In Berlin, der Stadt, die einst im Schatten der Nazi-Herrschaft lag, wird gegenwärtig ein bemerkenswerter Rückblick auf die filmische Geschichte geworfen. Die Komödie „Eine auswärtige Affäre“ (1948) von Billy Wilder bildet den Auftakt einer faszinierenden Filmreihe, die den Einfluss jüdischer Filmschaffender im Exil thematisiert. Diese Retrospektive, die anlässlich von Wilders 120. Geburtstag ins Leben gerufen wurde, ist Teil der Reihe „Von Berlin nach Hollywood“, die von der Urania und dem Centrum Judaicum organisiert wird.

Der Film beginnt mit einem eindrucksvollen Bild: Ein Flugzeug der US-Army fliegt über ein zerbombtes Berlin. Die Passagiere, darunter Besucher aus Washington, kommentieren die Zerstörung und die Schrecken der Nazi-Herrschaft. Inmitten dieser Kulisse spielt Marlene Dietrich die Rolle der Erika von Schlütow, einer ehemaligen Nazi-Cafésängerin, die ebenso verführerisch wie gefährdet ist. Ihre Balladen verleihen dem Film eine melancholische Note und erinnern an die schmerzlichen Erinnerungen der Vergangenheit. Dietrich war bekannt für ihre komplexe Beziehung zu Hitler und Goebbels, doch in dieser Rolle zeigt sie eine skeptische Haltung, die den Zuschauer zum Nachdenken anregt.

Ein Blick hinter die Kulissen

Wilder selbst war 1945 von den Eindrücken Berlins inspiriert, als er die Trümmerstadt sah. Bei den Dreharbeiten wurde auch dokumentarisches Material integriert, das das Leben in Berlin nach dem Krieg zeigt. Diese Mischung aus Fiktion und Realität verleiht „Eine auswärtige Affäre“ eine besondere Tiefe. An der Seite von Dietrich brillieren Jean Arthur und John Lund in den Hauptrollen. Die Handlung dreht sich um Kapitän John Pringle, der zwischen der faszinierenden Erika und der amerikanischen Kongressabgeordneten Phoebe Frost hin- und hergerissen ist. Phoebe, die 1947 nach Berlin kommt, um die Moral der amerikanischen Besatzungstruppen zu untersuchen, wird schnell mit der Korruption und den moralischen Dilemmata konfrontiert, die das Nachkriegsleben prägen.

Die Dreharbeiten fanden sowohl in der sowjetischen Besatzungszone als auch in Hollywood statt, und der Film hatte seine Premiere am 30. Juni 1948 im Paramount Theatre in New York City. Mit Nominierungen für mehrere Academy Awards, darunter die beste Schwarz-Weiß-Kameraführung, wird „Eine auswärtige Affäre“ als ein bedeutendes Werk der Filmgeschichte anerkannt. Dabei bleibt nicht unerwähnt, dass Wilder kurz zuvor seinen einzigen Dokumentarfilm „Die Todesmühlen“ für die US-Army drehte, in dem er sich mit den Grauen des Kriegs auseinandersetzte.

Filmreihe „Von Berlin nach Hollywood“

Die bevorstehende Filmreihe „Von Berlin nach Hollywood“ wird nicht nur die Werke von Billy Wilder beleuchten, sondern auch die von anderen jüdischen Emigranten wie Vicki Baum, deren Romane in Hollywood adaptiert wurden. Die Filme „Menschen im Hotel“ und „Hotel Berlin“ sind ebenfalls Teil der Retrospektive und thematisieren das Leben in Berlin vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ziel dieser Reihe ist es, die Kontinuitäten zwischen Berlin und Hollywood sichtbar zu machen und deren Einfluss auf die Filmgeschichte zu reflektieren.

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Die Auftaktveranstaltung findet am Dienstag, den 17. März 2026, um 19.30 Uhr in der Urania Berlin statt. Darüber hinaus wird eine begleitende Ausstellung vom 17. März bis 10. Mai 2026 zu sehen sein, die weitere Einblicke in die Geschichte der jüdischen Filmschaffenden bietet. Nach jeder Filmvorführung sind moderierte Diskussionen mit Kulturschaffenden wie Knut Elstermann geplant, die den Dialog über die kulturellen und historischen Verflechtungen zwischen Berlin und Hollywood anregen sollen.

Insgesamt bietet die Filmreihe nicht nur einen Blick auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Herausforderungen und Errungenschaften jüdischer Künstler, die im Exil eine neue Heimat fanden. Sie lädt dazu ein, sich mit der komplexen Geschichte Berlins und seiner filmischen Erzählungen auseinanderzusetzen und die Wurzeln der heutigen Filmkultur zu erkunden.