Der 2. Juni 1967 markiert einen tiefgreifenden Wendepunkt in der deutschen Geschichte, insbesondere in der Geschichte der Studentenbewegung. An diesem Tag wurde der Student Benno Ohnesorg in Charlottenburg durch einen Schuss eines Polizisten, Karl-Heinz Kurras, in den Kopf getötet. Dieser tragische Vorfall geschah während einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien, Reza Pahlavi, in Berlin, die sich gegen die Menschenrechtsverletzungen im Iran richtete. Ohnesorg hatte an einem kritischen Vortrag über diese Themen teilgenommen und entschloss sich, seine Stimme zu erheben und gegen den Schah zu protestieren.
Inmitten von über 5.000 Polizisten, die im Einsatz waren, um den Schah zu schützen, eskalierte die Situation schnell. Die Demonstranten, die mit Anti-Schah-Transparenten auf die Straße gingen, forderten mehr als nur die Achtung der Menschenrechte; sie wollten eine grundlegende Veränderung der politischen Verhältnisse in Deutschland. Der Konflikt zwischen den Demonstranten und der Polizei führte dazu, dass Ohnesorg um 20:50 Uhr im Krankenwagen abtransportiert wurde, wo er an einer Schädelfraktur starb. Zunächst gab die Polizei an, dass er im Krankenhaus verstarb, und entfernte ein Stück seines Schädels als vermeintlichen Beweis. Dies führte zu einem politischen Skandal, der Rücktritte von hochrangigen Beamten zur Folge hatte.
Die Folgen der Tragödie
Der Tod von Benno Ohnesorg wird als Beginn der „68er-Jahre“ in Deutschland angesehen, einer Zeit, die von intensiven Studentenprotesten und einer politischen Radikalisierung geprägt war. Die Gewalt, die an diesem Tag zwischen Polizei und Demonstranten ausbrach, stellte eine Zäsur dar. Kurras, der als Stasi-Agent enttarnt wurde, wurde in zwei Prozessen freigesprochen, trotz falscher Aussagen von Polizisten. Ein drittes Verfahren, das 2009 eingeleitet wurde, brachte jedoch keine neuen Ergebnisse. Die Erinnerung an Ohnesorg blieb jedoch lebendig; so schuf der Künstler Alfred Hrdlicka 1971 ein Relief zu seinem Gedenken, das erst 1990 ausgestellt wurde. Zudem legte die Berliner Polizei 2007, 40 Jahre nach seinem Tod, erstmals einen Kranz nieder.
Der Kontext rund um diese Ereignisse ist essentiell für das Verständnis der politischen Unruhen in Deutschland zu dieser Zeit. Anfang der 1960er-Jahre war die Gesellschaft bereits angespannt. Steigende Inflation und Arbeitslosigkeit prägten den Alltag, während die politische Landschaft durch Skandale wie die Wahl von Heinrich Lübke zum Bundespräsidenten, trotz seiner Nazi-Vergangenheit, erschüttert wurde. Die Studenten forderten nicht nur Reformen in der Hochschulbildung, sondern auch ein Ende des Vietnamkriegs und die Stopp atomarer Aufrüstung. Viele von ihnen waren vom „Sozialistischen Deutschen Studentenbund“ (SDS) inspiriert, der sich gegen die alten Strukturen wandte und ein neues, antiautoritäres Denken propagierte.
Die Radikalisierung der Studentenbewegung
Die Proteste, die durch Ohnesorgs Tod ausgelöst wurden, radikalisierten sich rasch. Die Außerparlamentarische Opposition (APO) entstand und nutzte kreative Protestformen wie „Go-ins“, „Sit-ins“ und „Teach-ins“, um auf die Missstände aufmerksam zu machen. Die Frankfurter Schule um Theodor W. Adorno stellte die radikalen Aktionsformen des SDS in Frage, jedoch blieb der Druck auf die Regierung bestehen. Am 11. April 1968 wurde ein Attentat auf Rudi Dutschke verübt, eine Schlüsselfigur der Bewegung, was die Spannungen weiter anheizte.
Somit zeigt der Tod von Benno Ohnesorg nicht nur die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Polizei, sondern auch den tiefen gesellschaftlichen Wandel, der in den folgenden Jahren in Deutschland stattfinden sollte. Die Ereignisse des 2. Juni 1967 sind bis heute ein Mahnmal für den Kampf um soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte, der auch in der heutigen Zeit von Bedeutung bleibt.