Heute ist der 7. Mai 2026, und in Berlin läuft die Uhr ein bisschen anders. Der Platz vor dem Abgeordnetenhaus wird in einer besonderen Feierstunde nach Margot Friedländer benannt, einer bemerkenswerten Frau, die vielen als Symbol des Überlebens und der Hoffnung gilt. Die Veranstaltung beginnt um 9.00 Uhr im Plenarsaal, und der Regierende Bürgermeister Kai Wegner wird eine Rede halten, die nicht nur den Lebensweg von Margot würdigt, sondern auch an die Bedeutung des Erinnerns appelliert. Ein bisschen später, um 11.00 Uhr, folgt dann die reguläre Plenarsitzung des Berliner Landesparlaments, die wie so oft eine Stunde später als gewohnt beginnt.
Margot Friedländer, die am 9. Mai 2022 im Alter von 103 Jahren starb, war nicht nur Ehrenbürgerin Berlins, sondern auch eine unerschütterliche Stimme gegen das Vergessen. Als Holocaust-Überlebende erzählte sie ihre Geschichte in Schulen und anderen Einrichtungen, um die junge Generation zu erreichen. Ihr Vermächtnis wird in diesen Tagen besonders spürbar. In ihrer Kindheit, die in den Straßen von Kreuzberg begann, träumte sie von einer Karriere als Modedesignerin. Sie besuchte eine Modezeichnerschule, und auch wenn ihre Träume durch die Schrecken des Nationalsozialismus zerschlagen wurden, blieb sie in ihrer Essenz eine Künstlerin.
Ein Leben in Erinnerungen
Margot wurde 1921 geboren und erlebte eine unbeschwerte Kindheit, die abrupt endete, als sie 17 Jahre alt war. Die Reichspogromnacht am 9. November 1938 war der Wendepunkt ihres Lebens. Ihre Familie, jüdischer Herkunft, wurde verfolgt. Der schmerzliche Verlust ihres Bruders Ralph und ihrer Mutter, die beide von der Gestapo verhaftet wurden, prägte ihr weiteres Leben. Sie selbst überlebte Theresienstadt und fand schließlich sechs Jahrzehnte später, im Alter von fast 88 Jahren, den Weg zurück nach Berlin.
In den letzten Jahren hat sich Margot mit unermüdlichem Einsatz gegen das Vergessen engagiert. Sie trat bei zahlreichen Gedenkfeiern auf, erzählte von ihren Erlebnissen und wurde als eine der stärksten Stimmen gegen Antisemitismus gewürdigt. „Es gibt kein Vergessen“, sagte sie oft und machte sich stark für ein friedliches Miteinander. Ihr Tod im Mai 2022 hinterließ eine Lücke, die nur schwer zu füllen ist. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz äußerten ihr tiefes Bedauern und würdigten ihren unermüdlichen Einsatz für Versöhnung und Gedenken.
Ein Platz für Margot
Der neu benannte Platz wird nicht nur eine Gedenkstätte für Margot Friedländer sein, sondern auch ein Ort der Reflexion für alle Berliner. In einer Zeit, in der Antisemitismus und Intoleranz wieder zunehmen, erinnert dieser Platz an die Geschichten und Schicksale, die hinter den Zahlen stehen. Es ist eine Mahnung, dass wir die Vergangenheit nicht vergessen dürfen, um die Zukunft besser zu gestalten.
Bei der letzten Sitzung des Landesparlaments wurde nicht nur über die Feiern und Demonstrationen am 1. Mai debattiert, sondern auch die aktuellen Herausforderungen angesprochen. Laut Berliner Polizei wurden mehrere Dutzend Menschen vorläufig festgenommen, und es wurden rund 120 Ermittlungen wegen Verdachts auf Straftaten eingeleitet. Inmitten all dieser Herausforderungen ist die Namensgebung des Platzes ein Lichtblick und ein Zeichen dafür, dass wir nicht nur aus der Geschichte lernen müssen, sondern auch die Stimmen der Überlebenden ehren müssen.
Die Margot Friedländer Stiftung, die in ihrem Gedenken gegründet wurde, wird weiterhin dafür sorgen, dass ihre Geschichte und die ihrer Familie nicht in Vergessenheit geraten. Ein Platz, der ihren Namen trägt, wird hoffentlich viele dazu anregen, über die Vergangenheit nachzudenken und aktiv gegen das Vergessen einzutreten. So bleibt Margot Friedländer nicht nur in unseren Erinnerungen, sondern auch in der Zukunft lebendig.