Marzahn-Pride: Farbenfrohe Demonstration für Sichtbarkeit und Solidarität in unsicheren Zeiten
Am vergangenen Wochenende fand die Marzahn-Pride statt. Rund 1.000 Menschen nahmen an dieser bunten Demonstration teil, die von Quarteera e.V. organisiert wurde. Das Motto „Here & Queer. Loud & Proud“ hallte durch die Allee der Kosmonauten, während die Teilnehmer:innen mit farbenfrohen Fahnen, fröhlicher Musik und Seifenblasen durch die Straßen zogen. Ein besonderer Moment war der russischsprachige Song über den Regenbogen, der für alle nicht-russischsprachigen Anwesenden auch übersetzt wurde. Das Gefühl der Gemeinschaft war greifbar, auch wenn viele Teilnehmer:innen angaben, dass sie sich in dieser bunten Umgebung zwar repräsentiert fühlten, die Unsicherheit in der Umgebung jedoch spürbar war.
In der Luft lag eine Mischung aus Freude und Anspannung. Einige Menschen schauten skeptisch zu, andere trauten sich nicht, an der Demo teilzunehmen. Viele wünschten sich mehr politische Unterstützung für queere Sichtbarkeit. Diese Marzahn-Pride war bereits die siebte ihrer Art, und während im Vorjahr rechtsextreme Mobilisierungen durch die Deutsche Jugend Voran (DJV) die Veranstaltung überschatteten, blieb der rechte Einfluss in diesem Jahr aus. Dennoch berichteten Teilnehmer von einem Anstieg rechtsextremer Übergriffe im Bezirk und einer wahrnehmbaren Bedrohung, die nicht zu ignorieren war. Eine Teilnehmerin verzichtete daher aus Sicherheitsgründen auf eine große Pride-Flagge.
Ein Zeichen der Solidarität
Besonders bemerkenswert war die Solidarität, die von Menschen aus innerstädtischen Bezirken kam. Eine antifaschistische Gruppe hatte im Vorfeld zur Unterstützung der Veranstaltung aufgerufen, was für zusätzlichen Rückhalt sorgte. Interessanterweise wurde die Teilnahme des Bundesverbands russischsprachiger Eltern e.V. (BVRE) als großer Erfolg gewertet. Quarteera wollte mit dieser Pride ein Zeichen gegen Anfeindungen und mangelnde Akzeptanz in der eigenen Community setzen, und das gelang ihnen auch.
Die Demonstration endete am Victor-Klemperer-Platz, wo verschiedene Initiativen, darunter das Antigewalt-Projekt der Schwulenberatung, vertreten waren. Doch es gab auch kritische Momente: Ein bekannter Neonazi, Sebastian Schmidtke, filmte die Demo, was von den Anwesenden mit „Nazis raus“-Rufen kommentiert wurde. Diese Reaktion unterstreicht die Spannungen, die nach wie vor im Bezirk bestehen. Das Motto „Sichtbarkeit ist Widerstand“ war nicht nur ein Slogan, sondern eine klare Botschaft an alle, die sich für queere Rechte einsetzen.
Ein Blick auf die Geschichte der LGBTQI-Rechte
Wenn wir über die Bedeutung solcher Veranstaltungen sprechen, dürfen wir nicht die historische Dimension der Pride-Bewegung vergessen. Der Juni markiert den traditionellen Auftakt der Pride-Saison, in der Paraden und Proteste für die Rechte der LGBTQI-Community stattfinden. Diese Paraden, auch bekannt als Christopher Street Day (CSD), sind das Ergebnis eines langen Kampfes für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit. Diskriminierung und Verfolgung aufgrund von Geschlechtsidentität oder sexueller Orientierung haben eine düstere Geschichte, die bis ins Kaiserreich zurückreicht.
Wir sollten die ersten Aktivisten wie Karl Heinrich Ulrichs und Magnus Hirschfeld nicht vergessen, die für die Rechte von Homosexuellen kämpften. Während der NS-Zeit erlebten viele queere Menschen eine systematische Verfolgung, und selbst nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der berüchtigte Paragraf 175 bis 1994 bestehen. Historiker warnen aktuell vor einem Anstieg queerfeindlicher Straftaten in Deutschland und sehen die Notwendigkeit, für die erreichten Rechte weiter zu kämpfen. Das macht die Bedeutung von Veranstaltungen wie der Marzahn-Pride umso deutlicher.
So bleibt die Frage: Wie geht es weiter? Die aktuelle Situation erfordert nicht nur ein Bekenntnis zur Unterstützung der LGBTQI*-Rechte, sondern auch eine aktive Teilnahme an der Wahrung dieser Rechte. Die Rückschritte, die in der Vergangenheit oft schon geschehen sind, sollten uns als Mahnung dienen. Wenn wir sehen, dass trotz aller Feierlichkeiten immer wieder Bedrohungen sichtbar werden, müssen wir zusammenstehen. Die bunte Flagge, die über Marzahn wehte, war nicht nur ein Zeichen der Freude, sondern auch der Entschlossenheit, für eine sichere und gerechte Zukunft zu kämpfen.
Unser neues Website-System (VeloCore) vereint mehrere zentrale Anforderungen moderner Nachrichtenportale: kurze Ladezeiten, hohe Datenschutzstandards und eine wartbare, redaktionell skalierbare Architektur. Die technische Umsetzung mit diesem Anspruch an Qualität und Zukunftssicherheit erfolgte durch Daniel Wom / VeloCore.
