In Marzahn-Hellersdorf tut sich einiges. Die Stadt hat sich vorgenommen, bis Ende 2026 stolze 8272 neue Schulplätze zu schaffen. Das klingt nach einer wirklich ambitionierten Zahl! Zwischen 2021 und 2026 sollen im Bezirk zwölf modulare Ergänzungsbauten und sieben neue Schulen entstehen. Der zuständige Stadtrat, Gordon Lemm, hebt hervor, dass jeder einzelne Schulplatz von entscheidender Bedeutung ist. Das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern eine Notwendigkeit, die sich in den alarmierenden Statistiken widerspiegelt.

Der Bildungsnotstand in der Region geht über die bloße Zahl der Schulplätze hinaus. Erschreckende 36% der Schüler verlassen die Schulen ohne oder mit einem geringen Schulabschluss, und in Marzahn-Hellersdorf ist der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss im Schuljahr 2023/24 mit 13,8% der höchste in ganz Berlin. Diese Zahlen sind ein Aufruf zur Handlung. Über 60% der Kinder im Bezirk benötigen schulische oder sonderpädagogische Unterstützung, und in Hellersdorf-Nord sind es sogar über 80%. Das lässt erahnen, wie dringend die Unterstützung ist, die viele der jungen Menschen hier benötigen.

Die besorgniserregende Lage an den Schulen

In den ersten und zweiten Klassen der Glückskompass-Grundschule gibt es nur noch Studierende, keine ausgebildeten Lehrkräfte. Was für eine Herausforderung! Und als ob das nicht genug wäre – an 15 von 29 Grundschulen im Bezirk gibt es Überbelegungen. Tatsächlich sind mehr als die Hälfte aller Grundschulen betroffen. Auch an den weiterführenden Schulen sieht es ähnlich aus. Ein klarer Hilferuf nach neuen Kapazitäten! Um dem entgegenzuwirken, wird der Kauf von Schulcontainern als eine kurzfristige Maßnahme in Betracht gezogen. Aber, wie die schriftliche Anfrage von Abgeordneten Regina Kittler zeigt, sind die Bereitstellungen oft langwierig und teuer. Ein echter Dilemma!

Die Linksfraktion fordert mehr Flexibilität, etwa durch eine Reserve an Schulcontainern. Immerhin gibt es erste Fortschritte an einigen Grundschulen, wo Container bereits aufgestellt oder gekauft wurden. Dennoch – diese Lösungen sind nur temporär. Langfristig braucht es eine nachhaltige Kapazitätserweiterung durch den Neubau von Schulen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, und das Bezirksamt ist aufgefordert, schneller zu handeln.

Die unsichtbaren Herausforderungen

Doch die Situation in Marzahn-Hellersdorf ist nicht nur eine Frage des Schulbaus. Lemm warnt, dass neue Schulen allein nicht ausreichen. Es fehlt an Sprachförderung, Sozialarbeit und Fachkräften. Unglaubliche 41,5% der Kinder im Bezirk haben Sprachdefizite, und bei Kindern ohne Kitabesuch sind es sogar 80%! Das sind alarmierende Zahlen, die die Bedeutung frühzeitiger Förderung unterstreichen. Die Schere zwischen den Kindern aus unterschiedlichen sozialen Schichten öffnet sich weiter; 27% der Kinder aus sozial benachteiligten Schichten besuchen ein Gymnasium, während es bei denjenigen aus besseren Verhältnissen 60% sind. Ein ungleicher Start ins Leben, der nicht hinnehmbar ist.

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Die Situation wird noch komplizierter durch die hohe Zahl an Alleinerziehenden im Bezirk – 38% der Elternschaft. Das bedeutet nicht nur eine zusätzliche Belastung für die Familien, sondern auch für die Bildungseinrichtungen. Rund 4300 Alleinerziehende empfangen Bürgergeld, und das Jugendamt gibt über 120 Millionen Euro jährlich für Hilfen zur Erziehung aus. Die Herausforderungen sind enorm, und der Bezirk setzt auf frühzeitige Maßnahmen wie Kita-Sozialarbeit und Familienräte.

Ein Blick über den Tellerrand

Die Situation in Berlin spiegelt einen größeren Trend in Deutschland wider. Im Jahr 2022 waren rund 52.300 Jugendliche ohne Schulabschluss, was einem Anteil von 6,9% entspricht – ein Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Die MINT-Kompetenzen der 15-Jährigen haben ebenfalls stark gelitten. Mathematik- und Naturwissenschaftskenntnisse sind gesunken, und über 64% der 15-jährigen Migranten haben schwache Mathematikkenntnisse. Es zeigt sich, dass insbesondere fehlende Deutschkenntnisse und ein bildungsferner Hintergrund zentrale Gründe für die schwachen Leistungen sind.

Im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist die Lage also alles andere als rosig. Die Herausforderungen sind vielschichtig, und es braucht mehr als nur neue Schulplätze, um die Kinder und Jugendlichen in der Region bestmöglich zu fördern. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die uns alle betrifft.