Heute ist der 27.05.2026 und wir blicken zurück auf eine der ersten Volksschwimmhallen Berlins, die Schwimmhalle Weinstraße in Friedrichshain. Gegründet im Januar 1973, war sie nicht nur ein Ort zum Schwimmen, sondern auch ein Symbol für den sozialistischen Fortschritt in der DDR. Hier, in der Weinstraße 9, lebte die Gemeinschaft auf – Kinder lernten das Schwimmen und Erwachsene fanden Entspannung in der Sauna und dem Fitnessraum. Ein echtes Stück Berliner Geschichte, das bis zur Schließung im Jahr 2000 Generationen prägte.
Mit einer Badefläche von 312,5 Quadratmetern und einem zentralen Wasserbassin von 25 Metern war die Halle eine Oase für Schwimmbegeisterte. Eintrittspreise von einer Mark für Erwachsene und 50 Pfennig für Kinder – das waren Preise, die man sich leisten konnte! Bis 1977 erlernten etwa 350.000 Kinder hier das Schwimmen. Was für ein Vermächtnis!
Vom Pionierbau zur Ruine
Der öffentliche Schwimmbetrieb musste 2000 aufgrund von Baumängeln eingestellt werden. Ein Jahr später war die Halle dann endgültig geschlossen. Legionellenbefall und Baufälligkeit waren die finalen Stiche, die diesem einst so lebhaften Ort den Garaus machten. Der Verfall setzte ein. Vandalismus und Natur holten sich die Schwimmhalle, die bis zum Abriss im Frühling 2007 das Bild einer traurigen Ruine abgab. Ein Ort, der einst von fröhlichem Lachen und Spritzwasser erfüllt war, verwandelte sich in eine stille Erinnerung an bessere Zeiten.
Im März 2007 kam dann das endgültige Aus – die Schwimmhalle wurde abgerissen, und an ihrer Stelle entstand ein Aldi-Discounter mit Parkplatz. Komischerweise ist heute nicht mehr viel von der ehemaligen Schwimmhalle zu sehen, und die Erinnerungen an den Ort verblassen langsam. Nur die älteren Anwohner können sich noch an die Zeiten erinnern, als hier das Leben pulsierte.
Ein Stück DDR-Moderne
Die Schwimmhalle Weinstraße war nicht nur ein Freizeitort, sondern auch ein Beispiel für die Architektur der DDR-Moderne. Die Bauzeit betrug etwa ein Jahr, und die Eröffnung wurde von hochrangigen Vertretern der DDR begleitet. Sie war ein Typ C „Barcelona“, was sie zu einem besonderen Bauwerk machte. In den 70er-Jahren war sie ein Teil des sozialistischen Fortschritts, der in Ostberlin gefeiert wurde. Die Halle war ein Ort der Begegnung, des Sports und der Erholung – ein Stück Heimat für viele.
Doch wie es oft so ist: Zeit vergeht. Wo einst Kinder sprangen und sich die Erwachsenen entspannten, stehen heute Einkaufswagen und Regale. Ein bissl melancholisch ist das schon. Aber so ist das Leben in der Stadt, oder? Es bleibt nie stehen, es verändert sich ständig.
Die Geschichte der Schwimmhalle Weinstraße ist ein Spiegel der Zeit und der Gesellschaft, die sie hervorgebracht hat. Erinnerungen verblassen, doch die Geschichten bleiben. Und wer weiß, vielleicht wird eines Tages auch diese Geschichte wieder aufleben, in Form eines neuen Ortes, der die Menschen zusammenbringt – ganz egal, ob unter Wasser oder über Wasser.
