In Steglitz-Zehlendorf tut sich was! Ab dieser Woche wird vor dem Finanzamt Zehlendorf, in der Martin-Buber-Straße 20/21, eine „Rote Bank“ aufgestellt. Die Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg von den Grünen wird am kommenden Mittwoch um 16 Uhr die Einweihung übernehmen. Und das Beste? Alle Bürger sind herzlich eingeladen, dabei zu sein! Das Ganze ist nicht nur ein schöner Anlass, sondern hat auch eine ganz wichtige Botschaft. Junge Menschen von der Jugend- und Familieneinrichtung Zephir gGmbH haben die Bank gebaut und damit ein starkes Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen gesetzt.

„Rote Bänke“ sind seit etwa zehn Jahren ein international anerkanntes Symbol, um auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Diese ursprünglich aus Italien stammende „Panchina Rossa“ soll dazu beitragen, Gewalt frühzeitig zu erkennen und ihr entgegenzutreten. Weltweit erinnern rote Bänke an die Opfer von Femiziden – das erste Exemplar wurde in den 2010er-Jahren in Italien aufgestellt. Auch in Deutschland stehen solche Bänke, beispielsweise in Speyer, Mannheim und Potsdam, sowie im Innenhof der italienischen Botschaft in Tiergarten. Die Gestaltung reicht von schlichten Holzbänken bis hin zu künstlerischen Skulpturen. Die rote Farbe steht für das Blut und die Lücke, die getötete Frauen hinterlassen.

Ein drängendes Problem

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut der Polizei und dem Berliner Senat gab es im Jahr 2025 mehr als 13.000 Opfer von Gewalt in Partnerschaften. Im Durchschnitt erlebten 16 Frauen pro Tag Gewalt durch ihren aktuellen oder ehemaligen Partner. Das ist, um ehrlich zu sein, einfach erschreckend. Auch die Anzahl der Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt steigt stetig an. In Berlin wurden im Jahr 2025 zehn Frauen durch Partner, Ex-Partner oder Familienmitglieder getötet. In fünf Fällen war der Tatverdächtige der aktuelle Partner, in zwei Fällen der Ex-Partner und in drei Fällen waren es Familienmitglieder. Dies wirft ein dunkles Licht auf die Realität, der viele Frauen ausgesetzt sind.

Die Bänke, die beispielsweise in Tempelhof-Schöneberg aufgestellt wurden, tragen den Schriftzug „Kein Platz für Gewalt gegen Frauen und Mädchen“. Das ist mehr als nur ein Satz – es ist ein Aufruf zur Solidarität. Außerdem finden sich QR-Codes, die auf das Hilfetelefon des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben verweisen. Die Unterstützung für Frauen in Not ist wichtig, um einen Ausweg aus diesen belastenden Situationen zu finden. Berlin gibt im laufenden Jahr über 45 Millionen Euro für den Gewaltschutz und die Unterstützung von Frauen aus. Für 2027 sind sogar 53,5 Millionen Euro vorgesehen, darunter zehn Millionen Euro vom Bund. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber sind wir da schon genug?

Häusliche Gewalt und Femizide

Das Thema Gewalt gegen Frauen ist nicht nur ein lokales Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Diese Form der Gewalt, die als geschlechtsbezogene Gewalt verstanden wird, betrifft Frauen und Mädchen überproportional. Der Begriff „Femizid“ bezeichnet die Tötung von Frauen durch Männer, weil sie Frauen sind. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von individuellen Tätermerkmalen bis hin zu strukturellen gesellschaftlichen Bedingungen. Häusliche Gewalt, die oft im sozialen Nahraum auftritt, ist ein weit verbreitetes Problem. Laut den Forschungsergebnissen ist vorangegangene häusliche Gewalt ein bedeutender Risikofaktor für Femizide.

Die Dunkelziffer ist dabei erschreckend hoch. Viele Taten werden nicht gemeldet, da die Täter häufig Ehemänner oder Partner sind und die Betroffenen den Gang zur Polizei scheuen. Ein mögliches Motiv für viele Tötungen ist auch der Frauenhass, der in patriarchalen Strukturen wurzelt. Die Verbreitung von Gewalt gegen Frauen lässt sich nur schwer erfassen, da viele Taten im Dunkelfeld bleiben. Die Polizeistatistik bildet lediglich das Hellfeld ab, also die Fälle, die den Behörden bekannt werden. Umso wichtiger sind Initiativen wie die „Rote Bank“, die auf diese Missstände aufmerksam machen und die Gesellschaft sensibilisieren.

Es bleibt zu hoffen, dass die „Rote Bank“ in Steglitz-Zehlendorf nicht nur ein Symbol ist, sondern auch ein Anstoß für Gespräche und Veränderungen in der Gesellschaft. Jedes Zeichen zählt, um das Bewusstsein für dieses drängende Thema zu schärfen. Wenn wir gemeinsam hinschauen und handeln, können wir vielleicht eines Tages eine Welt schaffen, in der Gewalt gegen Frauen der Vergangenheit angehört. Vielleicht wird die rote Bank dann nicht mehr nötig sein.