In Spandau, einer der charmantesten Ecken Berlins, hat sich ein grausames Drama um die Tiere entfaltet, das einem fast die Sprache verschlägt. Ein Bild eines kleinen Hundes, der in einer vermüllten Wohnung aufgefunden wurde, wurde vom Bezirksamt veröffentlicht und hat viele Menschen erschüttert. Der Einsatz, der bereits im April stattfand, offenbarte einen erschreckenden Fall von „Animal Hoarding“. Die rund 80 Quadratmeter große Wohnung war ein Ort des Grauens: 34 Hunde, 12 Katzen, eine Land- und eine Wasserschildkröte, ein Kaninchen, eine Bartagame, fünf Ziervögel und eine große Anzahl an Fischen lebten unter Bedingungen, die nicht nur unhygienisch, sondern auch absolut nicht artgerecht waren.
Die Tiere kämpften mit gravierenden gesundheitlichen Problemen. Man konnte es kaum fassen, aber viele wiesen Anzeichen mangelhafter Pflege auf – verfilztes Fell, überlange Krallen und diverse Augen- oder Hautprobleme waren die Folge. Tanja Franzke, die Bezirksstadträtin für Jugend, Gesundheit und Ordnung, sprach von der emotionalen und körperlichen Belastung für alle Beteiligten. Ein Einsatz, bei dem das Ordnungsamt und die Polizei Hand in Hand arbeiteten, um das Unheil zu beenden und die Tiere in Sicherheit zu bringen.
Animal Hoarding: Ein wachsendes Problem
Es ist kein Einzelfall. Animal Hoarding, das krankhafte Sammeln von Tieren, hat in Deutschland alarmierende Ausmaße angenommen. Laut dem Deutschen Tierschutzbund wurden im Jahr 2024 bereits 147 Fälle dokumentiert, wobei insgesamt 8.911 Tiere betroffen sind. Das ist ein Anstieg von über 2.000 Tieren im Vergleich zum Vorjahr! Und die meisten dieser Fälle treten in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern auf. Wer hätte gedacht, dass so etwas in unserem Land passiert?
Tierheime stehen vor einer enormen Herausforderung. Sie sind überlastet und kämpfen darum, die verwahrlosten Tiere angemessen zu versorgen. Viele dieser Tiere sind schwer vermittelbar, was die Situation noch prekärer macht. Die betroffenen Tiere leben oft in erbärmlichen Bedingungen, sind verwahrlost, unterernährt und krank. Und das Schlimmste? Die Halter erkennen häufig nicht den Schaden, den sie sich und den Tieren zufügen. Animal Hoarding wird als psychische Erkrankung betrachtet, und hier ist tatsächlich Handlungsbedarf gefordert.
Die Notwendigkeit von Maßnahmen
Der Deutsche Tierschutzbund hat sich vehement für eine kostendeckende Finanzierung der Betreuung von beschlagnahmten Tieren ausgesprochen. Auch ordnungsrechtliche Maßnahmen müssen dringend überdacht werden – etwa eine Heimtierschutzverordnung und ein zentrales Register für auffällig gewordene Tierhalter. Diese Schritte könnten dazu beitragen, das Problem in den Griff zu bekommen und die Tiere zu schützen. Denn die Zahlen sind alarmierend: Seit 2012 sind bis 2024 knapp 51.000 Tiere von Animal Hoarding betroffen. Insbesondere Katzen und kleine Heimtiere sind die am häufigsten gehorteten Tiere. Komischerweise vermehren sich diese kleinen Geschöpfe extrem schnell, sodass die Anzahl der betroffenen Tiere in die Höhe schnellt.
In einer Stadt wie Berlin, die für ihre Tierliebe bekannt ist, ist es besonders erschreckend, von solch gravierenden Fällen zu hören. Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft aufwachen und uns für die Rechte dieser Tiere einsetzen. Denn sie können sich nicht selbst helfen – das müssen wir für sie tun.