne geschrieben, dass Kommunalpolitik nicht nur die Stimmen der Bürger zählt, sondern auch deren Rechte und Bedürfnisse berücksichtigt. Mit einem klaren Fokus auf soziale Verantwortung und ökologisches Bewusstsein könnte sie möglicherweise neue Wege finden, um die Herausforderungen in der Stadt zu meistern. Wenn wir alle gemeinsam anpacken, können wir vielleicht eine kinder- und tierfreundliche Stadt schaffen – mit belebten Orten und einem echten Gemeinschaftsgefühl.
