In Berlin-Mitte gibt es Neuigkeiten aus der gastronomischen Welt, die sowohl nostalgische Erinnerungen wecken als auch einen Hauch von Neugier hinterlassen. Das Stammhaus der berühmten Kaffeehaus-Kette „Einstein“ in der Kurfürstenstraße 58 steht vor einem Comeback! Bisher war die denkmalgeschützte Gründerzeit-Villa seit etwa drei Jahren leer und wartete auf eine Wiederbelebung. Doch die Geschichte des Cafés ist alles andere als geradlinig. Der Betreiber, Philipp Hasse-Pratje, meldete im Juni 2023 Insolvenz an, nachdem er mit Fehlinvestitionen und finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Die steigenden Kosten durch Inflation und die Energiekrise nach der Pandemie haben die Situation nur verschärft.

Das Café Einstein an der Kurfürstenstraße, das 1979 in der charmanten alten Villa Roßmann eröffnet wurde und als Künstlertreff bekannt war, schloss seine Türen bereits zu Weihnachten 2022. Der Insolvenzverwalter, Oliver Sietz von der Kanzlei Voigt Salus, hat die Geschäfte übernommen. Hasse-Pratje kämpft nun gegen Schulden in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro und sucht verzweifelt einen Investor, um die GmbH zu retten, während er selbst aussteigen möchte. Einzig das Café Einstein Unter den Linden, das seit 2019 von Martin Pelz betrieben wird, blieb von diesen Turbulenzen unberührt.

Eine Villa mit Geschichte

Die Villa, die derzeit aufwändig saniert wird und eingerüstet ist, ist nicht nur ein Gebäude, sondern ein Teil der Berliner Geschichte. In den 1920er Jahren lebten hier prominente Persönlichkeiten wie die Stummfilmdiva Henny Porten. 1978 wurde die Villa von Walter Bachauer als klassisches Wiener Kaffeehaus wiedereröffnet und zog Künstler und Denker an. Sie diente sogar 2008 als Kulisse für Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ – ein echter Filmklassiker, der die Villa in einem ganz anderen Licht erstrahlen ließ.

Die Sanierung, die seit Ende 2022 geplant ist und etwa anderthalb Jahre in Anspruch nehmen sollte, wird die Villa hoffentlich wieder zum Leben erwecken. Die Verhandlungen über die zukünftige Nutzung laufen, und es wird erwartet, dass nach der Fertigstellung erneut eine Restaurant- und Café-Lokalität entsteht. Private Wohnungen scheinen unwahrscheinlich, was für viele Anwohner eine Erleichterung sein könnte. Allerdings bleibt unklar, wann alles abgeschlossen sein wird. Währenddessen sind sogar zwei Stolpersteine für die jüdischen Bewohner Georg und Lucia Blumenfeld, die in den 1940er Jahren durch die NS-Diktatur verfolgt wurden, durch die Baustelle unsichtbar geworden.

Gastronomie in der Krise

Die Insolvenz des Cafés ist Teil eines viel größeren Problems, das die Gastronomie in Deutschland betrifft. Allein im Jahr 2025 meldeten rund 2900 Betriebe Insolvenz an – ein Anstieg von fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ursachen sind vielfältig: Die Pandemie, die Energiekrise und die Inflation setzen den Gastronomen stark zu. Hohe Lohnkosten und ein verändertes Konsumverhalten, bei dem viele lieber Essen nach Hause bestellen, belasten die Branche zusätzlich. Laut einer Umfrage sparen 42 Prozent der Menschen bei Freizeitaktivitäten, was sich direkt auf die Gastronomie auswirkt.

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Im Jahr 2024 und 2025 schlossen etwa 24.500 Gaststätten und Restaurants, ohne ein Insolvenzverfahren durchlaufen zu haben. Die Herausforderungen sind immens, und viele Gastronomiebetriebe kämpfen mit einer Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent. Die Kosten für Waren, Personal und Energie sind seit 2022 teilweise um bis zu 40 Prozent gestiegen. Trotz der Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen zu Beginn des Jahres 2025 profitieren die Gäste bislang kaum davon – die Preise wurden nur minimal gesenkt.

Die Zukunft der Villa in der Kurfürstenstraße bleibt also spannend. Während die Sanierungsarbeiten voranschreiten, bleibt zu hoffen, dass sie bald wieder ein Ort des Genusses wird, der die Geschichten und das Flair Berlins in sich trägt. Bis dahin bleibt es abzuwarten, ob die Gastronomie in Berlin aus dieser schwierigen Phase gestärkt hervorgehen kann.