Das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin öffnet vom 12. bis 14. September 2023 für eine dreitägige Besucherveranstaltung, die viele Möglichkeiten zur Erkundung bietet. Die Öffnungszeiten sind optimal gestaltet: Am 12. September von 17 bis 22 Uhr, am 13. September von 10 bis 22 Uhr und am 14. September von 10 bis 19:30 Uhr. Besonders bemerkenswert ist die Öffnung von Saal 2, der zuvor geschlossen war. Diese Gelegenheit könnte die letzte sein, das ICC im Originalzustand zu besichtigen, da die Stadt Berlin gegenwärtig nach einem neuen Besitzer für die Immobilie sucht. In der ersten Stunde nach Freischaltung der Freikarten wurden über 700.000 Aufrufe auf der Website des ICC verzeichnet, wobei lediglich 30.000 Tickets verfügbar sind. Geplant sind verschiedene Aktivitäten, darunter Architekturführungen, Filmvorführungen, Yoga- und Cycling-Sessions sowie Lichtschwert-Workshops. Auch die Pullman Lounge wird geöffnet sein, um die Besucher zu verpflegen.

Das ICC, erbaut im Jahr 1975 und eröffnet am 2. April 1979, gilt als das teuerste Bauwerk West-Berlins mit Baukosten von knapp einer Milliarde D-Mark. Während seiner Blütezeit etablierte es sich als das größte Tagungszentrum Europas mit Kapazitäten für bis zu 5.000 Gäste und diente als Drehort für Hollywood-Filme wie „The International“ und „Das Bourne Ultimatum“. Es war zudem Schauplatz der ersten UN-Klimakonferenz im Jahr 1995. Allerdings musste das ICC im April 2014 endgültig schließen, nachdem es aufgrund verschlissener technischer Anlagen und Asbestfunden nicht mehr rentabel war. In der Folge diente das Gebäude von 2015 bis 2017 als Unterkunft für Geflüchtete und wurde während der Corona-Pandemie als Impfzentrum genutzt. Derzeit plant Berlin die Übergabe des ICC an private Investoren, und ein Konzeptwettbewerb zur Nachnutzung läuft bis Sommer 2026.

Nachhaltigkeitsinitiativen und zukünftige Projekte

Im Hinblick auf die Zukunft des ICC führt Roland Böving eine Initiative zur Umgestaltung des Gebäudes und strebt die Schaffung einer Klimahülle an, die das ICC energieautark machen und mit dem nahegelegenen Charlottenburg durch einen Park verbinden soll. Der Vorschlag, der unter dem Namen „grünes Tor nach Berlin“ gilt, gewinnt Unterstützung von verschiedenen politischen Akteuren und der Architektin Ursulina Schüler-Witte, wobei das ICC seit September 2019 auf der Berliner Denkmalschutzliste steht. Der Messebetrieb im ICC, welcher jährlich rund zwei Millionen Euro an Unterhaltskosten verursacht, bekräftigt die Notwendigkeit für eine nachhaltige Lösung, da der Messe-Chef Christian Göke betont, dass das ICC in seiner aktuellen Form schlecht für das Geschäft sei und Berlin dringend eine Kongressfläche benötige.

Die vorgeschlagene Klimahülle, inspiriert vom Eden Project in Cornwall, soll aus ETFE-Membranen bestehen und eine natürliche Belüftung ermöglichen. Bereits 200 Millionen Euro sind für die Sanierung bereitgestellt, inklusive 45 Millionen Euro für die Erneuerung der Klimatechnik. Diese Maßnahmen sind Teil eines umfassenderen Plans zur Klimaneutralität des Gebäudes, der auch die Bereitstellung von Ressourcen selbstständig vorsieht. Ein Senatsbeschluss existiert bereits zur Überdeckelung der Stadtautobahn im Bereich des ICC. Die Finanzierung könnte analog zu Projekten wie dem Stadtschloss durch Sponsoren erfolgen.

Kritik und Perspektiven

Die öffentliche Meinung über das ICC ist geteilt; einige fordern sogar den Abriss des Gebäudes. Böving hingegen hebt den Erhalt des ICC als bedeutendes Bauwerk der 70er Jahre hervor. Die energetische Ertüchtigung soll zudem ökologisch sinnvoll sein, um die CO2-Emissionen im Bausektor zu reduzieren. In diesem Kontext gewinnt nachhaltiges Bauen zunehmend an Bedeutung. Initiativen wie die der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen stellen Leitfäden zur Bewertung von Gebäuden zur Verfügung, bei denen ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte berücksichtigt werden. Denkmalgeschützte Gebäude wie das ICC haben besondere Anforderungen an die Erhaltung ihrer Substanz und Erscheinung. Die Diskussion über ressourcenschonende Renovierungen und den Erhalt der Baukultur wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen und könnte zur Förderung der kulturellen Identität Berlins beitragen.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren