In der Zitadelle Spandau, einem der geschichtsträchtigsten Orte Berlins, gibt es etwas zu feiern! Die Ausstellung „Enthüllt“ wird zehn Jahre alt und hat sich über die Jahre hinweg zu einem wahren Schatz für Geschichtsinteressierte entwickelt. Hier werden Statuen präsentiert, die einst das Stadtbild prägten – darunter preußische Könige, Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus und auch ein Lenin-Kopf aus der DDR. Für das Jubiläum gab es eine besondere Überraschung: Die Bronzebüste von Karl Marx wurde enthüllt, nachdem sie über 30 Jahre im Depot der Humboldt-Universität schlummerte. Was für eine spannende Entdeckung!
Die Büste wurde von Urte Evert, der Leiterin der Zitadelle, und Christina Kuhli, der Kustodin der Humboldt-Universität, feierlich enthüllt. Ursprünglich stand die Büste vor dem Senatssaal der Universität, doch nach der Wende wurde sie abmontiert – aus Gründen des Schutzes, wie man hört, denn Diebstähle von Universitätsplaketten waren in dieser Zeit keine Seltenheit. Christina Kuhli stieß im Depot auf die Büste und war sofort begeistert von der Idee, sie in die Ausstellung zu integrieren. Und sie hatte recht – Marx ist auch heute noch ein präsentes Thema in Berlin, sei es durch die Karl-Marx-Allee oder die Statue, die er zusammen mit Friedrich Engels ziert.
Ein Blick in die Vergangenheit
Die Ausstellung selbst bietet einen faszinierenden Einblick in die Denkmallandschaft Berlins von 1849 bis 1986. Hier werden nicht nur die Schattenseiten der Geschichte beleuchtet, sondern auch die politischen Umbrüche, die eine Neubewertung der Denkmäler erforderten. Viele Statuen, die einst als Symbole der Macht gefeiert wurden, wurden nach der Wende abgerissen oder vergraben und sind nun vergessen. Doch in der Zitadelle erhalten sie eine neue Funktion als Zeugnisse einer bewegten Geschichte. Besucher können sich hier mit Symbolen des Deutschen Kaiserreichs, der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und der DDR auseinandersetzen – eine spannende Reise durch die Zeit!
Die Zitadelle ist von freitags bis mittwochs von 10 bis 17 Uhr und donnerstags von 13 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist mit 4,50 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro ermäßigt und für Kinder unter sechs Jahren sogar gratis – ein echtes Schnäppchen für all jene, die sich für Geschichte interessieren. Und wer weiß, vielleicht begegnet man sogar der ein oder anderen umstrittenen Statue, die die Besucher zum Nachdenken anregt.
Die Reaktionen der Besucher
Die Reaktionen auf die ausgestellten Denkmäler sind durchaus unterschiedlich. Besonders der Lenin-Kopf sorgt für gemischte Gefühle. Einige Besucher empfinden eine Art Nostalgie, während andere schockiert sind über die Präsenz solcher Symbole. Urte Evert schätzt diese unterschiedlichen Perspektiven und die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Die Diskussion über Denkmäler ist nicht neu, sie reicht bis in die Zeit nach der Wende zurück. Damals war der Volkszorn zunächst gegen andere Symbole des SED-Staates gerichtet, wie die Berliner Mauer, und Denkmäler wurden oft unbeachtet gelassen.
Die Denkmallandschaft der DDR war geprägt von ihrer eigenen Geschichte und den spezifischen Merkmale, die sie ausmachten. Politische Denkmäler, wie die Thälmannbüste in Berlin oder der Karl-Marx-Kopf in Chemnitz, stehen heute als Überreste einer untergegangenen Ordnung. Nach 1989 gab es eine gesellschaftliche Debatte, die sich im Laufe der Jahre von emotionalen zu sachlicheren Diskursen entwickelte. Oft entschieden politische Initiativen über das Schicksal dieser Denkmäler, ohne dass eine breite öffentliche Debatte stattfand.
In der Zitadelle Spandau haben wir nun die Möglichkeit, uns mit dieser komplexen Geschichte auseinanderzusetzen. Die Denkmäler, die hier ausgestellt werden, sind nicht nur Relikte der Vergangenheit. Sie laden ein, darüber nachzudenken, wie Geschichte in unserer Gesellschaft wahrgenommen wird und wie wir mit ihr umgehen wollen. Ein Besuch ist daher nicht nur eine Zeitreise, sondern auch ein Diskurs über unsere heutige Identität und die Erinnerungen, die wir bewahren möchten.