Aufzug am S-Bahnhof Johannisthal nach zwei Jahren endlich in Betrieb genommen
Es ist endlich so weit! Am S-Bahnhof Johannisthal wurde der Aufzug nach einer endlosen Wartezeit von zwei Jahren am 21. Oktober in Betrieb genommen. Die Deutsche Bahn gab die Freigabe am Donnerstag bekannt, nachdem der Aufzug zuvor noch mit Zäunen abgesperrt war. Lars Düsterhöft, Abgeordneter der SPD, konnte sich ein sarkastisches Schmunzeln nicht verkneifen und bezeichnete das Projekt als „Jahrhundertprojekt“. Man fragt sich, ob das eine Auszeichnung oder eher eine ironische Bemerkung war.
Die Verzögerungen, die für viel Frustration sorgten, waren auf notwendige Nacharbeiten am Blitzschutz der neuen Anlagen zurückzuführen. Die Bahn betonte, dass sicherheitsrelevante Arbeiten mit der nötigen Sorgfalt erledigt werden müssen, auch wenn das Warten für die Fahrgäste alles andere als angenehm war. Besonders bemerkenswert war, dass die Beleuchtung des Aufzugs bereits vor der offiziellen Freigabe tagsüber eingeschaltet war – ein Helligkeitssensor sorgte dafür, dass bei starker Bewölkung auch das Tageslicht nicht ausreichte, um die Lichter auszuschalten.
Ein Aufzug, viele Hürden
Die Inbetriebnahme war ursprünglich für September 2024 geplant, doch die Bahn musste im Laufe der Zeit mehrere Verzögerungen hinnehmen. Ende 2024 hieß es, die „schwierige Marktlage im Baugewerbe“ wäre schuld daran, dass Projekte nicht vorankommen. Dies wurde noch verstärkt durch die Tatsache, dass die Bahn nicht genügend Kapazitäten bei Personal und Materialien binden konnte. Ausschreibungen blieben lange Zeit ohne Ergebnis, was die Sache nicht einfacher machte.
Als wäre das nicht genug, rechnete die Bahn Ende 2025 mit einer Inbetriebnahme im Frühsommer 2026. Tatsächlich wurde der Aufzug erst Ende Oktober 2026 freigegeben – und das ist nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Die Fahrgäste hatten bereits ihre Zweifel, ob alles wirklich reibungslos verlaufen würde, zumal ein Leser Anfang Oktober Fotos gemacht hatte, die zeigten, dass rund um den Aufzug noch Gehwegsteine verlegt werden mussten. Man kann sich gut vorstellen, dass die Geduld der Nutzer auf eine harte Probe gestellt wurde.
Ein zweiter Aufzug in Sicht
Doch das ist noch nicht alles! Am südwestlichen Zugang des S-Bahnhofs Johannisthal steht ein weiterer Aufzug in den Startlöchern. Die Bauarbeiten sollen im Oktober 2025 beginnen, und die Vergabe der Bauleistungen war bereits erfolgreich. Die Inbetriebnahme ist nun für das zweite Quartal 2026 vorgesehen, wobei der ursprünglich für das vierte Quartal 2025 angekündigte Termin nicht gehalten werden kann. Ein Baubeginn vor Oktober 2025 war aufgrund erfolgloser Ausschreibungen nicht möglich – die Herausforderungen scheinen also noch lange nicht vorbei zu sein.
Der Senat hat sich eng mit der DB InfraGO AG abgestimmt, um weitere Verzögerungen zu vermeiden. Die Finanzierung für den neuen Aufzug wurde Mitte 2024 gesichert und beläuft sich auf 1,4 Millionen Euro. Das Land Berlin hat die Projektkosten im Haushalt eingeplant, und bisher sind keine finanziellen Schäden oder Kostensteigerungen aufgetreten, die die Stadt belasten würden. Es bleibt zu hoffen, dass die nächsten Schritte reibungsloser verlaufen.
Obwohl der Bahnhof über den nördlichen Zugang und von der Fußgängerbrücke zum Bahnsteig barrierefrei erreichbar ist, gibt es nach wie vor Einschränkungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen oder bei der Nutzung von Kinderwagen und schwerem Gepäck aus südlichen Gebieten. Das ist nicht optimal, und die Kritik der Fahrgäste ist mehr als berechtigt. Bis zur geplanten Inbetriebnahme des neuen Aufzugs sind keine zusätzlichen Maßnahmen vorgesehen, weshalb mobilitätseingeschränkte Personen den BVG-Service „Muva Aufzugersatz“ in Anspruch nehmen können – wenn sie denn wissen, dass es diesen Service gibt.
So bleibt der Bahnhof Johannisthal ein interessantes Beispiel für die Herausforderungen im Berliner Bauwesen. 126 von 132 Bahnhöfen im S-Bahnnetz sind mittlerweile barrierefrei erreichbar, was einer Quote von 95,5 Prozent entspricht. Doch die Arbeit ist noch lange nicht getan, und der südwestliche Zugang hat zwar eine hohe Priorität, aber nicht die höchste. Die DB InfraGO AG, als Eigentümerin der Infrastruktur, hat hier eine Verantwortung, die sie wahrnehmen muss – schließlich ist der Weg zur Barrierefreiheit ein langer und steiniger.
