Das Berliner Modehaus Mientus, ein wahrer Schatz der Hauptstadt, schließt nach fast 90 Jahren seine Pforten. Die Nachricht kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Eigentümerfamilie hat ihre drei Filialen, die am Kurfürstendamm 52, in der Schlüterstraße und der Wilmersdorfer Straße 73, betroffen sind, aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage und der veränderten Bedingungen für unabhängige Modehändler aufgegeben. Die Mitarbeiter wurden bereits im Juni über die schmerzliche Entscheidung informiert. Ein schwerer Schlag für die Modeszene Berlins!

Die Räumungsverkäufe starten schrittweise im November 2026, und es ist ein wenig wie ein bittersüßes Ende für das traditionsreiche Familienunternehmen. Am Kurfürstendamm geht es am 4. November los, die finale Schließung ist für den 30. Januar 2027 geplant. In der Schlüterstraße wird im November mit dem Räumungsverkauf begonnen, während die Filiale in der Wilmersdorfer Straße zunächst regulär während der Herbst-/Wintersaison 2026/27 geöffnet bleibt, jedoch im März 2027 die Tore schließt. Der gesamte Geschäftsbetrieb wird bis Ende Juni 2027 eingestellt. Traurige Zeiten für alle, die die Qualität und den Stil von Mientus geschätzt haben.

Eine lange Tradition

Die Geschichte von Mientus reicht bis ins Jahr 1937 zurück, als Michael Mientus in Oppeln ein Herrenbekleidungsgeschäft eröffnete. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Familie einen neuen Platz in Berlin, wo sie 1949 in der Schlüterstraße ein neues Geschäft gründete. Es folgten die Eröffnungen in der Wilmersdorfer Straße 1958 und am Kurfürstendamm 1972. Über drei Generationen hinweg führte die Familie dieses Modehaus und hat sich auf hochwertige Herrenmode spezialisiert. Das Sortiment reichte von internationalen Designermarken bis hin zu weniger bekannten Schöpfern. Ein kleines Detail, das sicher von vielen geschätzt wurde: Seit 1968 trägt Mientus die Kundennummer eins bei Hugo Boss!

Der Online-Verkauf begann 1999, doch die digitale Welt konnte den Rückgang im stationären Handel nicht aufhalten. Das Unternehmen hat seine Wurzeln in der klassischen Mode, und diese Tradition scheint nun dem Wandel im Einzelhandel zum Opfer zu fallen. Mientus gilt nicht nur als etablierter Modehändler in Berlin, sondern auch als ein Symbol für die Herausforderungen, mit denen inhabergeführte Geschäfte derzeit zu kämpfen haben.

Ein Blick auf den Einzelhandel

Die Schließung von Mientus ist kein Einzelfall. Eine aktuelle Studie von Creditreform und dem Handelsblatt Research Institute zeigt einen drastischen Strukturwandel im deutschen Einzelhandel. Die Zahl der Einzelhandelsbetriebe wird bis 2025 um rund 16 Prozent auf etwa 316.310 sinken. Besonders betroffen sind die kleinen, inhabergeführten Geschäfte. Onlineplattformen und große Handelsketten erobern zunehmend die Marktanteile, während in den Innenstädten die Leerstände zunehmen. Diese Entwicklung ist natürlich auch für die Berliner Modewelt spürbar, die sich im Wandel befindet.

Die Entwicklungen sind alarmierend. Zwischen 2010 und 2025 gab es einen Rückgang von 28 Prozent bei Einzelhandelsgeschäften mit weniger als 250.000 Euro Jahresumsatz. 2010 waren es noch rund 236.100 Geschäfte, 2025 sollen es nur noch etwa 170.800 sein. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der großen Einzelhandelsunternehmen mit mehr als 25 Millionen Euro Umsatz. Mientus, ein Unternehmen, das für viele Berliner über Jahrzehnte hinweg ein Begriff war, wird damit Teil einer traurigen Statistik.

In einer Zeit, in der das klassische Warenhausmodell an Bedeutung verliert, wird die Schließung von Mientus als weiterer Schritt in einem sich rasant verändernden Markt betrachtet. Der Einzelhandel, insbesondere der Textileinzelhandel, sieht sich einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt – und die Herausforderungen sind nicht von der Hand zu weisen.