Am 15. Mai 2023 wird in Berlin-Kreuzberg ein bewegendes Ereignis stattfinden, das die Stadt in den Bann ziehen wird. Der palästinensische Gedenktag der Nakba, was so viel wie „Katastrophe“ bedeutet, erinnert an die Flucht und Vertreibung von Hunderttausenden Palästinensern im Jahr 1948. Rund 1000 Teilnehmer haben sich für die Demonstration angemeldet, und die Polizei plant, mit einer ähnlichen Anzahl von Beamten präsent zu sein. Der Aufzug trägt den Titel „Schluss mit der Besatzung Palästinas – 78 Jahre Al Nakba“ und wird vom Oranienplatz über den Kottbusser Damm bis zum Südstern führen. Eine ursprünglich geplante Route über die Sonnenallee wurde nach Gesprächen zwischen den Organisatoren und der Polizei geändert.
Ein Gegenprotest des Zionistischen Bündnisses Berlin wird ebenfalls für den Nachmittag angekündigt, mit 50 angemeldeten Teilnehmern. Der Nakba-Tag ist nicht nur ein Datum im Kalender, sondern ein tief verwurzeltes Symbol für den Verlust und die Trauer, die viele Palästinenserinnen bis heute erleben. Während die einen für die Rückkehr vertriebener Palästinenserinnen und den Wiederaufbau Gazas kämpfen, wird die Nakba-Erzählung von einigen als antisemitisch kritisiert. Sie wird oft als Mittel genutzt, um Israel zu delegitimieren.
Proteste und Sicherheitslage
Die Sicherheitsbehörden haben das „Vereinigte Palästinensische Nationalkomitee“ (VPNK) in Verbindung mit Anhängern von PFLP und Hamas gebracht. In der Vergangenheit kam es bei Nakba-Demonstrationen immer wieder zu Ausschreitungen, und auch in diesem Jahr wird die Polizei mit einem wachsamen Auge auf die Geschehnisse blicken. In den Jahren 2022 und 2023 wurden diese Demonstrationen sogar verboten, was als rechtmäßig erachtet wurde. Doch 2023 soll die Demonstration „wie geplant stattfinden“, und die Polizei hält die Teilnehmerzahl für realistisch.
Ein Bild, das sich in vielen Köpfen festgesetzt hat, zeigt einen palästinensischen Mann mit einer Kufiya und einem Schlüssel – ein starkes Symbol für die Vertreibung von 1948. Die Demonstration wird von linken Gruppen wie dem „Internationalistischen Bündnis“ und „Falastin Resists“ unterstützt, die nicht nur auf die humanitäre Krise hinweisen, sondern auch fordern: ein umfassendes Waffenembargo, die strafrechtliche Verfolgung von Kriegstreibern und eine Umstellung der Rüstungsproduktion auf zivile Zwecke. Kritik an der Rolle Deutschlands wird ebenfalls laut – „Deutschland gibt diplomatisch Rückendeckung und liefert Waffen“, heißt es in den Aufrufen.
Ein Blick über die Grenzen
Die Nakba-Demonstration in Berlin ist nicht das einzige Ereignis in Deutschland, denn auch in Städten wie Hamburg und Leipzig sind weitere Versammlungen zum Nakba-Gedenken geplant. Ein Bus fährt am Donnerstagmorgen vom Haus der Statistik in Berlin nach Hamburg zum „Bridges of Resistance“-Camp und zur Demo. Das Camp musste allerdings aufgrund einer kurzfristigen Untersagung in den Sternschanzenpark umziehen – ein weiteres Beispiel für die angespannten Verhältnisse rund um diese Proteste.
Diese Demonstrationen sind ein Ausdruck des Wunsches nach Gerechtigkeit und Veränderung. Die Geschichten und Erinnerungen, die am Nakba-Tag lebendig gehalten werden, sind nicht nur Teil der palästinensischen Identität, sondern auch ein Teil der Diskussion über Frieden und Verständigung im Nahen Osten. In einer Stadt wie Berlin, die bereits viele Facetten des politischen und sozialen Lebens beherbergt, wird auch diese Demonstration ein weiteres Kapitel im fortwährenden Dialog über Identität und Gerechtigkeit darstellen.