Die Stimmung in der Berliner Politik ist angespannt, und das nicht ohne Grund. Die schwarz-rote Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) hat in den Umfragen an Boden verloren. Die SPD dümpelt bei 12,4%, während die Union bei 23,2% steht. Dies führt zu hitzigen Debatten, besonders zur geplanten Abschaffung des Acht-Stunden-Tags – einer Errungenschaft der Arbeiterbewegung, die seit 1918 in Deutschland gesetzlich verankert ist. Die Diskussion darüber ist nicht nur eine politische, sondern auch eine existenzielle für viele Arbeitnehmer.

Innerhalb der SPD gibt es Widerstand, vor allem von der Linken. Orkan Özdemir, ein Mitglied der Berliner SPD, hat sich klar gegen die Pläne ausgesprochen. Er sieht die Diskussion um die Abschaffung des Acht-Stunden-Tags als gezielten Eingriff in das deutsche Arbeitsrecht. Özdemir hebt hervor, dass der Acht-Stunden-Tag das Ergebnis eines langen Kampfes war, der von Gewerkschaften und Sozialdemokraten getragen wurde. Und das hat Gewicht – schließlich hat Deutschland 2025 45,6 Millionen Erwerbstätige, die 61,26 Milliarden Arbeitsstunden leisten, was 16% mehr ist als 2005. Doch das Wachstum kommt oft aus Teilzeit- und Nebenjobs, die nicht nur unsicher sind, sondern auch zu prekärer Arbeit führen.

Eine gefährliche Wette auf die Arbeitszeit

Die geplante Anpassung des Arbeitszeitgesetzes könnte die wöchentliche Höchstarbeitszeit verändern, und hier wird es brenzlig. Statt der gewohnten täglichen Begrenzung könnte die Regelarbeitszeit von acht auf 13 Stunden pro Tag steigen. Das sorgt nicht nur für Unruhe, sondern auch für berechtigte Sorgen. Laut einer Umfrage wünschen sich 72% der Beschäftigten, dass ihre Arbeitszeit auf maximal acht Stunden begrenzt bleibt. Wer kann es ihnen verdenken? Wenn man bedenkt, dass rund eine Milliarde Überstunden registriert wurden, von denen die Hälfte unbezahlt ist, zeigt das, wie wichtig der Acht-Stunden-Tag für die deutsche Arbeitnehmerschaft ist.

Die gesundheitlichen Folgen sind ebenfalls alarmierend. Der Krankenstand in Deutschland ist auf 5,7% gestiegen, und Gewerkschaften warnen eindringlich vor den Risiken einer Arbeitszeitverlängerung. Es drohen nicht nur mehr Unfälle, sondern auch psychische Erkrankungen und eine kürzere Lebenserwartung. Özdemir kritisiert die SPD-Führung scharf für ihren mangelnden Widerstand gegen die Koalitionspläne und fordert die Basis auf, die Interessen der Beschäftigten zu erkennen und sich für den Acht-Stunden-Tag stark zu machen.

Geschichte, die nicht vergessen werden darf

Der Acht-Stunden-Tag ist mehr als nur eine gesetzliche Regelung; er ist Teil der Geschichte der Arbeiterbewegung. Ursprünglich wurde diese Forderung im 19. Jahrhundert formuliert, als Robert Owen in Großbritannien den Slogan prägte: „Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung“. Die Gewerkschaften kämpften bereits in den 1830er Jahren für eine Verkürzung der Arbeitszeit und bessere Bedingungen. 1918, nach vielen Kämpfen, wurde der Acht-Stunden-Tag in Deutschland schließlich gesetzlich eingeführt. Diese Errungenschaft darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

In vielen Ländern wurde der Acht-Stunden-Tag im Laufe der Geschichte erkämpft. In Australien wurde er 1856 durch Steinmetze und Gebäudearbeiter durchgesetzt, und in den USA fand die gesetzliche Einführung 1938 statt. Der Acht-Stunden-Tag hat sich als eine der ältesten und wichtigsten Forderungen der Arbeiterbewegung etabliert – und er sollte nicht in der politischen Debatte verloren gehen. Die Gesundheit der Arbeitnehmer und die Qualität ihrer Arbeit stehen auf dem Spiel.