Heute ist der 19.10.2026, und in Steglitz-Zehlendorf brodelt es gewaltig in der Berliner SPD. Steffen Krach, der Landes- und Fraktionschef, hat nach den Sondierungen mit den Linken und Grünen den nächsten Schritt angekündigt: Koalitionsverhandlungen. Doch sein eigener Ortsverein Südende stellt sich quer und lehnt ein Bündnis mit der Linken entschieden ab. Hier ist die Stimmung alles andere als harmonisch – die Mitglieder fordern sogar einen Mitgliederentscheid, was für so manche Diskussion sorgen könnte.

Am Freitagabend verabschiedeten die Genossen zwei Anträge, die nun den Weg zur Kreisdelegiertenversammlung Steglitz-Zehlendorf und schließlich zum Landesparteitag suchen. Der Landesvorstand der SPD wird am kommenden Montag entscheiden, ob die Gespräche mit den Linken und Grünen aufgenommen werden. Und die Frage, die alle beschäftigt: Wo steht die SPD eigentlich in einem möglichen Bündnis mit der Linken? Der Ortsverein Südende ist der Meinung, dass sich die Partei klar gegen eine solche Koalition positionieren sollte, um ihre sozialdemokratischen Werte zu verteidigen.

Die Fronten verhärten sich

Ein zentrales Anliegen des Ortsvereins ist der Umgang mit Antisemitismus und die Verteidigung der bestehenden Rechtsordnung. Man fürchtet, dass die SPD bei einer Regierungsbeteiligung weiter an Bedeutung verlieren könnte. Die Positionen einiger Linken-Vertreter, so der Vorwurf, stehen im Widerspruch zu sozialdemokratischen Werten. Eine Minderheitsregierung aus Linken und Grünen könnte punktuell unterstützt werden, aber eine echte Zusammenarbeit sehen die Genossen kritisch.

Diese Bedenken werden auch von rund 20 SPD-Bundestagsabgeordneten geteilt, die in einer gemeinsamen Erklärung gegen ein Bündnis mit der Linkspartei Stellung beziehen. Sie bezweifeln die politische Verlässlichkeit des Landesverbands und führen wiederkehrende Auseinandersetzungen über Antisemitismus sowie Verbindungen einzelner Mitglieder zu problematischen politischen und kriminellen Milieus an. Es wird deutlich: Die Fronten verhärten sich, und die Debatte über die Koalitionsentscheidung könnte zur Zerreißprobe für die Berliner SPD werden.

Ein zentrales Thema: Antisemitismus

Die Sondierungsgespräche zwischen SPD, Grünen und Linken wurden bereits am Samstag abgeschlossen, jedoch blieben einige Differenzen bestehen, insbesondere in Bezug auf Antisemitismus. Während die SPD und die Grünen verbindliche Grundlagen zum Schutz jüdischen Lebens fordern, bekennt sich die Linke ebenfalls gegen Antisemitismus, möchte dabei aber zwischen Antisemitismus und politischer Kritik an der israelischen Regierung unterscheiden. Das sorgt für zusätzlichen Zündstoff, denn die SPD möchte sich klar zur Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) bekennen. Diese Definition wird von Bundestag, Abgeordnetenhaus sowie der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und dem Zentralrat der Juden als Grundlage angesehen.

Aber die Linke lehnt diese Definition ab und bezieht sich stattdessen auf die Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus (JDA). Die Unterschiede zwischen diesen beiden Ansätzen sind nicht zu unterschätzen und könnten die Koalitionsgespräche erheblich belasten. Der Ortsverein fordert eine klare Ablehnung der JDA zugunsten der IHRA-Definition. Angesichts der jüngsten antisemitischen Vorfälle und den Kontakten zur organisierten Kriminalität sieht man dies nicht als Einzelfälle, sondern als Teil einer besorgniserregenden Entwicklung.

Wohnen und Haushalt als weitere Streitpunkte

Ein weiterer zentraler Streitpunkt ist die geplante Vergesellschaftung großer privater Wohnungsunternehmen, die rund 160.000 Wohnungen betreffen würde. In einem politischen Raum, in dem von Kosten in Höhe von bis zu 16 Milliarden Euro die Rede ist, stehen die Meinungen weit auseinander. Während Befürworter den Einfluss gewinnorientierter Wohnungsunternehmen auf den Mietmarkt eindämmen möchten, befürchten Kritiker hohe Kosten und rechtliche Unsicherheiten ohne echte Lösungen für den Wohnraummangel.

Die neuen Koalitionsverhandlungen sind noch nicht in trockenen Tüchern. Der SPD-Landesvorstand berät heute über die Ergebnisse der Sondierungen und ein kleiner Parteitag der Grünen wird am Abend darüber abstimmen, ob die Verhandlungen mit der Linken beginnen sollen. Die Linke selbst will ihre Entscheidung erst am 31. Oktober treffen. Die politische Landschaft in Berlin könnte sich also bald drastisch verändern, und es bleibt abzuwarten, ob eine Rot-Grün-Rote Regierung zustande kommt oder ob neue Gespräche über alternative Mehrheiten notwendig werden.