Heute, am 29. Oktober 2026, ist es soweit: Das Berliner Abgeordnetenhaus versammelt sich zu seiner konstituierenden Sitzung. Knapp sechs Wochen nach der Wahl, die am 20. September stattfand, wird die neue Zusammensetzung des Parlaments offiziell. Ein spannender Moment für die Berliner Politik, denn die Linke hat sich als stärkste Kraft etabliert und hat damit das Vorschlagsrecht für das Präsidentinnenamt.

Die Sitzung beginnt heute um 10 Uhr, wie immer unter der Leitung des ältesten Mitglieds, in diesem Fall Kurt Wansner von der CDU. Der 78-Jährige wird diese wichtige Veranstaltung eröffnen und hat die Aufgabe, die Wahl der Parlamentspräsidentin zu leiten. Die Linke hat Hendrikje Klein aus Lichtenberg nominiert, die nicht nur die erste Frau aus Ostdeutschland im Präsidentenamt wäre, sondern auch die erste Politikerin der Linken, die diese Position einnimmt. Klein, die seit 2016 im Abgeordnetenhaus sitzt und zuletzt im Untersuchungsausschuss zur Fördergeldaffäre tätig war, hat sich bereits zu Wort gemeldet und betont, dass sie Debatten Raum geben möchte – und der Ton müsse stimmen. Ein frischer Wind in der Berliner Politik!

Wahl und Verantwortung

Die Wahl von Hendrikje Klein ist jedoch nicht garantiert. Die Abgeordneten entscheiden in der Sitzung über ihre Wahl, und ob die notwendigen Mehrheiten zustande kommen, bleibt abzuwarten. Die Präsidentin oder der Präsident hat die wichtige Aufgabe, das Abgeordnetenhaus nach außen zu vertreten, Plenarsitzungen zu leiten und auf die Einhaltung der Geschäftsordnung zu achten. Ein nicht zu unterschätzender Job, der viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Für die beiden Vizepräsidentenämter haben die CDU und die AfD ebenfalls Kandidaten ins Rennen geschickt. Cornelia Seibeld, die bisherige Parlamentspräsidentin, möchte für die CDU antreten, während Martin Trefzer von der AfD zum ersten Mal das Vorschlagsrecht für einen Vizepräsidenten in Berlin hat. Die anstehenden Wahlen versprechen also Spannung und möglicherweise auch Überraschungen.

Ein Blick in die Zukunft

Es wird jedoch nicht nur um die Personalwahlen gehen. Die Sitzung ist auch der Startschuss für organisatorische Entscheidungen, die den regulären Parlamentsbetrieb vorbereiten. Dabei ist zu beachten, dass die Zusammensetzung des Präsidiums nicht gleichbedeutend mit der Bildung einer neuen Landesregierung ist. Hierfür müssen gesonderte politische Verfahren durchlaufen werden. Die veränderten Kräfteverhältnisse werden in Zukunft auch die Ausschussvorsitze, parlamentarischen Initiativen und die Kontrolle des Senats betreffen.

Die Übertragung der Sitzung erfolgt live durch rbb|24, was sicher viele Berliner vor den Bildschirm zieht. Die Besucherplätze sind bereits vollständig vergeben – keine Chance auf einen Platz vor Ort, was die Vorfreude auf die Entwicklungen nur steigert. Wie gesagt, heute wird ein bedeutender Tag in der Berliner Politikgeschichte – und wir sind gespannt, wie sich alles entwickeln wird.