In Berlin, wo die Kunst und die Geschichte Hand in Hand gehen, findet heute ein spannendes Event statt: Der Vortrag „Kunst und Künstler im Lützowviertel 1830–1930“ beginnt um 19 Uhr. Prof. Dr. Paul Enck, ein Stadtforscher mit einem Faible für die kreativen Ecken der Stadt, wird uns in die faszinierende Welt des Lützowviertels entführen. Das Viertel, einst als Schöneberger Vorstadt bekannt, war zwischen 1830 und 1930 ein Zentrum für Künstler und Kulturschaffende. Hier, nördlich des Landwehrkanals, wurden wohlhabende Sammler von teurer Kunst angezogen, und zahlreiche Atelierhäuser, Malschulen und Auktionshäuser trugen zur lebendigen Szene bei.

Was für eine Zeit! Künstler wie Fritz Stuckenberg, dessen Werk „Lesendes Mädchen“ von 1912 als Beispiel genannt wird, prägten das Viertel. Doch wie so oft in der Geschichte, wurde das rege Kulturleben irgendwann zurückgedrängt. Institutionen siedelten sich an, und die kreative Freiheit, die das Viertel einst auszeichnete, schwand. Der Vortrag findet im Haus des Vereins Berliner Künstler (VBK) am Schöneberger Ufer 57 statt – ein Ort, der selbst eine große Bedeutung in der Berliner Kunstszene hat.

Diskussion und Jam Session

Am nächsten Tag, dem 27. Oktober, wird die Diskussion „Wer bezahlt die Kunst? Institutionen, Macht und Öffentlichkeit“ um 18 Uhr im Foyer des Konzertsaals der UdK Berlin stattfinden. Dr. Carsten Brosda und Prof. Dr. Christoph Möllers werden sich mit diesem brisanten Thema auseinandersetzen, moderiert von den erfahrenen Prof. Dr. Markus Hilgert und Prof. Marion Hirte. Fragen über die Finanzierung und den Einfluss von Institutionen auf die Kunst werden hier sicherlich aufgeworfen; das ist ein heißes Eisen, das wir alle irgendwie schon einmal angefasst haben.

Und dann, am 28. Oktober, gibt es eine Jam Session im SEXAUER. Ab 20 Uhr moderiert von Ida Baier und Clara Thadea, wird der Abend mit Drinks und Snacks von Kongobraun/Fingerlickin versüßt – das klingt einfach nach einer gelungenen Mischung aus Musik und Geselligkeit, oder? Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung von Kerim Seiler statt, die sicherlich auch einen spannenden Blick auf die aktuelle Kunstszene wirft.

Klangmeditation und Performance

Am 29. Oktober um 20 Uhr wird es dann besonders atmosphärisch: Eine Klangmeditation und Konzert-Session mit Sarmen Almond im Grünen Salon der Volksbühne. Sein neues Album „No More Medication“ verspricht eine Reise durch Klangmeditation und Körpererfahrung – das klingt fast schon nach einer Auszeit vom hektischen Alltag. Und am 1. November wird die Performance „0=45 ALIVE 2026“ von Gissauro und Analivia Cordeiro im KinoKiosk, im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, das letzte Highlight dieser Reihe sein. Diese Performance findet im Rahmen der Finissage der Ausstellung „Analivia Cordeiro. Computer Dance. attaque[e]r le visible“ statt – ein Titel, der schon allein neugierig macht.

Kulturgeschichte des Tiergartenviertels

Das Tiergartenviertel hat eine bewegte Geschichte. 1928 galt es als „vornehmes Wohnviertel“, durchzogen von Mode und Kunst. Bis zum Nationalsozialismus war das kulturelle Leben hier blühend, mit vielen bedeutenden Künstlern und Kunsthändlern, die das Viertel prägten. Heute ist von diesem Reichtum nicht mehr viel übrig geblieben, aber dank eines Forschungsprojekts der Kunstbibliothek wird die Kunstgeschichte des Viertels seit 2022 wieder ins Licht gerückt. Eine Vortragsreihe beleuchtet die enge Vernetzung dieser kreativen Nachbarschaft, kuratiert von Dr. Joachim Brand. Der Eintritt? Frei! Anmeldung? Nicht nötig!

Es ist also eine spannende Zeit für Kunstfreunde in Berlin. Von der lebendigen Vergangenheit des Lützowviertels bis hin zu den aktuellen Veranstaltungen – die Stadt zeigt sich einmal mehr als ein pulsierendes Zentrum für Kunst und Kultur.