Heute ist der 12.05.2026 und wir blicken auf eine besorgniserregende Situation in Berlin. Die Beratungsstelle Maneo hat ihren jährlichen Report veröffentlicht und die Zahlen sind alarmierend. 723 queerfeindliche Übergriffe wurden im vergangenen Jahr registriert, was zwar einen leichten Rückgang im Vergleich zu 738 im Vorjahr darstellt, aber dennoch eine hohe Dunkelziffer von 80 bis 90 Prozent bei nicht gemeldeten Übergriffen schätzt. Das bedeutet, dass viele Vorfälle im Verborgenen bleiben und die Realität für queere Menschen in unserer Stadt viel düsterer sein könnte.

Die Vorfälle sind erschreckend vielfältig. Eine Gruppe junger Männer beleidigt und attackiert einen 49-Jährigen in einer U-Bahn. Ein schwules Paar wird in einem Uber beschimpft und aus dem Fahrzeug geworfen. Und das ist noch nicht alles: In der Geflüchtetenunterkunft in Marzahn wird ein 17-jähriger schwuler Flüchtling angegriffen und beschimpft. Im Volkspark Friedrichshain werden schwule Männer verfolgt und bedroht. Diese schockierenden Berichte sind nur einige Beispiele aus dem Maneo-Report, der die traurige Realität für viele Menschen offenbart.

Ein Blick auf die Zahlen

Insgesamt bearbeitete Maneo 1014 neue Meldungen, ein neuer Höchststand. Dabei waren die häufigsten Arten der Übergriffe Nötigungen und Bedrohungen (39 %), gefolgt von Beleidigungen (31 %) und Körperverletzungen (31 %). Die Orte, an denen diese Vorfälle stattfanden, sind oft dieselben: Schöneberg, Neukölln, Kreuzberg, Friedrichshain und der Tiergarten. Öffentliche Verkehrsmittel und Straßen sind die Hauptschauplätze, wo die Sichtbarkeit queerer Menschen oft zu Angriffen führt.

Einige konkrete Vorfälle sind besonders erschreckend: Zwei sich küssende Frauen in Steglitz wurden beleidigt und geschubst. In einem Park wurden schwule Männer nachts beraubt und geschlagen. Und nicht zu vergessen die Angriffe auf queere Einrichtungen und Veranstaltungen – 58 solcher Vorfälle wurden registriert. Vandalismus ist hier keine Seltenheit: Einrichtungen wurden mit Eiern, Flaschen und Steinen beworfen. Die Fassaden von Gebäuden, Schaufenstern und sogar Regenbogenfahnen blieben nicht verschont.

Die Rolle von Maneo

Maneo ist seit 36 Jahren als Opferhilfe aktiv und hat im vergangenen Jahr 1927 Beratungsgespräche geführt. Die Beratungsstelle fordert dringend mehr Personal, um den hohen Beratungsbedarf zu bewältigen und um die Zusammenarbeit mit der Polizei zu verbessern. Es ist eine traurige Ironie, dass Maneo selbst mehrfach Ziel von Angriffen wurde, darunter ein Brandanschlag und Vandalismus an den eigenen Räumlichkeiten. Diese Angriffe zeigen, wie dringend notwendig die Arbeit von Maneo ist.

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Die Ereignisse haben nicht nur persönliche Auswirkungen auf die Betroffenen, sondern betreffen auch die gesamte queere Community in Berlin. Die Sichtbarkeit von queeren Menschen im öffentlichen Raum führt nicht selten zu Anfeindungen. Und das ist einfach nicht hinnehmbar! Die Tatsache, dass viele Vorfälle nicht gemeldet werden, lässt die Frage aufkommen, wie wir als Gesellschaft reagieren. Müssen wir mehr tun, um ein sicheres Umfeld für alle zu schaffen?

Wenn wir uns die Lage ansehen, drängt sich die Frage auf: Wie viele weitere Geschichten verstecken sich hinter den Zahlen? Geschichten von Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung angegriffen werden. Es ist an der Zeit, nicht nur zuzusehen, sondern aktiv zu handeln und für eine respektvolle und tolerante Gesellschaft einzutreten.