Dunkle Machenschaften im Online-Dating: Frank S. verurteilt wegen sexueller Gewalt gegen Frauen
Es ist ein düsteres Kapitel in der Berliner Justizgeschichte, das sich in den letzten Monaten entfaltet hat. Das Landgericht Berlin hat den 69-jährigen Frank S. zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Ein Urteil, das für viele Betroffene und deren Angehörige eine Art Gerechtigkeit darstellt, auch wenn der Schmerz und das Trauma, die er hinterlassen hat, nicht so leicht zu heilen sind. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst 13 Jahre gefordert, wobei auch eine anschließende Sicherungsverwahrung in den Raum gestellt wurde. Diese wird nun ebenfalls zur Anwendung kommen.
Die Anklage gegen S. ist schwerwiegend. Zwischen 2016 und 2022 soll er mindestens 14 Frauen, allesamt zwischen 50 und 60 Jahren alt, sediert, vergewaltigt und dann gefilmt haben. Besonders erschreckend ist, dass er die Aufnahmen später mit anderen Männern teilte. Der gelernte Elektriker suchte seine Opfer gezielt über Onlinedating-Plattformen, gab sich dabei als Polizeikommissar oder Bundeswehrpilot aus und lockte die Frauen in seine Wohnung. Dort mischte er ihnen Betäubungsmittel in die Getränke und verging sich an ihnen, während sie teilweise bewusstlos waren.
Ein Prozess voller Grauen
Der Prozess, der fast drei Monate dauerte, umfasste insgesamt 22 Taten. In neun Fällen wurde S. zusätzlich wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch die unbefugte Anfertigung von Filmaufnahmen verurteilt. Sechs Frauen traten als Nebenklägerinnen auf und schilderten, wie sie erst durch die Polizei von den Vergewaltigungen erfuhren. Eine Ermittlerin sprach von einer „extremen Entmenschlichung“, die im Umgang mit den Opfern evident wurde, und das Gericht war, so der Richter, aufgrund der Beweise überzeugt, dass die Taten wie in der Anklage geschildert stattgefunden hatten.
Ein weiterer Aspekt, der das Ausmaß von S.s Taten unterstreicht, ist die Zahl der mutmaßlichen Opfer. Die Staatsanwaltschaft geht von insgesamt 59 Frauen aus, die ohne ihr Wissen Opfer seiner Machenschaften wurden. Nach den aktuellen Ermittlungen sind 45 weitere mögliche Opfer identifiziert worden, was darauf hindeutet, dass wir es hier mit einem weitreichenden Netzwerk zu tun haben könnten. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes bezeichnete den Fall als kein Einzelphänomen und wies auf ähnliche Fälle hin. Der Begriff „chemische Unterwerfung“ wird verwendet, um die Machtausübung und die systematische Ausbeutung von Frauen zu beschreiben.
Demonstrationen und gesellschaftlicher Widerstand
Am Rande des Prozesses demonstrierten Dutzende Frauen und Männer gegen sexuelle Gewalt und die sogenannte „chemische Unterwerfung“. Die Initiative „Die Scham muss die Seite wechseln“ hatte eine Kundgebung mit anschließender Demonstration vor dem Kriminalgericht Moabit organisiert. Diese Form des Protests spiegelt die Wut und den Unmut wider, die in der Gesellschaft über solche Vergehen herrschen. Es ist ein Zeichen, dass man nicht mehr schweigen will, dass die Frauen, die leiden mussten, Gehör finden müssen.
Der Fall Frank S. hat nicht nur die Justiz in Berlin beschäftigt, sondern wirft auch ein grelles Licht auf die dunklen Seiten des Online-Datings. Die Anonymität des Internets kann nicht nur Verbindungen schaffen, sondern auch gefährliche und traumatische Begegnungen hervorrufen. Die Ermittler waren auf S. aufmerksam geworden, nachdem in Niedersachsen ein Mann wegen ähnlicher Vorwürfe festgenommen worden war und Chatverläufe mit S. gefunden wurden. Dies zeigt, dass das Problem weit über individuelle Taten hinausgeht und Teil eines größeren Netzwerks von Tätern ist, die sich über Betäubungsmittel und sexuelle Gewalt austauschen.
Wie es weitergeht? Ein größerer Prozess könnte in absehbarer Zeit folgen, wenn weitere Anklagen erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft wartet zunächst den Eintritt der Rechtskraft des aktuellen Urteils ab. Es bleibt abzuwarten, wie viele weitere betroffene Frauen noch zu Wort kommen werden und welche Maßnahmen ergriffen werden, um solche Taten in Zukunft zu verhindern. Eines ist sicher: Die Gesellschaft muss aufwachen und gegen diese schrecklichen Vergehen kämpfen.
