Im Herzen von Berlin-Schöneberg hat sich ein Sturm zusammengebraut. Gropyus, ein Pionier im Holzbau und bekannt für sein Engagement im seriellen Bauen, steht vor der Herausforderung, mehrere Tochtergesellschaften in die Insolvenz zu schicken. Es ist ein Schlag ins Gesicht für die Bauindustrie, die ohnehin schon unter Druck steht. Die Unternehmensgruppe hat offiziell bekannt gegeben, dass sie Insolvenzanträge stellen muss – ein Schritt, der aus einem akuten Liquiditätsengpass resultiert. Die versprochene Investorenfinanzierung wurde nicht ausgezahlt, und die bestehenden Gesellschafter konnten den Finanzierungsbedarf nicht für alle Tochterfirmen abdecken.

Doch es gibt Hoffnung. Die Gropyus AG selbst bleibt von den Insolvenzen unberührt, und die Insolvenzverfahren sollen nicht das Ende, sondern einen geordneten Rahmen schaffen. Die Unternehmensführung hat bereits Sanierungs- und Finanzierungskonzepte in der Schublade. Die Gründer, Markus Fuhrmann und Philipp Erler, die Gropyus 2019 ins Leben riefen, sehen den aktuellen Schritt als Möglichkeit, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und neue Finanzierungslösungen zu implementieren. „Das ist ein Schritt zur Sicherung der bestehenden Substanz und zur Neuausrichtung des Unternehmens“, erklärt Erler.

Auf der Suche nach frischem Kapital

Die Lage ist prekär, das muss man ganz klar sagen. Gropyus hat in den letzten Jahren stark in eine hochautomatisierte Fertigung und seine Technologieplattform investiert. Damit wurde ein solider Auftragsbestand aufgebaut, der jedoch durch die aktuellen finanziellen Engpässe gefährdet ist. Der Bau von mindestens zwei Wohngebäuden in Berlin für die Vonovia-Tochter Buwog steht ebenfalls auf der Kippe. Vonovia selbst ist ein strategischer Investor von Gropyus und hat in den letzten Jahren mehrere Finanzierungsrunden unterstützt – allein 2023 flossen 100 Millionen Euro in die Kassen des Unternehmens.

Während die Gespräche mit bestehenden und neuen Kapitalgebern bereits weit fortgeschritten sind, bleibt abzuwarten, welche Folgen die Liquiditätsprobleme für Vonovia haben. Diese hatte jüngst die Erwartungen für die nahe Zukunft gedämpft und höhere Finanzierungskosten sowie schleppende Wohnungsverkäufe angegeben. Das könnte sich auch auf die geplante Entschuldung des Unternehmens auswirken. Das ist ein Teufelskreis, der viele in der Branche betrifft.

Bauwirtschaft unter Druck

Die Bauindustrie in Deutschland steht nicht erst seit gestern unter Druck. Hohe Bau- und Finanzierungskosten, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren und politische Unsicherheiten – das sind nur einige der Faktoren, die die Branche belasten. Von 2020 bis 2025 sank die Zahl der jährlich genehmigten Wohnungen um rund 35 Prozent. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass 2025 insgesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland registriert wurden, ein Anstieg von 10,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Baugewerbe allein wurde 2025 eine Insolvenzdichte von 104 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen festgestellt – das ist alarmierend.

Die Situation könnte sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen. Die Baupreise steigen, und die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen sinkt kontinuierlich. In einem Markt, der ohnehin schon von Unsicherheiten geprägt ist, bleibt abzuwarten, wie viele Unternehmen den Kopf über Wasser halten können. Gropyus hat angekündigt, über wesentliche Fortschritte in den kommenden Wochen zu informieren. Doch die Frage bleibt: Ist das genug, um die Wogen zu glätten, oder sehen wir bald noch mehr Insolvenzen in der Branche?