In der Obstallee in Berlin-Spandau, wo die Straßen von den Geräuschen des Stadtlebens erfüllt sind, haben die Mieter ein ganz anderes Lied zu singen. Hier klagen die Bewohner über frostige Wohnungen, kaputte Gehwege und eine allgemeine Unordnung, die den Alltag beeinträchtigt. Ruben Norgall, ein 63-jähriger Mieter, lebt seit dreieinhalb Jahren in dieser Wohnanlage und fühlt sich von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag im Stich gelassen. Er zog aus Hamburg her, auf der Suche nach einer behindertengerechten Wohnung, doch die Realität sieht anders aus: Die Heizung funktioniert nur bis zum dritten Stock und die Kälte macht ihm zu schaffen, oft hat er Rückenschmerzen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Heizungsproblematik auftritt, denn auch im vergangenen Jahr war die Heizung erst Mitte Dezember aktiviert worden und im Februar wieder abgestellt.

Norgall ist nicht alleine mit seinen Sorgen. Morten B., 45 Jahre alt und seit 2010 in einer Gewobag-Wohnung, berichtet ebenfalls von Heizungsausfällen bei Außentemperaturen von 13 bis 15 Grad. Die Mieter der Häuser mit den ungeraden Hausnummern haben Gasheizkessel, während die geraden Nachbarn mit Nachtspeicherheizungen leben, deren Steuergerät defekt ist. Hier wird ein fehlendes Ersatzteil als Grund für die Unannehmlichkeiten genannt. Die Mieter versuchen, die Gewobag zu erreichen, doch oft bleibt die Kommunikation unklar, und die Bewohner ziehen sich zusätzliche Kleidung an, um der Kälte zu trotzen.

Ungewisse Sanierung und Überfällige Reparaturen

Die Situation ist frustrierend. Viele Reparaturen sind überfällig, und die Mieter berichten von Schimmelbildung in ihren Wohnungen aufgrund der Feuchtigkeit. „Die Eingangstür ist seit 2021 defekt, die Klingelanlage funktioniert nicht, und die Müllplätze sind ungeordnet“, so Morten. Auch Ruben Norgall sammelt Unterschriften, um die Gewobag zum Handeln zu bewegen. Techniker waren zwar vor Ort, doch die Heizungsversorgung bleibt unzureichend. Währenddessen müssen die Mieter weiterhin für die nicht nutzbaren Kellerräume zahlen, die nach einem Kellerbrand vor mehr als zwei Jahren nicht saniert wurden.

Eine weitere Herausforderung sind die Gehwege, die seit Jahrzehnten nicht saniert wurden und voller Unebenheiten sind. Das defekte Schloss der Hauseingangstür sorgt dafür, dass die Tür Tag und Nacht offen steht. Besonders besorgniserregend ist die Verkehrssituation: Autos rasen durch die als Spielstraße ausgewiesene Straße, was den Kindern Angst macht, die Straße zu überqueren. Norgall und andere Bewohner fühlen sich nachts unsicher und berichten von Gewaltverbrechen, während die Polizei oft lange braucht, um zu reagieren. Die installierten Überwachungskameras sind häufig ausgeschaltet, was die Sorgen der Mieter zusätzlich verstärkt.

Hoffnung auf Besserung?

Die Gewobag hat auf die Probleme reagiert und bestätigt, dass ein verschmortes Anlagenteil für die Heizungsproblematik verantwortlich ist. Die Reparatur soll schnellstmöglich erfolgen, und die Mieter wurden per Hausaushang informiert. Zudem wird an einer Verbesserung der Sauberkeit gearbeitet. Der Hauswartservice „HausWart Plus“ soll künftig eine stärkere Präsenz zeigen und die Anliegen der Mieter zügiger bearbeiten. Doch ob das ausreicht, um das Vertrauen der Bewohner zurückzugewinnen, bleibt offen. Viele Mieter sind skeptisch, denn trotz der Ankündigungen gibt es zahlreiche ungelöste Probleme.

In der Obstallee kämpft man nicht nur gegen die Kälte, sondern auch gegen das Gefühl, im Stich gelassen zu werden. Die Mieter hoffen auf eine baldige Sanierung der Wohnanlage, eine funktionierende Heizung und vor allem auf mehr Sicherheit und Sauberkeit in ihrem Wohnumfeld. Solange die Probleme bestehen, bleibt die Frage, wie lange die Geduld der Bewohner noch reicht.