In den letzten Wochen ist in Lichtenrade, einem beschaulichen Stadtteil von Berlin, ein gesundheitliches Problem ans Licht gekommen, das die Gemüter der Mieter ordentlich aufwühlt. Die Mieterinitiative Nahariyakiez (MiNa) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Adler Group. In der Nahariya-Siedlung leben rund 800 Menschen, die offenbar unter einem massiven Legionellen-Befall in ihren Wohnungen leiden. Diese Situation hat nicht nur für Unruhe gesorgt, sondern bringt auch ernsthafte Gesundheitsrisiken mit sich, die nicht ignoriert werden können.

Das Gesundheitsamt Tempelhof-Schöneberg hat bereits Befunde für über 50 Häuser vorliegen. Erste Hinweise auf die Legionellen-Belastung in der Groß-Ziethener-Straße 78–82 sind seit dem 12. Dezember 2025 bekannt. Bewohner berichten von gesundheitlichen Beschwerden, darunter asthmaähnliche Symptome bei Kindern und Erwachsenen. Legionellen, diese unliebsamen Süßwasserbakterien, können Krankheiten wie das Pontiac-Fieber oder die Legionärskrankheit auslösen, die im schlimmsten Fall tödlich verlaufen kann. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Maßnahmen und Forderungen der Mieter

Die Situation hat sich weiter zugespitzt: Seit April 2026 gilt ein striktes Duschverbot für alle Bewohner, nachdem ein akuter Legionellenbefall festgestellt wurde. Die Adler Group hat zwar per Hausaushang über die „extrem hohe Kontamination“ informiert, konkrete Messwerte wurden jedoch nicht bereitgestellt. Das wirft Fragen auf – vor allem, wenn man bedenkt, dass Eigentümern bei Verstößen gegen Prüfpflichten Bußgelder von bis zu 50.000 Euro drohen können.

Die Mieterinitiative fordert nun ein umfassendes Maßnahmenpaket: von einer vollständigen Liste der betroffenen Gebäude und Messwerte über eine sichere Wasserversorgung bis hin zu medizinischer Aufklärung und einer Sanierung der Wasser- und Heizsysteme. Auch Sanktionen gegen die Adler Group sowie Schadensersatz für erkrankte Mieter stehen auf der Wunschliste. Eine Mieterumfrage unter mehr als 200 Mietern hat zudem Mängel und Schimmel in allen Häusern ans Licht gebracht. Und die Berichte über undichte Fenster, ausfallende Heizungen und marode Leitungen reißen nicht ab.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen

Die rechtliche Lage ist dabei alles andere als eindeutig. Mieter in Mehrfamilienhäusern haben das Recht, bei nachgewiesenen Legionellen im Trinkwasser eine Mietminderung von bis zu 25 Prozent geltend zu machen. Gerichte haben allerdings entschieden, dass Legionellen einen Mietmangel darstellen, wenn die Gesundheit beeinträchtigt wird. Das bedeutet, dass die Mieter in Lichtenrade hier gut beraten sind, sich rechtlich beraten zu lassen, insbesondere wenn sie von dem Duschverbot betroffen sind.

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Die Trinkwasserverordnung verpflichtet Vermieter, das Trinkwasser in Mehrfamilienhäusern alle drei Jahre auf Legionellen zu prüfen. Doch die Adler Group scheint hier ihrer Verantwortung nicht nachzukommen. Legionellen vermehren sich besonders gut in Wasser zwischen 25 und 55 Grad Celsius – ein Umstand, den die Hausverwaltung offenbar nicht ausreichend beachtet hat. Und das Gesundheitsamt muss bei extrem hohen Werten, ab 10.000 KbE pro 100 Milliliter, sofort informiert werden. Ein Versäumnis, das für die Mieter erhebliche Folgen haben kann.

Die Situation in Berlin-Lichtenrade ist ein eindringliches Beispiel für die Herausforderungen, vor denen viele Mieter in urbanen Räumen stehen. Die Mieter sind nicht nur mit einem gesundheitlichen Risiko konfrontiert; sie kämpfen auch gegen eine unzureichende Kommunikation und Versorgung durch ihre Vermieter. Und während die Adler Group sich nicht zu den Vorwürfen äußert, bleibt zu hoffen, dass die betroffenen Mieter die Unterstützung und Informationen erhalten, die sie dringend benötigen.