Bildung unter Druck: Lehrkräfte in Brandenburg wehren sich gegen Mehrarbeit
Heute ist der 19.05.2026 und in Lichtenberg brodelt es im Bildungssystem Brandenburgs. Acht Lehrkräfte haben sich zusammengetan, um gegen die Einführung einer zusätzlichen Unterrichtsstunde pro Woche zu klagen. Das Ganze ist aufgrund der finanziellen Zwänge im Doppelhaushalt 2025/2026 entstanden – ein finanzieller Engpass, der nicht nur die Lehrkräfte betrifft, sondern auch die Schüler und deren Familien. Rund 60% der Lehrkräfte in Brandenburg sind von dieser Regelung betroffen, während Förderschulen, Berufsschulen und soziale Brennpunktschulen ausgenommen sind. Das ist ein ganz schön harter Brocken, den die Lehrkräfte da verdauen müssen.
Die Klagen werden an verschiedenen Verwaltungsgerichten im Land eingereicht. Die Bildungsgewerkschaft GEW Brandenburg hat bereits im vergangenen November eine Normenkontrollklage am Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingereicht. Dabei betont der GEW-Vorsitzende Günther Fuchs, dass man sich auf keine Einigung freuen sollte – die Lehrkräfte müssen mit 90 Minuten Mehrarbeit pro Woche rechnen. Das sind 45 Minuten zusätzlichen Unterricht und 45 Minuten zur Vorbereitung. Ob das wirklich eine Verbesserung für das Bildungssystem darstellt, bleibt abzuwarten, denn ein Urteil zu dieser Klage steht noch aus.
Die Reaktion der Verbände
Der Brandenburgische Pädagogen-Verband plant ebenfalls eine Klage und äußert sich kritisch zu den angekündigten Erleichterungen, die nicht wirklich helfen würden. Verbandspräsident Hartmut Stäker bringt es auf den Punkt: Lehrkräfte arbeiten mehr für das gleiche Geld. Das sorgt natürlich für Unmut unter den Betroffenen, die sich fragen, wie lange sie das noch durchhalten können. Das Ministerium hat zwar einige Entlastungen angekündigt – wie das Wegfallen von Lernentwicklungsgesprächen in den ersten und zweiten Klassen oder die Abschaffung der Pflicht zur Facharbeit in neunten Klassen – doch die Frage bleibt: Ist das genug?
Ein Blick auf den nationalen Bildungsbericht 2024 zeigt, dass das Bildungssystem in Deutschland stark belastet ist. Mangel an Personal und unzureichende Finanzierung werden als Hauptprobleme identifiziert. Auch die soziale Ungleichheit im Bildungssystem wird deutlich. Der Bericht, der alle zwei Jahre erstellt wird, hebt hervor, dass es einen signifikanten Anstieg der Kinder gibt, die ohne Abschluss die Schule verlassen – im Jahr 2022 waren das rund 52.300 Jugendliche. Das sind erschreckende Zahlen, die einfach nicht ignoriert werden können.
Ein Aufruf zur Veränderung
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht den Bericht als Weckruf für die Politik. Sie fordert mehr Unterstützung für benachteiligte Kinder und Bildungseinrichtungen in schwierigen Lagen. Es ist kein Geheimnis, dass soziale Bildungsungleichheiten bereits in der frühen Kindheit entstehen. Kinder mit Migrationshintergrund haben es oft noch schwerer, da sie seltener frühkindliche Betreuungseinrichtungen besuchen. Irgendwie kommt es einem vor, als würde das Bildungssystem mit einem Fuß im Abgrund stehen.
Investitionen in Bildung steigen zwar – in den letzten zehn Jahren um 46 % auf 264 Milliarden Euro im Jahr 2022 – doch die Situation bleibt angespannt. Die Fachkräftesituation ist schwierig, besonders in Kitas und Schulen. Bis 2035 wird eine anhaltende Personallücke in Westdeutschland erwartet. Und 12 % der neu eingestellten Lehrkräfte waren 2022 Seiteneinsteiger ohne klassische Lehramtsausbildung. Das lässt einen schon über die Zukunft der Bildung nachdenken.
Es ist an der Zeit, dass die Politik nicht nur redet, sondern wirklich handelt. Die Herausforderungen sind groß, und die Lehrkräfte sowie die Schüler verdienen endlich die Unterstützung, die sie brauchen. Vielleicht sind diese Klagen der erste Schritt in die richtige Richtung – oder sie sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir werden sehen, wie sich die Situation entwickelt.
