In Berlin-Kreuzberg wird es am kommenden Samstag wieder laut und bunt – denn eine propalästinensische Demonstration zum Gedenktag Nakba steht auf dem Programm. Unter dem Motto «Schluss mit der Besatzung Palästinas – 78 Jahre Al Nakba» haben sich etwa 1.000 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet. Der Demonstrationszug startet am Oranienplatz und führt bis zum Südstern. Dabei wird die Polizei mit einem größeren Aufgebot vor Ort sein, um die Veranstaltung zu begleiten. Das ist auch nötig, denn bei ähnlichen Veranstaltungen in der Vergangenheit kam es oft zu Tumulten und Flaschenwürfen gegen die Polizei. So wurden beispielsweise bei einer Demo im Jahr 2025 mehrere Polizisten verletzt, und die Stimmung war als aggressiv beschrieben worden. Redner und Teilnehmer skandierten Slogans wie «Babymörder Israel» und «Intifada», was zu Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs führte.

Der Nakba-Gedenktag wird am 15. Mai gefeiert und erinnert an die Flucht und Vertreibung Hunderttausender Palästinenser während des ersten Nahostkriegs 1948, der nach der Staatsgründung Israels entbrannte. Der Begriff «Nakba» bedeutet auf Arabisch so viel wie „Katastrophe“ oder „Unglück“ und bezieht sich auf den Verlust der Heimat von rund 700.000 Palästinensern. Diese Zahl ist nicht nur eine Zahl – sie steht für Schicksale, für Familien, die auseinandergerissen wurden, für Dörfer, die zerstört wurden. An diesem Tag protestieren viele Palästinenser mit Flaggen und den Schlüsseln zu ihren ehemaligen Häusern in der Hoffnung auf Rückkehr, die durch die UN-Resolution 194 bekräftigt wird.

Demonstrationen und Gegenaktionen

Doch die geplante Demonstration hat nicht nur Befürworter – es gibt auch eine Gegen-Demonstration zur Unterstützung Israels, die an der Hasenheide stattfinden soll. Diese trägt den Titel „Gegen jeden Antisemitismus. Kein Fußbreit der Terror-Propaganda“ und hat etwa 500 Teilnehmer angemeldet. Die Veranstalter der Gegen-Demonstration möchten ein Zeichen setzen, und die Polizei wird auch hier verstärkt präsent sein. Ein geplanter Lauf nach Neukölln wurde aufgrund befürchteter Störungen untersagt, was zeigt, wie angespannt die Situation ist.

Die beiden größeren Kundgebungen in Berlin-Kreuzberg sind Teil einer langen Tradition des Gedenkens an die Nakba, die 1998 durch Jassir Arafat offiziell als Gedenktag eingeführt wurde. Vor dem Ersten Weltkrieg war Palästina Teil des Osmanischen Reichs und wurde danach britisches Mandatsgebiet. Der UN-Teilungsplan von 1947 wurde von der Arabischen Liga abgelehnt, aber von der Jewish Agency akzeptiert, was zu einem tiefen Riss in der Region führte, der bis heute nachwirkt. Am 14. Mai 1948 wurde Israel ausgerufen, was zu einem Angriff von fünf arabischen Staaten führte und die Situation weiter eskalierte.

Ein Blick in die Geschichte

Die Nakba ist nicht nur ein historisches Ereignis, sondern auch ein tief verwurzeltes Gefühl der Trauer und des Verlustes für viele Palästinenser. Über 400 arabische Dörfer wurden während des Konflikts zerstört, und das Massaker von Deir Yassin, bei dem mindestens 100 Menschen ums Leben kamen, trug zur Flucht vieler Palästinenser bei. Die Mehrheit lebt heute in Flüchtlingslagern, die sich in Flüchtlingsstädte verwandelt haben. Die Situation im Gazastreifen ist aktuell besonders prekär, wo Berichte von bis zu 1,9 Millionen vertriebenen Menschen die Runde machen. Auch hier wird von ethnischer Säuberung gesprochen, was die Gemüter weiter erhitzt.

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Die Frage des Rückkehrrechts für palästinensische Flüchtlinge bleibt eines der zentralen Themen im Nahost-Konflikt. Israel lehnt dieses Rückkehrrecht ab und argumentiert, dass es das Ende seiner Identität als jüdischer Staat bedeuten würde. Die Komplexität dieser Thematik ist gewaltig und spiegelt die tiefen Wunden wider, die dieser Konflikt hinterlassen hat. Und so stehen wir heute, am Vorabend eines weiteren Gedenktags, an einem Punkt, an dem die Vergangenheit und die Gegenwart untrennbar miteinander verbunden sind – ein Gedächtnis, das nicht in Vergessenheit geraten darf. Es bleibt abzuwarten, wie die kommenden Tage verlaufen werden und welche Emotionen auf der Straße zu spüren sein werden.