Heute ist der 6.05.2026, und während wir hier in Tempelhof-Schöneberg sitzen, spüren wir die Veränderungen in unserer Stadt ganz deutlich. Vor zehn Jahren stellte eine Journalistin aus Mexiko-Stadt die Frage nach der Mordrate in Berlin. Zu diesem Zeitpunkt gab es 32 Mord- und 79 Totschlagsfälle – im Vergleich zu Mexiko ein eher beschauliches Bild. Doch wie sich die Zeiten ändern! Aktuelle Statistiken zeigen, dass die Situation alarmierend ist. 2023 stiegen die Tötungsdelikte um mehr als 50% von 77 auf 117 im Jahr 2024. Das lässt einen schon nachdenklich werden.

Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) und die Statistik für Politisch Motivierte Kriminalität, präsentiert von Innensenatorin Iris Spranger und Polizeipräsidentin Barbara Slowik, zeichnen ein düsteres Bild. Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Jugendgruppengewalt um 17,2%. Diese Tendenzen gehen Hand in Hand mit einem Anstieg der Körperverletzungen, die auf 50.638 Fälle gestiegen sind – ein Anstieg von 2.384 im Vergleich zum Vorjahr. Komischerweise hat auch die Fußball-Europameisterschaft ihren Teil dazu beigetragen.

Schusswaffen und ihre Ursachen

Die Schusswaffenkriminalität ist ein weiteres, unübersehbares Problem. 2016 registrierte die Polizei 325 Drohungen mit Schusswaffen, ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr mit 272 Schussabgaben. Und jetzt, für 2025, prognostiziert man bereits 604 Drohungen und 515 Schussabgaben. Das sind Zahlen, die einem den Atem rauben können. Aktuelle Vorfälle wie Einschüsse in Neukölln oder Schüsse auf eine Fahrschule in Tempelhof machen die Situation greifbar. Zwei Männer in der Hermannstraße wurden lebensgefährlich verletzt, und fünf Schüsse fielen in der Yorckstraße. Die Gründe hierfür sind vielfältig – von der „Durchbewaffnung“ der kriminellen Szene über die leichtere Verfügbarkeit von Schusswaffen im Darknet bis hin zum Umbau von Schreckschusswaffen zu scharfen Waffen.

Ein weiterer Punkt ist der Rückfluss illegaler Waffen aus Kriegsgebieten, insbesondere vom Balkan. Waffenschmuggel und -handel sind nicht nur ein Problem, sondern auch ein äußerst profitables Geschäft für die Organisierte Kriminalität. Scharfe Waffen werden von Groß- und Kleinkriminellen genutzt, oft mit ungenauer Zielgenauigkeit. Die Gründe für den Einsatz von Schusswaffen sind erschreckend banal: verletzte Ehre, Reviermarkierung im Drogenverkauf, oder gar die Erpressung von Geschäftsleuten. Innensenatorin Iris Spranger fordert null Toleranz gegenüber illegalem Waffenbesitz und -verwendung – ein Ansatz, der dringend notwendig scheint.

Die Perspektive der Polizei

Die Polizei hat bereits Schritte unternommen, um gegen diesen Trend vorzugehen. Mit der Gründung der „BAO Ferrum“ zur Aufklärung von Täterstrukturen und der Ermittlungsgruppe „Telum“ zur Bearbeitung von Verfahren versucht man, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. Barbara Slowik, die Polizeipräsidentin, betont, dass nicht alle Schussabgaben von organisierten Strukturen stammen. Das macht die Lage noch komplizierter. Es ist ein echtes Durcheinander, und die Staatsanwaltschaft sieht Auseinandersetzungen in der Organisierten Kriminalität als einen Hauptfaktor. Anklage wurde bereits gegen vier Männer wegen Erpressung erhoben.

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Im internationalen Vergleich finden sich besorgniserregende Parallelen. In Schweden hat die Bandengewalt in den letzten Jahren stark zugenommen, mit häufigen Schießereien und sogar Sprengstoffanschlägen. Auch in den Niederlanden ist die Gewalt durch Drogenbanden, die in das Kokain-Geschäft einsteigen, eskaliert. Diese Entwicklungen könnten in Deutschland ähnliche problematische Züge annehmen, wenn Clankriminalität und der Zugang zu illegalen Waffen weiterhin zunehmen.

Zu all dem gesellen sich die politischen Herausforderungen. Politisch motivierte Kriminalität hat in Berlin ein neues Rekordniveau erreicht, mit 2.782 rechten Straftaten, fast 20% mehr als im Vorjahr. Antisemitische Straftaten haben sich sogar verdoppelt. In dieser unübersichtlichen Lage bleibt die Frage, wie sich die Stadt und ihre Bürger sicher fühlen können.

Die Kriminalitätsstatistik zeigt uns nicht nur Zahlen, sie erzählt Geschichten. Geschichten von Menschen, die unter Gewalt leiden, von Gemeinschaften, die sich bedroht fühlen, und von einer Stadt, die darum kämpft, ihre Sicherheit wiederzuerlangen. Und während wir hier in Tempelhof-Schöneberg sitzen und über diese Entwicklungen nachdenken, bleibt die Hoffnung, dass die Stadt einen Weg findet, um Licht ins Dunkel zu bringen.