Am kalten Januartag, der in die Geschichte eingehen könnte, wandte sich Reza Pahlavi, der Sohn des ehemaligen Schahs des Iran, an die Protestbewegung im Iran. Die Demonstrationen, die durch eine schwere Wirtschaftskrise ausgelöst wurden, erreichen nun ein neues Level. In einer eindringlichen Videoansprache auf Instagram rief er die Menschen dazu auf, zwei Tage später auf die Straße zu gehen. Massen folgten seinem Aufruf in den Metropolen des Landes und nährten die Hoffnung auf einen politischen Umbruch in einer Zeit, die von brutalen Repressionen des Sicherheitsapparates geprägt ist. Diese Proteste sind die schwersten in der Geschichte der Islamischen Republik, und Tausende haben ihr Leben dabei verloren.
Inmitten dieser turbulenten Zeiten reist Pahlavi nach Berlin – sein erster offizieller Besuch in der deutschen Hauptstadt. Viele Exil-Iraner sehen in ihm eine Chance für einen politischen Übergang, während andere ihm kritisch gegenüberstehen und ihn mit einem trügerischen monarchischen System assoziieren. Die historische Dimension seines Besuchs wird nicht übersehen, erinnern doch die Proteste gegen den Schah im Deutschland der 1960er Jahre an die autoritäre Herrschaft, die schließlich 1979 endete. Pahlavi lebt seit Jahrzehnten im Exil und spricht von Demokratie und einem säkularen Staat, bleibt jedoch vage über die Rolle seines Vaters.
Spaltungen und Proteste
Die Meinungen über Pahlavi sind im Iran und unter den Exil-Iranern gespalten. Einige unterstützen ihn, während andere skeptisch sind. Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran wird von Teilen der Opposition als Chance für einen Machtwechsel gesehen. Der Iran-Experte Arash Azizi hebt hervor, dass die Spaltung unter den Iranern durch den Krieg noch verstärkt wurde. Uneinigkeit über die Form der gewünschten Demokratie und den politischen Übergang bleibt bestehen, was die Suche nach einer einheitlichen Stimme erschwert.
Die Proteste, die am 28. Dezember 2023 in Teheran ihren Anfang nahmen, wurden durch den Wertverlust des iranischen Rial und eine Inflationsrate von 42,2 % angeheizt. Sie begannen in den Geschäftsvierteln Teherans und breiteten sich rasch auf andere Großstädte wie Isfahan, Schiras und Maschhad aus. Im Großen Basar von Teheran streikten Händler und forderten ein Eingreifen der Regierung, während Sicherheitskräfte Tränengas einsetzten, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Die Protestierenden skandierten Parolen wie „Frau, Leben, Freiheit“ und „Tod dem Diktator“, und es wurden Rufe nach der Rückkehr von Pahlavi laut.
Die brutalen Repressionen
Die Regierung reagierte mit harter Repression: Proteste wurden brutal niedergeschlagen, und Sicherheitskräfte eröffneten in mehreren Städten das Feuer. Bis zum 6. Januar 2026 waren bereits mindestens 29 Menschen gestorben, über 1200 wurden festgenommen. Berichte über chaotische Zustände in den Krankenhäusern und eine vollständige Internetsperre in Teheran verdeutlichen die prekäre Lage. Ali Chamenei drohte den „Unruhestiftern“ mit Konsequenzen, während internationale Beobachter besorgt auf die Entwicklungen blicken.
Der Druck auf die iranische Regierung wächst, und die internationale Gemeinschaft beobachtet die Situation mit Argusaugen. Reza Pahlavi könnte, trotz der gespaltenen Meinungen über seine Person, eine symbolische Figur in dieser kritischen Phase des Iran darstellen. Es bleibt abzuwarten, ob sein Besuch in Berlin und die damit verbundenen Proteste zu einem Wendepunkt in der Geschichte des Iran führen werden.