In Biesdorf, einem Stadtteil von Marzahn-Hellersdorf, tut sich was – und das nicht nur in den Gärten der Nachbarn. In einer ehemaligen Halle für Autozubehör, die jetzt eine grüne Oase beherbergt, erprobt das 2021 gegründete Unternehmen „Potager Farm“ eine spannende Form des Anbaus: Indoor Farming. Hier, am Elsterwerdaer Platz, wachsen Küchenkräuter unabhängig von Wetter und Jahreszeiten – und das ist ein echter Gewinn für alle, die sich auch bei Regen oder Schnee frische Kräuter wünschen. Hunderte Jungpflanzen wachsen in einem hohen Turm, der sich wie ein grünes Wunderwerk in die Höhe schraubt. Unter pinkem LED-Licht gedeihen sie prächtig, während Lufttemperatur, Feuchtigkeit und pH-Wert rund um die Uhr überwacht werden.

Aber nicht nur die Potager Farm macht von sich reden. Ein weiteres innovatives Berliner Start-up, die Berlin Farms GmbH, geht noch einen Schritt weiter. In einem Container, der wie ein kleines, futuristisches Wunderwerk aussieht, wird hier der Anbau von Microgreens ohne Sonnenlicht praktiziert. Die Keimlinge werden nach nur zehn bis 14 Tagen geerntet – das ist fast wie ein magischer Trick! Mit weniger Wasser und ohne künstliche Düngemittel wächst eine Vielzahl von Sorten, von Amarant über Alfalfa bis hin zu Mizuna. Das Besondere: Berlin Farms nennt sich die erste biozertifizierte Indoor-Farm in Deutschland. Ein echter Grund zur Freude für alle Bioliebhaber!

Die Vorteile des Indoor Farmings

So ganz ohne Herausforderungen kommen auch die Indoor-Farmer nicht aus. Die hohen Energiekosten für die LED-Beleuchtung und die Klimatechnik stellen ein großes Problem dar. Professor Senthold Asseng, ein echter Experte auf diesem Gebiet, warnt, dass die Kosten momentan so hoch sind, dass selbst ein einfaches Brot aus dem in Freising gezüchteten Weizen unbezahlbar wäre. Dennoch birgt Indoor Farming große Vorteile: Es kommt ohne Pestizide aus, benötigt weniger Wasser und könnte eine Entlastung für die konventionelle Landwirtschaft darstellen. In Deutschland konzentrieren sich die Start-ups bislang überwiegend auf Salate und Kräuter.

Ein Beispiel für eine solche Innovation ist das 2013 gegründete Unternehmen Agrilution, das einen kleinen Anbauschrank für Haushalte entwickelte. Dort konnten Kunden eine Vielzahl von Pflanzen, darunter Rucola und Radieschen, erfolgreich züchten. Doch leider wurde Agrilution 2018 verkauft und schließlich eingestellt. Das zeigt, wie schnelllebig die Branche ist.

Die Zukunft des Anbaus

In anderen Teilen der Welt, wie in den Golfstaaten, floriert das Indoor Farming bereits. In Dubai wurde eine riesige vertikale Farm in nur sechs Monaten errichtet, die täglich beeindruckende 1.200 Kilogramm Salat und Gemüse produziert. Wissenschaftler sehen großes Potenzial für Regionen mit schwierigen landwirtschaftlichen Bedingungen, wie Nordafrika oder Singapur. Dort könnten Indoor-Anlagen durch die übereinandergestapelten Pflanzen höhere Erträge ermöglichen und gleichzeitig die CO₂-Emissionen reduzieren.

Die Vision von Indoor Farming hat also das Potenzial, nicht nur den urbanen Raum zu erobern, sondern auch die Art und Weise, wie wir über unsere Nahrungsmittelproduktion denken. Während die Gründer von Berlin Farms und Potager Farm mit Leidenschaft und Innovationsgeist an der Sache arbeiten, bleibt abzuwarten, wie sich die Technik weiterentwickeln wird. Eines ist jedoch sicher: Frische Kräuter und gesunde Microgreens sind in unseren Küchen herzlich willkommen – egal, ob es draußen regnet oder die Sonne strahlt.