Einsamkeit im Herzen Berlins: Gemeinsam gegen das stille Epidemiegefühl
Im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, wo die Luft nach frischem Brot und einer Prise Geschichte riecht, fand kürzlich die dritte Einsamkeitskonferenz im Rathaus Schöneberg statt. Ein Ort, der für viele mehr als nur ein Verwaltungsgebäude ist. Es ist ein Platz, an dem Menschen zusammenkommen, um über ein Thema zu sprechen, das uns alle betrifft: Einsamkeit. Und das ist kein Randphänomen. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Frühjahr 2024 sind besonders die 16- bis 30-Jährigen stark betroffen. Hier fühlen sich 45% dieser Altersgruppe regelmäßig einsam. Ungeheuer viel, oder? Es wirkt fast wie eine Epidemie in einer Stadt, die für ihre Geselligkeit bekannt ist.
Die Konferenz war ein Treffpunkt für rund 80 Menschen, vorwiegend Frauen. Sie alle kamen, um sich über den Umgang mit Einsamkeit auszutauschen. Christine Fidancan, die Einsamkeitsbeauftragte des Bezirks, ist eine treibende Kraft in diesem Netzwerk, das mittlerweile 130 Träger, Verbände, Verwaltungsmitarbeiter und Privatpersonen umfasst. Hier wird nicht nur geredet, sondern auch gehandelt! Es gibt Initiativen wie die Kampagne „Ich bin die Nachbarschaft“, die das bürgerschaftliche Engagement fördern soll. Anwohner in Friedenau organisierten bereits eine lange Tafel für die Nachbarschaft, und weitere Veranstaltungen sind in Mariendorf, Lichtenrade, Marienfelde und Tempelhof geplant. Man spürt den Gemeinschaftsgeist förmlich in der Luft.
Einsamkeit als gesamtgesellschaftliches Phänomen
Einsamkeit ist ein vielschichtiges Phänomen, das nicht nur ältere Menschen, sondern auch die Jüngeren in den Bann zieht. Die zweite Fachtagung im Oktober 2025 widmete sich dem Thema „Einsamkeit bei jungen Menschen“. Es ist schon bemerkenswert, wie sich die Lebensumstände im Laufe der Jahre verändert haben. Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne) machte auf die veränderten Lebensbedingungen älterer Menschen aufmerksam und wies auf die Notwendigkeit vielfältiger Ansätze hin, um Einsamkeit zu bekämpfen. Und da sind wir wieder bei den jungen Menschen, die oft das Gefühl der Isolation erleben. Komischerweise zeigt eine Untersuchung, dass Einsamkeit unter Jugendlichen auch autoritäre Einstellungen begünstigen kann. Ein Teufelskreis, der uns alle etwas angeht.
Wolfram Herrmann von der Charité erinnerte an die wichtige Rolle von Hausarztpraxen in der sozialen Teilhabe und stellte das Konzept des Social Prescribing vor. Finde ich spannend! Es ist wie ein Rezept, nur dass anstelle von Medikamenten soziale Aktivitäten verschrieben werden. Carola Schaaf-Derichs hob die Bedeutung von freiwilligem Engagement hervor und wie es zur persönlichen Sinnstiftung beiträgt. Dabei wird klar: Es braucht nicht viel, um eine Verbindung herzustellen. Ein einfaches Gespräch kann Wunder wirken.
Die Rolle der Gesellschaft
Das Einsamkeitsbarometer 2024 hat interessante Ergebnisse geliefert: Die Einsamkeitsbelastung in Deutschland stieg zwischen 2017 und 2020 auf rund 28%, fiel aber 2021 auf etwa 11%. Das ist eine positive Entwicklung, doch wir dürfen nicht nachlassen. Oft sind es die sozialen Bindungen und die gesellschaftliche Teilhabe, die als präventive Maßnahmen gegen Einsamkeit wirken. Ein Blick auf die Gesellschaft zeigt, dass Armut, Care-Arbeit und Migration mit einer höheren Einsamkeitsbelastung korrelieren. Hier müssen wir ansetzen! Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das uns alle betrifft.
In Pflegeeinrichtungen fühlen sich etwa 35% der älteren Menschen einsam – das ist alarmierend. Der Anteil hochaltriger Menschen hat sich während der Corona-Pandemie verdoppelt. Solche Zahlen sind nicht nur Statistiken, sie sind die Realität für viele. Und wir alle wissen, wie wichtig es ist, einen Platz in der Gemeinschaft zu haben. Einsamkeit ist nicht nur subjektiv – sie kann zu physischen und psychischen Erkrankungen führen. Und doch: Die Lösungen sind da! Projekte wie „Miteinander Füreinander“ des Malteser Hilfsdienstes zeigen, dass wir mit Gemeinschaftsgefühl und Engagement viel erreichen können.
Ein Blick in die Zukunft
Mit dem Projekt „Young & Connected (YouCon)“ wird ein weiterer Schritt in Richtung einer besseren Zukunft unternommen. Hier soll untersucht werden, wie junge Menschen zwischen 15 und 30 Jahren Einsamkeit erleben und wie wir ihnen helfen können. Es ist der Versuch, eine Brücke zu schlagen und soziale Verbundenheit zu stärken. In einer Zeit, in der so viele Menschen das Gefühl haben, nicht gehört oder gesehen zu werden, ist das von entscheidender Bedeutung.
Wir stehen vor der Herausforderung, Einsamkeit als eine soziale Frage zu begreifen, die in Beziehung zu gesellschaftlichen Strukturen und Veränderungen steht. Die Corona-Pandemie hat diese Problematik nur verstärkt. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir Begegnungsräume schaffen können, um Einsamkeit aktiv zu bekämpfen. Denn einsame Menschen haben oft weniger Vertrauen in ihre Mitmenschen und öffentliche Institutionen. Es ist an der Zeit, dass wir alle gemeinsam anpacken, um diese Herausforderung zu meistern.
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