Heute ist der 29.10.2026 und in Berlin dreht sich viel um die Themen Duldung und Ausreisepflicht. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Situation nach wie vor angespannt ist. Ende September lebten in Deutschland 200.601 Menschen mit einer Duldung. Gleichzeitig waren 256.873 Personen ausreisepflichtig. Das ist ein beachtlicher Anteil, denn Geduldete sind im Grunde genommen ausreisepflichtig, können aber aus verschiedenen Gründen nicht abgeschoben werden – sei es wegen familiärer Umstände, fehlender Ausweisdokumente oder gesundheitlicher Probleme. Und das ist alles andere als einfach.

Eine Duldung ist immer befristet, was bedeutet, dass die Unsicherheit ständig mitschwingt. Interessanterweise lebten Ende 2022 noch rund 248.000 Menschen mit einer Duldung in Deutschland, was einen Rückgang zur Folge hatte. Dieses Phänomen wurde unter anderem dem Chancenaufenthaltsrecht zugeschrieben, das am 31. Dezember 2022 in Kraft trat und für Menschen gedacht war, die seit mindestens fünf Jahren in Deutschland geduldet, gestattet oder mit Aufenthaltserlaubnis leben. Diese Regelung ermöglichte es vielen, für 18 Monate auf Probe zu bleiben und gegebenenfalls ein dauerhaftes Bleiberecht zu erlangen. Doch nicht alle erfüllten die Voraussetzungen, und das ist ein echtes Dilemma.

Die Zahlen steigen wieder

Nun, wo wir uns in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 befinden, zeichnet sich ein neuer Trend ab: Rund 45.000 Menschen erhielten 2026 erstmals eine Duldung. Darunter befinden sich etwa 13.460 Minderjährige. Die Situation wird zusätzlich kompliziert durch die Tatsache, dass seit Mitte Juni 2026 mehrere Länder, einschließlich Ägypten und die Türkei, als sichere Herkunftsländer gelten. Für Asylbewerber aus diesen Ländern gilt ein Beschäftigungsverbot. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!

Die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat hat die Regelungen zur Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung als zu kompliziert kritisiert. Sie fordert mehr Planungssicherheit für die Betriebe und einen gesicherten Aufenthalt für Menschen, die hier arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren wollen. Selbst die SPD-Abgeordneten schließen sich dieser Forderung an und haben neue Bleiberechtsmöglichkeiten für gut integrierte ausländische Arbeitskräfte ohne sicheren Aufenthaltsstatus ins Spiel gebracht. Irgendwie scheint sich also etwas zu bewegen, aber ob das ausreicht, bleibt fraglich.

Wer ist ausreisepflichtig?

Doch wer genau gilt eigentlich als ausreisepflichtig? Das sind abgelehnte Asylbewerber, ausländische Studierende, Arbeitnehmer und Touristen mit abgelaufenem Visum. Ein Großteil der Ausreisepflichtigen, etwa 77 Prozent, sind Personen mit einer Duldung. Sie müssen das Land verlassen, können aber aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht abgeschoben werden. Das klingt nach einem echten Schlamassel, wenn man bedenkt, dass bis zum 30. Juni 2026 die Zahl der ausreisepflichtigen Personen bei 258.845 lag. Knapp 60 Prozent davon waren abgelehnte Asylbewerber, was die Dringlichkeit des Themas unterstreicht.

Die Zahl der Ausreisepflichtigen sank zwischen 2022 und 2024, aber seit 2025 stieg sie wieder an. Das ist ein bisschen wie eine Achterbahnfahrt. Ein Grund für den Anstieg könnte das Auslaufen des Chancenaufenthaltsrechts sein. Zudem hatten viele, die einen Chancenaufenthalt beantragen konnten, nicht die nötigen Voraussetzungen erfüllt. Eine Duldung kann zwar aus humanitären, formellen oder organisatorischen Gründen erteilt werden, aber sie bleibt immer eine vorübergehende Lösung. Die Unsicherheit bleibt, besonders für die, die schon lange hier leben.

Ein Blick in die Zukunft

Schaut man auf die Prognosen, wird die Situation weiterhin herausfordernd bleiben. Ende 2024 lebten voraussichtlich rund 221.000 ausreisepflichtige Ausländer in Deutschland, von denen etwa 179.000 geduldet sind. Das sind erschreckende Zahlen! Das Chancen-Aufenthaltsrecht, das Geduldeten ein dauerhaftes Bleiberecht ermöglichen sollte, hat zwar seine Erfolge, aber die Regelungen sind nach wie vor komplex und nicht für alle zugänglich. In einer Zeit, in der die Asyl- und Migrationspolitik so stark diskutiert wird, ist es wichtig, die menschlichen Geschichten hinter diesen Zahlen zu erkennen. Denn letztlich sind es Menschen, die hier leben, arbeiten und versuchen, ein neues Leben zu beginnen.