Heute ist der 12.05.2026 und in Tempelhof-Schöneberg gibt es Neues aus der Welt der Geschichte und der Erinnerung. Ein Buch, das zurzeit für Aufsehen sorgt, ist „Das Leben festhalten. Deutsch-jüdische Privatfotografie in den 1930er-Jahren“. Der Autor, der Historiker Robert Mueller-Stahl, hat damit ein Stück Zeitgeschichte in die Gegenwart transportiert. Auf dem Titelbild prangt ein Strandfoto, das eine junge Frau in einem Eisbären-Kostüm zeigt. Ein Bild, das viele Besucher der Ausstellung in seinen Bann gezogen hat.

Auf diesem Foto ist Edith Schlomann während der Olympischen Spiele 1936 in Berlin am Großen Stern zu sehen. Ein Moment der Heiterkeit, festgehalten in einem Sommer, der für sie alles andere als unbeschwert war. Nur wenige Zeit später wurde sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von ihrem Gymnasium verwiesen. Dieses Bild spiegelt die Dualität ihrer Erlebnisse wider – das Lachen, das den Schmerz der Ausgrenzung für einen Augenblick überdeckt.

Erinnerungen und Zeitzeugen

Mueller-Stahl, der am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam forscht, hat nicht nur die Vergangenheit studiert, sondern auch mit Zeitzeugen wie Walter Frankenstein gesprochen. Diese Gespräche waren mehr als nur informativ; sie hinterließen einen bleibenden Eindruck, vor allem die Unerschütterlichkeit, mit der Frankenstein seine Erinnerungen teilte. Es ist bemerkenswert, wie das Interesse an Fotoalben aus der Zeit des Nationalsozialismus in den letzten Jahren gestiegen ist. Man könnte fast sagen, dass die Vergangenheit, die lange im Schatten lag, nun ans Licht drängt.

Mueller-Stahl erhielt zuletzt ein Album von Kay Danley, das für seine Arbeit von großer Bedeutung ist. Während er nicht aktiv nach neuen Alben sucht, öffnet sich der Historiker neuen Themen und Perspektiven. So befasst sich die aktuelle Forschung auch mit privaten Fotografien von jüdischen Zwangsarbeitern, ein Bereich, der bisher oft vernachlässigt wurde. Und nicht nur das – Laura Schilling beschäftigt sich mit den Erinnerungen jüdischer Rückkehrer, die nach dem Krieg in die Bundesrepublik zurückkehrten, und untersucht deren private Alben.

Ausstellungen und Zukunftsprojekte

Ein weiterer spannender Aspekt ist die geplante Ausstellung in London, die in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute realisiert wird. Der dazugehörige Ausstellungskatalog wird 2024 in Berlin veröffentlicht. Diese Initiativen sind nicht nur ein Zeichen für ein wachsendes Interesse an jüdischer Geschichte, sondern auch für das beständige Bemühen, Erinnerungen lebendig zu halten. Zudem plant Mueller-Stahl ein Folgeprojekt, das sich mit jüdischen Agrar- und Gartenbauschulen auseinandersetzt – ein weiterer faszinierender Blick in eine oft übersehene Facette der jüdischen Geschichte in Deutschland.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren