Im hinteren Teil des Dreifaltigkeitsfriedhofs in Mariendorf, Berlin, wird es spannend. Hier soll bald, wie aus dem Nichts, eine Wohnbebauung entstehen, die von vier bis acht Stockwerken reicht. Man fragt sich: Ist das wirklich der richtige Platz für Wohnungen? Die Bürgerinitiative Mariendorf-Nord und der Umweltverband BUND Berlin sind da ganz anderer Meinung. Sie setzen sich leidenschaftlich für den Erhalt dieser Grünfläche ein, die nicht nur ein Ort der Ruhe, sondern auch ein wertvolles Erholungsgebiet für die Anwohner ist.

Die Szenerie ist nicht neu. Bereits seit den 2000ern ist die Fläche für Wohnungsbau vorgesehen, und das, weil der Bedarf an Begräbnisorten stark abgenommen hat. Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte entschied sich, die Fläche zu verkaufen, und so plant der Bezirk Tempelhof-Schöneberg nun die Errichtung von Wohnungen und betreutem Wohnen. Ein Bebauungsplan ist allerdings noch nicht beschlossen, und die Anwohner sowie Umweltschützer geben die Fläche nicht kampflos auf. Sogar die CDU hat sich auf die Seite der Bebauungsgegner geschlagen, was in der politischen Landschaft nicht alltäglich ist.

Ein umstrittenes Projekt

Der Grüne Bertram von Boxberg hingegen verteidigt die Pläne und betont, dass ein Drittel der neu entstehenden Wohnungen Sozialwohnungen sein sollen. Ein Schritt in die richtige Richtung? Vielleicht. Anwohner hingegen machen auf einen Schrottplatz in der Nähe aufmerksam, der sich viel besser für den Wohnungsbau eignen würde. Aber da gibt es natürlich auch Skepsis bezüglich der Eigentumsverhältnisse. Das ist ein bisschen wie ein Schachspiel, in dem jeder Zug gut durchdacht werden muss.

Die Anwohner sind aktiv geworden und haben über 1000 Unterschriften gesammelt, um alternative Standorte für den Wohnungsbau zu prüfen. Tillman Wagner, der Geschäftsführer des Friedhofsverbands, hat bereits erklärt, dass die Fläche verkauft wurde und ein „Inklusionscampus“ entstehen soll. Ein ambitioniertes Projekt, das 260 Wohnungen, davon 80 Sozialwohnungen, umfasst und gleichzeitig die Grünflächen aufwerten soll. Bezirksstadträtin Eva Majewski Sparacino (CDU) sieht das Projekt als Gewinn für den Bezirk und hebt den dringenden Bedarf an Wohnraum hervor. Neun Gebäude mit vier bis acht Stockwerken – das klingt nach einer kleinen Stadt im Stadtviertel.

Ein Blick in die Zukunft

Aber was bedeutet das alles im größeren Kontext? Der Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040, den Berlin ins Auge gefasst hat, definiert strategische Leitlinien und Ziele für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Hier geht es um mehr als nur neue Wohnungen. Ein Ziel des Plans ist die Schaffung von 222.000 zusätzlichen Wohnungen, wobei jede zweite Neubauwohnung im gemeinwohlorientierten Wohnungsbau entstehen soll. Dabei wird auch darauf geachtet, den Flächenverbrauch zu minimieren und bereits bebautes oder versiegeltes Land zu nutzen. Die Idee ist es, klimagerechte Quartiere zu entwickeln, die nicht nur Wohnraum bieten, sondern auch Lebensqualität – ein gewaltiger Spagat zwischen Bedarf und Nachhaltigkeit.

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Die Diskussion um den Dreifaltigkeitsfriedhof ist also mehr als nur ein Streit um ein Stück Land. Sie ist Teil einer größeren Debatte über die Art und Weise, wie wir in Zukunft in der Stadt leben möchten. Die Anwohner, die Initiativen und die politischen Entscheidungsträger – sie alle stehen in einem spannenden Dialog, der die Zukunft von Mariendorf und darüber hinaus nachhaltig beeinflussen wird. Man darf gespannt sein, wie sich das Ganze entwickeln wird.