Erste Ausstellung zu kolonialem Widerstand eröffnet: Ein Blick zurück!
Am 25. Oktober 2025 wurde im Museum Treptow, im historischen Rathaus Johannisthal, die Dauerausstellung „zurückgeschaut | looking back“ eröffnet. Diese Ausstellung thematisiert die Geschichte und die tiefgreifenden Nachwirkungen der „Ersten Deutschen Kolonialausstellung“, die vom 1. Mai bis 15. Oktober 1896 im Treptower Park stattfand. Die Eröffnung markiert einen bedeutenden Schritt in der Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte, die lange Zeit im öffentlichen Diskurs unterrepräsentiert war.
Die „Erste Deutsche Kolonialausstellung“ war ein zentrales Ereignis in der Globalgeschichte Berlins und involvierte verschiedene Akteure aus Politik, Wirtschaft, Kirchen sowie ethnologische und naturwissenschaftliche Museen. Besonders entwürdigend war die Völkerschau, bei der 106 Menschen aus den deutschen Kolonien vor einem Millionenpublikum ausgestellt wurden, ohne dass viele von ihnen die Tragweite ihrer Darstellung erkannten. Diese Menschen, zu denen auch Kwelle Ndumbe aus Kamerun gehörte, wehrten sich zum Teil gegen ihre Rolle, die ausschließlich der Bedienung rassistischer Stereotype diente.
Einblick in die Biographien der Azubis
Die Ausstellung „zurückgeschaut | looking back“ legt ihren Fokus auf die Biographien und den Widerstand dieser 106 Kinder, Frauen und Männer aus Afrika und Ozeanien. Durch die Verdeutlichung der Struktur und des historischen Kontexts der Kolonialausstellung wird der Besucher nicht nur in die Geschichte eingeführt, sondern auch dazu angeregt, sich mit den Folgeerscheinungen dieser Vergangenheit auseinanderzusetzen. Es handelt sich hierbei um die erste Dauerausstellung in einem öffentlichen Berliner Museum, die sich explizit mit Themen wie Kolonialismus, Rassismus und Schwarzem Widerstand beschäftigt.
Der Projektverbund Dekoloniale Erinnerungskultur in der Stadt hat in Kooperation mit den Museen Treptow-Köpenick diese Ausstellung initiiert, die sowohl ein Ort der Erinnerung als auch ein Raum für Diskussionen über Rassismus und die aktuelle koloniale Debatte in Deutschland sein soll. Die Ausstellung ist für das Publikum kostenlos und erfordert keine vorherige Anmeldung.
Kolonialgeschichte im aktuellen Diskurs
Das gestiegene Interesse an der deutschen Kolonialgeschichte spiegelt sich auch in der breiten akademischen Auseinandersetzung zu diesem Thema wider, die an Universitäten zu verzeichnen ist. Koloniale Themen sind im öffentlichen Diskurs zunehmend präsent, insbesondere in Debatten über die Umbenennung von Straßennamen und die Relevanz des Humboldt-Forums. Diese Entwicklungen stellen eine Reaktion auf die gesellschaftlichen Veränderungen und Deutschlands Rolle in der Welt dar.
Die Geschichte der Erinnerung an den deutschen Kolonialismus zeigt, dass kollektive Gedenken ein nicht nur nationales, sondern ein transnationales Phänomen ist, das durch diverse Akteure aus ehemaligen Kolonien und anderen Ländern geprägt wird. Die Erinnerungspolitik hat dabei verschiedene Phasen durchlaufen, angefangen bei kolonialrevisionistischen Ansätzen bis hin zu breiter kritischen Diskussion seit dem Ende des Kalten Krieges.
Die Ausstellung im Museum Treptow bietet somit nicht nur einen umfassenden Blick auf die koloniale Vergangenheit, sondern trägt auch zur aktuellen Debatte über Rassismus und koloniale Erinnerung bei, die in Deutschland und darüber hinaus von zunehmender Bedeutung ist.
Die Öffnungszeiten der Dauerausstellung sind Montag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, Freitag von 9 bis 14 Uhr sowie am Wochenende von 14 bis 18 Uhr.
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