Heute ist der 28.05.2026 und in Friedrichshain-Kreuzberg brodelt die politische Landschaft. Ein geplantes 100 Meter hohes „Holzhochhaus“ in der Schöneberger Straße am Anhalter Bahnhof sorgt für ordentlich Zündstoff. Vor wenigen Tagen hat die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) das Projekt abgelehnt – und das mit einer Abstimmung, die man als chaotisch bezeichnen könnte. Baustadtrat Florian Schmidt von den Grünen hatte das Bauvorhaben als Vorzeigeprojekt präsentiert, doch die Linke und die SPD waren gegen die Pläne.

Die Abstimmung selbst war ein wahrhaftiges Spektakel: Mehrere Pausen, Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und eine letzte Vertagung durch die Grünen-Fraktion während der laufenden Abstimmung – das Ganze stieß auf Skepsis seitens der Linken. Die CDU hat sich in dieser hitzigen Debatte komplett enthalten, was die Gemüter weiter erhitzte. Der Projektentwickler, die UTB Projektmanagement GmbH, beschreibt das „Wohnhochhaus“ (WoHo) als „Geschenk an die Stadt“. Man darf gespannt sein, ob das Gebäude, das mit Bauwerken in London und Wien verglichen wird, jemals das Licht der Welt erblickt.

Das geplante WoHo – Ein Blick in die Details

Das WoHo soll nicht nur ein architektonisches Highlight werden, sondern auch eine soziale Mischung bieten. Geplant sind 150 Wohnungen auf 18.000 Quadratmetern Nutzfläche, wobei fast 90 Prozent der Wohnungen gefördert werden sollen. 50 dieser Wohnungen müssen mietpreisgebunden sein, mit einer Nettokaltmiete von 6,50 Euro pro Quadratmeter – ein Ansatz, der in der Stadt dringend benötigt wird. Aber das ist noch nicht alles: Der Entwurf sieht im Sockelbereich des Wohnturms soziale Einrichtungen wie eine Kita, einen Hort und eine Kiezkantine vor. Zudem ist ein „Schwimmbad für Alle“ geplant – ein Punkt, der von der Linken und der SPD als fragwürdig angesehen wird.

Das Projekt ist jedoch noch in der Schwebe, da es sich im Bebauungsplanverfahren befindet. Eine Fertigstellung wäre frühestens ab 2026 möglich. Und hier kommt das große Aber: Zweifel an der Realisierbarkeit des Holzbaus, insbesondere wegen der benötigten Holzmenge und der steigenden Rohstoffpreise, machen die Runde. Thomas Bestgen, der Projektentwickler, kann nicht garantieren, dass das Gebäude tatsächlich aus Holz errichtet wird, da dies von der Baurechtsvergabe abhängt.

Politisches Getümmel und Anwohnerproteste

Die politische Unterstützung für das Projekt ist gemischt. Während Florian Schmidt das WoHo als Pilotprojekt mit Leuchtturmcharakter sieht, äußert SPD-Vertreter John Dahl Skepsis gegenüber der Idee eines gemischten Quartiers in vertikaler Form. Anwohner wiederum haben Einwände zu Abstandsflächen und Verschattung geäußert. Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich die Stadtentwicklungspolitik in Kreuzberg bewegt.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Da stehen also innovative Ideen und soziale Ansprüche auf der einen Seite, während auf der anderen Seite politische Widerstände und praktische Herausforderungen lauern. In dieser Stadt, wo der Platz für Wohnraum immer knapper wird und die Stimmen der Bürger lauter werden, bleibt abzuwarten, wie sich das Schicksal des WoHo entwickeln wird. Eines ist sicher: Die Diskussionen sind noch lange nicht zu Ende.