In den letzten Tagen hat die Stadt Cottbus erneut die Schattenseiten des Rechtsextremismus zu spüren bekommen. Die Synagoge wurde mit einem Hakenkreuz beschmiert, ein Vorfall, der nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die gesamte Gesellschaft alarmiert. Zunächst wurde das Symbol des Hasses abgeklebt, doch die Wunden, die solche Taten reißen, sind tief. Um gegen diese Gewalt und Intoleranz ein Zeichen zu setzen, plant die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg am Donnerstagabend um 19:00 Uhr eine Demonstration mit dem Motto: «Ihr greift uns an – wir stehen noch näher zusammen». Die Veranstalter rechnen mit mehreren hundert Teilnehmern, und die Unterstützung durch die Grünen zeigt, dass der Widerstand gegen Rechtsextremismus eine breite Basis hat.
Ricarda Budke, Sprecherin der Initiative, fordert eindringlich von der Landesregierung, Polizei und Kommune, die Bekämpfung des rechten Terrors mit höchster Priorität zu behandeln. Der Staatsschutz der Polizei hat bereits Ermittlungen aufgenommen, nachdem in Cottbus mehrere Straftaten im Zusammenhang mit rechtsextremem Gedankengut registriert wurden. Neben dem antisemitischen Schriftzug und dem Hakenkreuz an der Synagoge gab es auch Berichte über eine Leuchtfackel, die in ein alternatives Wohnprojekt geworfen wurde, sowie Drohungen gegen einen engagierten Studentenpfarrer.
Ein Klima der Angst
Die Situation in Cottbus ist kein Einzelfall. Engagierte Gruppen berichten von zunehmenden Einschüchterungsversuchen durch Rechtsextreme. Bereits im Jahr 2025 gab es wiederholt Angriffe mit Pyrotechnik auf das alternative Wohnprojekt «Zelle 79», was die Besorgnis in der Bevölkerung weiter verstärkt. Die Dunkelziffer antisemitischer Vorfälle ist hoch; laut dem Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) wurden zwischen 2019 und 2023 in Deutschland insgesamt 13.654 antisemitische Vorfälle registriert. Besonders alarmierend ist, dass 44 Prozent dieser Vorfälle einen klar erkennbaren politischen Hintergrund aufweisen.
Von den 13.654 registrierten Vorfällen wurden 2.284 Fälle, also 17 Prozent, dem Rechtsextremismus zugeordnet. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Rechtsextremismus der häufigste politische Hintergrund antisemitischer Vorfälle ist. Es gab sogar sechs Fälle extremer antisemitischer Gewalt, darunter der Anschlag auf die Synagoge von Halle im Jahr 2019. Diese Vorfälle sind nicht nur Zahlen, sie sind dramatische Zeugnisse einer Gesellschaft, die sich gegen Hass und Intoleranz wappnen muss.
Ein Aufruf zur Solidarität
Die bevorstehende Demonstration in Cottbus ist ein wichtiger Schritt, um ein Zeichen gegen den erstarkenden Rechtsextremismus zu setzen. Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg und ihre Unterstützer zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollen. In Zeiten, in denen der Hass zu wachsen scheint, ist es entscheidend, dass die Zivilgesellschaft zusammensteht und für ein respektvolles Miteinander eintritt. Jeder kann Teil dieser Bewegung sein, denn die Stärke einer Gemeinschaft zeigt sich in ihrer Fähigkeit, gegen Unrecht zusammenzustehen.
Die gesellschaftlichen Umstände, die zu einem Anstieg antisemitischer Vorfälle führen, sind vielschichtig. So spielen unter anderem die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine und die Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 eine Rolle. Es ist an der Zeit, dass wir uns gemeinsam gegen diese Entwicklungen stemmen und für eine offene, tolerante Gesellschaft kämpfen.