Das Leben in Berlin dreht sich nicht nur um das bunte Treiben auf den Straßen oder die coolen Cafés, sondern auch um die Frage: Wo wohne ich eigentlich? Alain Resnais, ein französischer Filmregisseur, hat es einmal treffend formuliert: „Wohnungen seien ein Mittelpunkt des Lebens.“ Bei geselligen Abendessen dreht sich oft alles um die Frage, ob die Anwesenden mit ihrem Wohnraum zufrieden sind. Es ist fast so, als wäre die Wohnung ein Spiegelbild unserer Wünsche und Sehnsüchte – und nach Resnais’ Erfahrung sind viele Menschen ihr Leben lang auf der Suche nach diesem einen, perfekten Ort.

In Berlin haben Gemeinschaften, die sich zusammenfinden, um ihren Wohnraum gemeinsam zu gestalten, einen besonderen Platz. Diese Baugemeinschaften, auch Baugruppen genannt, sind jedoch nicht überall willkommen. Politisch betrachtet, sind sie in der Hauptstadt eher unerwünscht. Dennoch zeigen die Architekten Christoph Roedig und Ulrich Schop mit ihren Projekten, dass diese Modelle kostengünstigen Wohnkomfort ermöglichen können. Ein Paradebeispiel dafür ist das Baugruppenprojekt „Heinrich 73“ in Berlin-Mitte, das 2016 fertiggestellt wurde. Hier wurden Wohnungen mit raumhohen Fenstertüren und einem cleveren, verschiebbaren Sonnenschutz entworfen, der die Funktionen von Balkon und Loggia vereint.

Baugruppen als Antwort auf den Wohnraummangel

Die Idee hinter Baugemeinschaften ist einfach, aber genial: Menschen schließen sich zusammen, um gemeinsam zu bauen und zu wohnen. So können nicht nur Kosten gesenkt werden, sondern auch die Gestaltung des Wohnraums wird in die eigenen Hände gelegt. Bei Roedig und Schop wird sogar die Möglichkeit der Finanzierung durch Eigenleistungen aufgezeigt – das macht das Ganze noch attraktiver. Seit 2007 setzen sie sich zudem im „Netzwerk Berliner Baugruppen Architekten“ (NBBA) dafür ein, bessere Rahmenbedingungen für solche Projekte zu schaffen.

Ein weiteres spannendes Projekt ist die Baugruppe „ten in one“, die im September 2003 gegründet wurde. Die individuell geplanten Wohnungen in der Anklamer Straße 52 wurden 2005 bezogen und zeigen, wie vielfältig Baugemeinschaften sein können. Auch die Baugruppe K20, die 2008 bezogen wurde, setzte auf die Initiative der Bewohner selbst. Hier wurde nicht nur das Projekt entwickelt, sondern auch die Steuerung in Eigenleistung übernommen.

Innovative Wohnkonzepte in Berlin

Die Kreativität der Architekten und Baugruppen hat in Berlin keine Grenzen. Ein Beispiel ist das Projekt „Trainspotting“, das 2009 aufgrund seiner Nähe zum Bahndamm benannt wurde. Hier gibt es einen „Kopfbau“ mit Fenstern an drei Seiten und Eckbalkonen, die einen fantastischen Blick auf die Stadtlandschaft bieten. Auch das Projekt „3xgruen“ in der Görschstraße ist bemerkenswert: Mit Vorgarten, Hofgarten und Dachgarten vereint es Naturnähe und urbanes Leben und wurde 2012 in Holzbauweise fertiggestellt.

Ein weiterer Hotspot für Baugruppen ist das Projekt „Dennewitzeins“, das in Kooperation mit anderen Architekturbüros entstanden ist. Hier wird ein Gebäude mit drei Hauseingängen für drei Baugruppen geplant – ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit. Und nicht zu vergessen: das Projekt „H73 | 36“, das sich an der Bezirksgrenze zwischen Mitte und Kreuzberg befindet und 15 Wohneinheiten sowie zwei Gewerbeeinheiten umfasst.

All diese Projekte zeigen, dass Baugemeinschaften in Berlin nicht nur eine Antwort auf den Wohnraummangel sind, sondern auch ein Stück Lebensqualität schaffen. Sie bieten Menschen die Möglichkeit, sich aktiv in die Gestaltung ihres Wohnraums einzubringen und gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft zu sein. Ein Ansatz, der in einer Stadt wie Berlin, wo die Suche nach der perfekten Wohnung oft frustrierend sein kann, durchaus seine Berechtigung hat.