Cottbus setzt Gedenktafel für Minderjährige und Sklavin Machbuba!
Am 9. Juli 2025 wurde in Cottbus eine Gedenktafel für Bilillee Machbuba eingeweiht, die als Minderjährige und Sklavin des Fürsten Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau, besser bekannt als Fürst Pückler, in die Geschichte einging. Die Tafel wurde im Rahmen des Projekts „Frauenorte“ installiert und befindet sich an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU). Ziel dieses Projekts ist es, auf das Leben bedeutender Frauen in Deutschland aufmerksam zu machen, deren Geschichten oft im Schatten der Geschichte stehen, wie im Artikel von rbb24 berichtet.
Bilillee Machbuba wurde circa 1825 in Abessinien, dem heutigen Äthiopien, geboren. Sie war die Tochter und Schwester von Mitgliedern des Oromo-Volkes. Im Jahr 1836 wurden ihre Eltern ermordet, und sie wurde gefangen genommen und versklavt. Im darauf folgenden Jahr, 1837, wurde sie auf einem Sklavenmarkt in Kairo oder Khartum verkauft und erwarb durch Pückler einen besonderen Status als seine „Geliebte“, was im Arabischen „Machbuba“ bedeutet. Pückler, selbst 52 Jahre alt und auf einer mehrjährigen Reise, nahm sie mit auf eine dreijährige Reise durch Ägypten, Österreich und schließlich nach Muskau.
Eine tragische Lebensgeschichte
Wie die Informationen der Webseite Frauenorte zeigen, erhielt Bilillee Machbuba während ihrer Zeit bei Pückler sowohl besondere Aufmerksamkeit als auch die Möglichkeit zur Bildung. Sie lernte Italienisch, Schreiben und Rechnen, avancierte sogar zur Buchhalterin für Pückler, als dieser erkrankte. Diese episodische Aufmerksamtkeit geschah jedoch vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen strukturellen Gewalt und der sexuellen Ausbeutung, die viele Sklavinnen erfuhren.
Mit etwa 15 oder 16 Jahren kam Bilillee schließlich in Muskau an, war schwer krank und starb nur sechs Wochen später, nachdem sie bei Pückler gelebt hatte. Tragischerweise unternahm sie mehrere Selbstmordversuche aufgrund der schrecklichen Umstände, die sie erlebt hatte. Vor ihrem Tod soll sie einem sorbischen Pfarrer 120 Oromo-Lieder aus ihrer Kindheit vorgetragen haben. Ihr Leben bleibt von vielen Unbekannten umgeben, und Pückler war nicht einmal zu ihrem Begräbnis anwesend, da er zu diesem Zeitpunkt in Berlin war.
Kritische Auseinandersetzung mit kolonialer Geschichte
Die Gedenktafel soll nicht nur an Bilillee Machbuba erinnern, sondern auch zur kritischen Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit und der europäischen Erinnerungspolitik anregen. Die BTU-Präsidentin Gesine Grande hebt hervor, wie wichtig es ist, sich mit der kolonialen Geschichte auseinanderzusetzen und die Geschichten der Frauen in den Vordergrund zu rücken. In und um Cottbus existieren bereits drei weitere Gedenkorte, die weibliche Biografien würdigen.
Die erforschte Geschichte der Sklaverei, wie sie von der Bundeszentrale für politische Bildung dargelegt wird, zeigt die verheerenden Auswirkungen des Sklavenhandels und das damit verbundene Leiden. Dies ist nicht nur eine Frage der Vergangenheit, sondern wirkt bis in die heutige Zeit nach, da die Nachwirkungen der Sklaverei noch immer in vielen Gesellschaften spürbar sind und häufig in sozialen Benachteiligungen und Rassismus resultieren.
Mit der Einweihung der Gedenktafel für Bilillee Machbuba wird ein weiterer Schritt unternommen, um vergangene Ungerechtigkeiten zu thematisieren und die Stimmen derjenigen zu hören, die im Laufe der Geschichte zum Schweigen gebracht wurden.
