Am Mittwochmorgen, als die Sonne noch zaghaft über Berlin aufging, wurde das Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin (FU) zum Schauplatz eines lebhaften Protests. Studierende versperrten die Eingänge mit Bauzäunen, Mülltonnen und allerlei anderen Gegenständen. Transparente, die an den Wänden flatterten, kündigten an, dass hier nicht nur eine Blockade stattfand, sondern ein lautstarker Aufruf zur Veränderung. „Gen Z regelt“ war die Initiative, die hinter diesem Aufbegehren steckte, und sie hatten einiges auf dem Herzen.

Die Protestierenden, mehr als 80 an der Zahl, äußerten ihren Unmut über die Militarisierung und Aufrüstung des Landes, lehnten die Wehrpflicht entschieden ab und forderten die Rücknahme von Sozialkürzungen, die dem Bildungssystem zu schaffen machen. Eine Teilnehmerin erläuterte eindringlich, dass die Proteste aus Frankreich wie ein Virus in Deutschland um sich greifen würden. „Die Situation an den Universitäten ist katastrophal“, klagte sie, während im Hintergrund das Lied „Stop the Genocide“ des Rappers Dahabflex dröhnte. Die Zeilen übergewaltige Themen, die auch die tanzenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer widerspiegelten – eine Mischung aus Protest und Solidarität, die in der Luft lag.

Solidarität über Grenzen hinweg

Die FU reagierte auf die Blockade mit einer gewissen Gelassenheit. „Friedlicher Protest ist willkommen, solange er gewaltfrei bleibt“, hieß es von der Universitätsleitung. Um den Lehrbetrieb aufrechtzuerhalten, wurden die Lehrenden gebeten, ihre Veranstaltungen digital abzuhalten. Doch die Situation war angespannt. An diesem Tag fielen nicht nur Tutorien am Otto-Suhr-Institut aus, sondern auch im Osteuropa-Institut wurde der Lehrbetrieb lahmgelegt. Der Druck auf die Studierenden war enorm, denn die Kürzungen bei den Landesmitteln für Berliner Universitäten sind erheblich: 2026 fehlen der FU ganze 42,4 Millionen Euro!

Die Studierenden trugen oft Kufiyas, ein Zeichen der Solidarität mit Palästinensern und Kurden, während einige sich mit schwarzen Schlauchschals vermummten. Politisch links orientierte Gruppen prägten den Protest und ließen keinen Zweifel daran, dass sie für kritische Lehre und gegen eine Militarisierung Deutschlands eintreten. Eine Studentin berichtete, dass am Otto-Suhr-Institut Stellen gestrichen werden sollten, die für kapitalismuskritische Theorien zuständig waren. Ein verheerender Verlust für die Vielfalt der Lehre.

Die Lage an den Hochschulen

Die Blockade war Teil einer bundesweiten Mobilisierung; auch in Leipzig und Hamburg ertönten ähnliche Rufe nach Veränderung. Bilder von blockierten Hochschulen in diesen Städten kursierten in den sozialen Medien. Die Studierenden von „Gen Z regelt“ riefen zudem zu einem bundesweiten Protest am 31. Oktober auf, um ihrer Forderung nach einer ausreichenden Finanzierung von Hochschulen Nachdruck zu verleihen. Sie forderten nicht nur die Rücknahme der Kürzungen, sondern auch ein Ende der „Komplizenschaft mit Kriegsverbrechen“. Ein Teilnehmer machte deutlich, dass nicht die Studierenden, sondern die Kürzungen die Beschäftigten langfristig ausschließen würden. Hochschulgremien könnten hier nicht helfen; es sei höchste Zeit, dass sich die Landespolitik ändere.

Bis zum Abend hatte sich die Blockade endgültig aufgelöst. Die Studierenden räumten die Gegenstände weg und verließen das Gelände des Otto-Suhr-Instituts. Doch die Frage blieb: Was wird der nächste Tag bringen? Ist der Protest nur ein kurzer Aufschrei oder der Anfang einer breiteren Bewegung? Die Ungewissheit schwebte in der Luft, während die FU weiterhin die Situation beobachtete. Eines ist jedoch sicher: Die Stimmen der jungen Generation werden nicht so schnell verstummen.