Heute ist der 15.05.2026 und ich sitze hier in Friedrichshain-Kreuzberg, um über ein Thema zu berichten, das für viele von uns von Bedeutung ist: Gehaltstransparenz in Deutschland. Wer schon einmal auf Jobsuche war, kennt das Dilemma: Man durchforstet Stellenanzeigen, findet eine interessante Position, aber das Gehalt bleibt im Dunkeln. Nur etwa 12,5 Prozent der Stellenanzeigen in Deutschland enthalten eine konkrete Gehaltsangabe. Das ist nicht nur frustrierend, sondern wirkt auch wie ein großer Wurf ins Blaue – gerade für diejenigen, die auf der Suche nach einem neuen Job sind.

Eine Analyse von Indeed zeigt, dass Deutschland hier tatsächlich eines der Schlusslichter in Europa ist. Mit einem Blick über die Grenzen hinweg sieht man, wie es anders geht: In Großbritannien geben 56 Prozent der Stellenanzeigen Gehaltsinformationen an, gefolgt von den Niederlanden mit 48 Prozent und Frankreich mit 43 Prozent. Man fragt sich, warum hierzulande die Offenheit so stark variiert. Vor allem in bestimmten Berufsfeldern wie der Architektur, wo nur magere 6 Prozent der Anzeigen Gehälter angeben, wirkt das eher wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Auch in der IT ist die Situation nicht viel besser – nur 5 Prozent der Unternehmen sind bereit, ihre Gehälter offenzulegen.

Der Weg zur Entgelttransparenz

Ein Lichtblick ist die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Diese Richtlinie soll nicht nur Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern verringern, sondern auch eine fairere Bezahlung insgesamt gewährleisten. Arbeitgeber werden in Zukunft verpflichtet sein, Gehaltsspannen in ihren Stellenanzeigen anzugeben. Das klingt gut, aber es bleibt abzuwarten, wie konsequent dies umgesetzt wird.

Interessant ist, dass die Offenheit der Gehaltsangaben in Deutschland einen Rückgang von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet hat. Das wirft Fragen auf. Gehalt ist für viele Job-Suchende ein entscheidendes Kriterium, und dennoch scheinen viele Unternehmen in alte Muster zurückzufallen. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Lisa Feist von Indeed hat darauf hingewiesen, dass die offene Gehaltskommunikation in Zeiten des Fachkräftemangels zwar zugenommen hat, doch die vielen Branchen, in denen Transparenz fehlt, sind überwältigend.

Branchen im Blick

Wenn wir uns die Branchen genauer anschauen, wird deutlich, dass besonders die Reinigungsdienste mit 35 Prozent und die Sicherheitsbranche mit 23,5 Prozent etwas offener sind. Im Gegensatz dazu hat die wissenschaftliche Forschung mit 5,3 Prozent oder die Pharmazie mit 5,2 Prozent das Nachsehen. Hier scheint die Bereitschaft zur Transparenz eher gering zu sein. Es ist ein bisschen ironisch, denn schließlich könnte mehr Offenheit dazu führen, dass sich die besten Talente für diese Berufe entscheiden.

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Die EU-Richtlinie, die bereits im Juni 2023 in Kraft trat, soll Transparenz über Gehälter vor der Beschäftigung schaffen. Arbeitgeber dürfen Bewerber nicht nach ihrer Gehaltsentwicklung bei früheren Jobs fragen, was in der Vergangenheit oft zu Ungerechtigkeiten führte. Stattdessen müssen die Kriterien für die Gehaltsfestlegung objektiv und geschlechtsneutral sein. Das sind alles Schritte in die richtige Richtung, aber der Weg ist noch lang.

Insgesamt bleibt die Frage, ob sich in Deutschland tatsächlich etwas verändern wird, oder ob wir weiterhin in einer Gehaltsnebelwand leben müssen. Die kommenden Jahre könnten entscheidend sein, um zu zeigen, ob die Unternehmen bereit sind, ihre Türen zu öffnen und damit auch die Gehälter auf den Tisch zu legen. Ein bisschen mehr Klarheit würde nicht schaden – für alle Beteiligten.