Die Situation in der Hauptstadt Berlin wird immer angespannter. Die Polizei hat angekündigt, die Sondereinheit „Ferrum“, die vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde, bis Sommer 2027 weiter einzusetzen. Diese Entscheidung kommt nicht von ungefähr, denn der Druck auf Schutzgelderpresser und Waffenschieber soll damit erhöht werden. In den letzten Monaten hat sich die Lage bezüglich der Schusswaffendelikte deutlich verschärft. Immer häufiger fällt in den Straßen Berlins der Schuss – und das nicht nur in den bekannten Brennpunkten.

Die Ermittler begründen die Verlängerung des Einsatzes von „Ferrum“ mit dem Umfang der laufenden Verfahren. Für die bereits bekannten Fälle benötigen sie zusätzliche Beamte und mehrere Monate mehr. Bisher hat die Einheit 708 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 77 Haftbefehle erwirkt und bereits 73 scharfe Schusswaffen beschlagnahmt. Der Personalumfang von derzeit 110 Beamten, darunter etwa 25 zentrale Ermittler, richtet sich nach dem aktuellen Fallaufkommen. Die Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte bereits im März eine Verlängerung um sechs Monate angekündigt, und nun scheint sich das Bild weiter zu verdichten.

Ermittlungen und Einsätze

In der Nacht zu Mittwoch wurde ein 31-Jähriger vor einem Lokal in Lichtenrade niedergeschossen – ein weiteres Beispiel für die zunehmende Gewaltausbrüche. In derselben Nacht wurden in Spandau vier Schüsse abgegeben. Vier Männer zwischen 21 und 31 Jahren wurden festgenommen. Die Gewerkschaft der Polizei warnt, dass die hohe Verfügbarkeit illegaler Schusswaffen auch außerhalb fester krimineller Strukturen zu Schussabgaben führt, teilweise sogar bei Auftragsdelikten. Besonders betroffen sind oft Geschäfte türkeistämmiger Gewerbetreibender, die nicht nur Beschuss erleben, sondern auch immer wieder in Brand gesetzt werden. Ermittler vermuten, dass hier Schutzgelderpressungen und Revierkämpfe zwischen Drogen- und Waffenhändlern am Werk sind.

Im Februar 2026 wurde die Ermittlungsgruppe „Telum“ innerhalb der Abteilung für Organisierte Kriminalität der Staatsanwaltschaft gegründet. Diese Gruppe bearbeitet die Verfahren von „Ferrum“ und hat bis Ende September bereits 19 Anklagen erhoben. Auch erste Haftstrafen wurden verhängt, sind allerdings noch nicht rechtskräftig. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte die Berliner Polizei 585 Fälle mit Schusswaffengebrauch – ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. In 65 dieser Fälle wurde mit scharfen Waffen geschossen, was dazu führte, dass 118 Geschädigte verzeichnet wurden, darunter zwei Todesopfer.

Koordinierte Einsätze und Waffenfunde

Die Polizei Berlin und die Staatsanwaltschaft führten am Dienstag einen länderübergreifenden Einsatz durch, der in Berlin und Hamburg stattfand. Hierbei wurden zwölf Objekte durchsucht. Rund 240 Einsatzkräfte waren beteiligt, darunter Ermittler der BAO Ferrum, Spezialkräfte aus verschiedenen Bundesländern sowie Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten. Bei den Durchsuchungen in Hamburg wurden drei scharfe Waffen und rund 1.000 Patronen sichergestellt, zusätzlich zu anderen Beweismitteln. Besonders brisant: Die Ermittlungen richten sich gegen sechs Beschuldigte im Alter von 40 bis 66 Jahren, die anscheinend tief im Waffenhandel verstrickt sind.

Einer der Verdächtigen, ein 40-Jähriger, hatte an seiner Wohnanschrift nicht nur drei scharfe Schusswaffen, sondern auch Bargeld im sechsstelligen Bereich und Goldbarren gelagert. In der Laube eines anderen Verdächtigen wurden rund 850 scharfe Patronen gefunden. Die Dimensionen der Waffenlager, die hier ans Licht kommen, sind erschreckend und zeigen, wie tief verwurzelt das Problem in der Berliner Unterwelt ist.

Waffenkriminalität und ihre Bekämpfung

Laut den Statistiken des Bundeskriminalamts gab es im Jahr 2025 insgesamt 37.475 Verstöße gegen das Waffengesetz. Die Zahlen sind alarmierend, und die Aufklärungsquote von 92,4 % zeigt, dass die Behörden zwar aktiv sind, aber die Herausforderungen enorm bleiben. Insbesondere der illegale Handel und der Schmuggel von Schusswaffen aus Kriegsgebieten stellt eine wachsende Bedrohung dar. Die Polizei hat erkannt, dass die Bekämpfung der Waffenkriminalität vielschichtig ist – von Fälschungen bis hin zu illegalen Umbauten von Schreckschusswaffen.

Die Stadt, die niemals schläft, sieht sich mit einer Realität konfrontiert, die viele Berliner nicht für möglich gehalten hätten. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter, und der Einsatz von „Ferrum“ könnte nur die Spitze des Eisbergs sein. Doch die Hoffnung bleibt, dass mit jedem ergriffenen Maßnahmen der Druck auf die Kriminalität wächst – und die Berliner Straßen bald wieder sicherer werden.