Stromsicherheit im Wandel: Berlins Weg zur resilienten Infrastruktur
Im pulsierenden Herzen Berlins, wo alte und neue Geschichten in einem bunten Mosaik zusammenfließen, hat der Senat ein ehrgeiziges Vorhaben ins Leben gerufen: den Schutz des Stromnetzes und anderer kritischer Infrastrukturen weiter auszubauen. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hat nach einer jüngsten Senatssitzung die ersten Schritte in diese Richtung angekündigt, und die Vorhaben sind alles andere als trivial. Es geht nicht nur um Strom, sondern um die grundlegendste Versorgung der Hauptstadt.
Zu den geplanten technischen Maßnahmen zählen unter anderem die Installation von Videokameras an neuralgischen Punkten, die nicht nur im Inneren der Stadt, sondern auch im öffentlichen Raum platziert werden sollen. Hier kommen auch moderne Technologien zum Einsatz: Künstliche Intelligenz wird zur frühzeitigen Erkennung möglicher Angriffe herangezogen. Wärmebildkameras, Bewegungs- und Erschütterungssensoren sollen dabei helfen, ein wachsames Auge auf die Sicherheit des Stromnetzes zu richten. Ein besonders spannendes Detail ist die geplante Verlegung von Stromleitungen unter die Erde – das klingt nach einer zukunftsfähigen Lösung, auch wenn die Umsetzung ihre Zeit in Anspruch nehmen wird.
Der lange Weg zur Sicherheit
Obwohl bereits 99 Prozent des Berliner Stromnetzes unterirdisch verläuft, bleibt ein hartnäckiges Prozent, das sich über 360 Kilometer erstreckt und somit nach wie vor eine potenzielle Angriffsfläche darstellt. Besonders knifflig wird es, wenn es um Wasserübergänge geht, wie beispielsweise Kanäle. Ein Lichtblick war die erfolgreiche erste Bohrung unter der Dahme in Köpenick für Druckrohrleitungen. Es zeigt sich, dass der Weg zur Verbesserung der Infrastruktur oft mit Herausforderungen gepflastert ist, doch die Stadt bleibt entschlossen.
Ein dramatisches Beispiel für die Notwendigkeit dieser Maßnahmen war der Brandanschlag auf eine Kabelbrücke nahe dem Kraftwerk Lichterfelde am 3. Januar 2023. Die Folgen waren verheerend: 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und über 2.000 Gewerbebetriebe waren betroffen und erlebten den längsten Stromausfall in der Berliner Nachkriegsgeschichte. Die Wiederherstellung der Stromversorgung am 7. Januar war nur ein erster Schritt. Daraufhin wurden zahlreiche zusätzliche Schutzmaßnahmen ergriffen – die Erhöhung der Videoüberwachung und des Wachschutzes, der Bau von 20 Kilometern zusätzlichem Zaun an sensiblen Punkten und die Verstärkung vorhandener Zäune sind nur einige davon. Dabei wird ein neuer Zaunstandard von 2,40 Metern Höhe mit Nato-Draht angestrebt, was die Ernsthaftigkeit der Bedrohung unterstreicht.
Ein Paradigmenwechsel in der Sicherheitspolitik
Die Pläne des Senats stehen nicht isoliert da; sie sind Teil eines größeren Trends, der sich in der Sicherheitspolitik abzeichnet. Die bestehenden Anforderungen an den Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS) – die Informationssicherheit, Business Continuity Management (BCM) und physische Sicherheit umfassen – zielen darauf ab, die Wiederherstellungsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit auf spezifische Risikobehandlungen hin zu optimieren. Die Strategien zur Risikominderung beschäftigen sich mit vorhersehbaren Risiken, während Resilienzstrategien darauf abzielen, Systeme zu stärken, sodass sie flexibel auf unerwartete Ereignisse reagieren können.
Ein Paradigmenwechsel von Sicherheit zu Resilienz wird immer deutlicher. Der All-Gefahren-Ansatz, unterstützt durch EU-Richtlinien, zeigt, dass der Fokus nicht nur auf dem Schutz vor Schäden, sondern auch auf der Fähigkeit, sich nach einem Vorfall schnell zu erholen, liegt. In diesem Zusammenhang ist die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft unerlässlich. Vertrauen ist hier das A und O, und das gilt besonders für den Austausch von Informationen zwischen Bundeswehr, Sicherheitsbehörden und der Wirtschaft.
Die Herausforderungen sind vielfältig: Bürokratische Hürden, fehlende Ressourcen für den Kompetenzaufbau und die Notwendigkeit, rechtliche, technische und finanzielle Voraussetzungen für die Detektion von Drohnen zu schaffen, sind nur einige Punkte, die angegangen werden müssen. Der Bund hat die Aufgabe, ein optimales Krisenmanagement zu unterstützen, und das ist eine Mammutaufgabe, die noch viel Arbeit erfordert.
Die Zukunft Berlins in Bezug auf die Energie- und Wasserwirtschaft wird entscheidend davon abhängen, wie gut diese Herausforderungen gemeistert werden. Auf den Schultern der Verantwortlichen lastet eine enorme Verantwortung, denn es geht nicht nur um Strom, sondern um die Sicherheit und das Wohlbefinden der gesamten Stadt. Das große Ganze – die Resilienz der kritischen Infrastrukturen – wird in den kommenden Jahren für Berlin immer mehr an Bedeutung gewinnen.
