Heute ist der 2.06.2026 und während der International Sex Workers Day in Berlin gefeiert wird, finden im Fuggerkiez spannende Diskussionen über männliche Sexarbeit statt. Inmitten der geschäftigen Straßen und der bunten Atmosphäre trifft man auf Barbetreiber, Aktivisten und auch einige Vertreter der CDU. Klaus Hackenschmied, ein CDU-Politiker, hat sich dazu geäußert, wie er den Zustand des örtlichen Spielplatzes empfindet – als „Angstraum“. Das lässt einen aufhorchen, denn was hat ein Spielplatz mit der Sexarbeit zu tun? Nun, die Toiletten dort wurden nicht nur einmal, sondern gleich zweimal in Brand gesetzt und scheinen ein beliebter Treffpunkt für Drogenhandel und andere dunkle Geschäfte zu sein.

Aber es gibt auch eine andere Seite der Medaille. Kolja Nolte, ein Anwohner und selbst Sexworker, widerspricht vehement den Vorwürfen, die Prostitution habe hier das Sagen. Seit 13 Jahren ist er im Geschäft und sieht die Dinge etwas differenzierter. Viele seiner Kollegen, die ebenfalls im Fuggerkiez tätig sind, kommen aus Rumänien oder Bulgarien und verdienen oft weit weniger als in den glamourösen Escort-Diensten. Tatsächlich beschreibt Kolja die Situation als Teil eines „Niedrigpreissegments der Prostitution“. Sommerzeit bedeutet, dass die Sexarbeiter potenzielle Kunden direkt auf der Straße ansprechen, während sie in der kalten Jahreszeit oft in Bars auf Kunden warten.

Die Stricherbars und ihre Bedeutung

Man könnte meinen, dass die Schließung der legendären Tabasco Bar, die im März zum letzten Mal ihre Türen öffnete, das Aus für das schwule Nachtleben im Kiez bedeutet. Aber das ist nicht ganz die Wahrheit. Uli Menze, Betreiber des Tabasco, hat die Doppelmoral in der Gesellschaft gegenüber käuflichem Sex kritisiert. „Nicht alle Bars sind mit Drogen und Kriminalität in Verbindung zu bringen“, sagt er und bringt damit einen wichtigen Punkt auf den Tisch. Stricherbars sind für viele marginalisierte Männer nicht nur Arbeitsorte, sie sind auch soziale Treffpunkte, wo man sich trifft, wo man Schutz und Unterstützung findet – auch wenn sie gleichzeitig mit den Risiken von Gewalt und Ausbeutung verbunden sind, wie Adir Jan Tekîn von HILFE-FÜR-JUNGS anmerkt.

Ein weiteres Element, das nicht außer Acht gelassen werden darf, ist die zunehmende Digitalisierung der männlichen Sexarbeit. Die Online-Plattformen haben neue Herausforderungen mit sich gebracht, die Kolja nicht ignorieren kann. „Wenn gesetzliche Maßnahmen gegen Prostitution ergriffen werden, könnten die, die im Niedrigpreissegment arbeiten, in riskantere Situationen gedrängt werden“, warnt er. An dieser Stelle wird deutlich, wie komplex die Thematik ist – und wie wichtig es ist, dass die Stimmen der Betroffenen gehört werden.

Beratung für Neueinsteiger

Wer sich als Neuling in diesem Bereich orientieren möchte, hat die Möglichkeit, Beratung in Anspruch zu nehmen, wie sie von erfahrenen Beraterinnen angeboten wird. Die Beratung ist in Deutsch und Englisch verfügbar und kann auf Anfrage auch mit Sprachmittlung ergänzt werden. Themen wie Tipps für Neueinsteiger im Escort-Bereich, Vor- und Nachteile der Arbeit mit Agenturen im Vergleich zur Selbstständigkeit, sowie Fragen zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz werden hier behandelt. Wer Interesse hat, kann sich einfach per E-Mail oder WhatsApp anmelden.

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In den Gesprächen, die heute im Fuggerkiez stattfinden, wird klar, dass die Realität der Sexarbeiter vielschichtig und oft von Vorurteilen geprägt ist. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen Selbstbestimmung und den Herausforderungen, die das Geschäft mit sich bringt. Ein Raum, in dem viele Geschichten erzählt werden – Geschichten, die gehört werden sollten.