In den letzten Jahren hat sich die Diskussion um die Organisation des Sports und die Rolle des Starkults in unserer Gesellschaft intensiviert. Insbesondere der Fußball, als Spiegelbild gesellschaftlicher Strömungen, steht im Fokus. Die kritischen Stimmen, die Ungerechtigkeiten im heutigen Profifußball anprangern, werfen einen Blick zurück auf die Geschichte des Arbeitersports und fragen sich, was wir aus diesen Lehren für die Zukunft mitnehmen können.
Ein Rückblick auf den Arbeitersport vor 100 Jahren zeigt, wie der Arbeiter-Turn- und Sport-Bund (ATSB) als Gegenentwurf zum bürgerlichen Sport entstand. Er wurde für Menschen aus Arbeitervierteln und sozialistischen Milieus ins Leben gerufen und hatte 1930 bereits etwa 750.000 Mitglieder, darunter Industriearbeiter, Angestellte und Handwerker. Während bekannte Klubs wie Schalke 04 und Kickers Offenbach dem bürgerlichen DFB angehörten, schloss der DFB die politisch engagierten Arbeiterorganisationen und deren Sportvereine 1933 aus. Der ATSB hingegen legte großen Wert auf Fairplay, Solidarität und Völkerverständigung und stellte das Kollektiv in den Vordergrund, während der DFB sich auf Fitness und Wehrertüchtigung konzentrierte.
Der große Unterschied: Kollektiv vs. Starkult
Die erfolgreiche Eröffnung des ATSB 1926 im Stadion „Rote Erde“ mit 30.000 Zuschauern verdeutlicht, dass der Arbeitersport bedeutend mehr Menschen anzog als der bürgerliche Sport, der nur 8.000 Zuschauer hatte. Diese Zahlen zeigen nicht nur das Interesse am Sport, sondern auch die soziale Verantwortung, die der ATSB übernahm. Die eigene deutsche Meisterschaft, die ab 1920 ausgespielt wurde, erlebte einen starken Anstieg der Fußballmannschaften von 77 im Jahr 1914 auf 8.000 im Jahr 1930. Die eigene Nationalmannschaft des ATSB spielte 1924 gegen Frankreich und stellte damit die politische Dimension des Sportes klar in den Vordergrund.
Die Diskussionen über Wertungssysteme und Ligensysteme im Arbeitersport zielten auf Bewegung und Gesundheit ab. Der Arbeitersport lehnte den Starkult ab und stellte die Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Diese Prinzipien stehen in starkem Gegensatz zu den heutigen Strukturen im Profifußball, die von Macht und Geld geprägt sind. Hier wird ein Umdenken gefordert, um die sozialen Werte des Sports wieder zu revitalisieren.
Ein Blick auf die Ursprünge des Fußballs
Um die Wurzeln des Fußballs zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. Bereits im 12. Jahrhundert wurde in Ashbourne, einer kleinen Stadt in England, das „Shrovetide Football“ gespielt. Dieses frühe Fußballspiel mit nur wenigen Regeln und einer Menschenmenge, die um einen großen Ball kämpfte, ist ein Beispiel für die unregulierten Folk-Football-Partien, die bis ins 19. Jahrhundert stattfanden. Diese waren oft brutal und wurden von der Obrigkeit als Bedrohung der sozialen Ordnung angesehen, was zu wiederholten Verboten führte.
Mit der Industrialisierung und Urbanisierung verlor der Folk Football an Bedeutung, blieb jedoch bei Folklore-Veranstaltungen relevant. In Schulen wie in Rugby wurden in den 1830er-Jahren erste schriftliche Regeln aufgestellt, die schließlich zur Gründung der Football Association (FA) 1863 führten, die die Grundlage für den modernen Fußballsport bildete. Diese Entwicklung zeigt, wie stark der Fußball von den sozialen Bedingungen seiner Zeit geprägt war und wie wichtig es ist, diese Geschichte im Kontext der heutigen Diskussionen um den Sport zu betrachten.
Die Geschichte des Arbeitersports und die Wurzeln des Fußballs zeigen uns, dass Sport mehr ist als nur ein Wettkampf. Er ist ein Spiegelbild unserer gesellschaftlichen Werte und Herausforderungen. In einer Zeit, in der der Starkult und das Streben nach Geld im Profifußball dominieren, sollten wir die Prinzipien von Fairness, Solidarität und Gemeinschaft wieder in den Vordergrund rücken. Nur so kann der Sport sein Potenzial als verbindendes Element in unserer Gesellschaft ausschöpfen.