Ab ins Jrüne! Die Wiederentdeckung des Wilmersdorfer Sees im Schoeler Schlösschen
Im Herzen von Wilmersdorf, genauer gesagt im Schoeler Schlösschen in der Wilhelmsaue 126, hat am 29. Oktober 2026 eine ganz besondere Ausstellung ihre Pforten geöffnet. Die Sonderausstellung mit dem Titel „Ab ins Jrüne! Als Wilmersdorf noch Seebad war“ lässt die Besucher in die faszinierende Vergangenheit des einstigen Wilmersdorfer Sees eintauchen. Ein Ort, der mehr als 100 Jahre lang das Leben der Anwohner prägte, bevor er in Vergessenheit geriet. Der See, der die Seele des Viertels war, bevor der Wilmersdorfer Volkspark das Bild prägte, wird hier in all seiner Pracht und Traurigkeit lebendig gemacht.
Die Ausstellung ist wie ein Zeitreise-Ticket, das die Entwicklung vom Dorfsee über das beliebte Ausflugsziel „Schramms Seebad“ bis hin zur heutigen Parkanlage nachzeichnet. Historische Aufnahmen und Exponate dokumentieren eindrucksvoll den Wandel des Kiezlebens um die Jahrhundertwende. Bei der Eröffnung wurde sogar der historische „Wilmersdorfer Schramm-Marsch“ wiederaufgeführt – eine Polka, die sicher die Herzen vieler Besucher höher schlagen ließ und Erinnerungen weckte. Wer mehr über die bewegte Geschichte des Schramms Seebads erfahren möchte, hat während der Ausstellung die Möglichkeit, an thematischen Führungen durch das älteste erhaltene Wohngebäude Wilmersdorfs teilzunehmen.
Ein Blick in die Geschichte
Der Wilmersdorfer See war nicht einfach nur ein Gewässer; er war ein sozialer Treffpunkt, ein Ort des Vergnügens und der Erholung. In den 1880er Jahren errichtete Otto Schramm eine Badeanstalt, die den Ruf Wilmersdorfs als „Seebad Wilmersdorf“ begründete. Der Tanzpalast Schramm am See wurde schnell zum beliebten Vergnügungszentrum für Berliner und Gäste aus den angrenzenden Stadtteilen. Komischerweise ist es heute schwer vorstellbar, dass das Gebiet rund um die Wilhelmsaue, das heute so grün und friedlich wirkt, einst von sumpfigem Fenn geprägt war, Teil der eiszeitlichen Grunewaldseenkette. Der natürliche Schwarze Graben, der später als Hauptgraben bekannt wurde, wurde 1887 zugeschüttet und damit begann der langsame Niedergang des Sees.
Die Zuschüttung des Sees begann 1915 und war bis 1920 abgeschlossen. Was übrig blieb, ist der westliche Teil des mittleren Volksparks Wilmersdorf, der heute Sportplätze und Freizeitanlagen beherbergt. Diese grüne Oase zwischen Mecklenburgischer Straße, Uhlandstraße und Bundesallee erinnert an die längst vergangenen Tage, als hier noch Wasser plätscherte und das Leben am Ufer in vollem Gange war. Auf dem Gelände der ehemaligen Badeanstalt entstand zwischen 1925 und 1928 der „Schrammblock“, eine Wohnanlage, die heute Teil der Stadtgeschichte ist.
Beteiligen und Forschen
Doch die Ausstellung bietet mehr als nur einen nostalgischen Rückblick. Im Rahmen des „Geschichtsprojekts am Schoeler“, das nach dem Prinzip der Citizen Science funktioniert, können Interessierte aktiv an der Erforschung der Geschichte des Schlösschens mitwirken und sogar an einer Broschüre mitarbeiten. Das erste Treffen findet am 2. November 2026 um 18 Uhr statt – eine tolle Gelegenheit, um ins Gespräch zu kommen und mehr über die lokale Geschichte zu erfahren!
Die Ausstellung ist kostenlos und läuft bis zum 3. März 2027. Wer also noch bis dahin die Chance nutzen möchte, in die faszinierende Welt des Wilmersdorfer Sees einzutauchen und die Geschichten der „Millionenbauern“ und der einst blühenden Freizeitkultur zu entdecken, sollte sich diesen Termin unbedingt vormerken. Schließlich ist es nicht nur eine Ausstellung, sondern ein Stück Heimatgeschichte, das darauf wartet, erzählt zu werden.
